Spannendes Projekt zur politischen Bildung: Erstmals U18-Wahl an elf Standorten im Landkreis

Mündige Jugend an die Wahlurne

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Jede Stimme zu Gehör bringen: „Demokratiebildung beginnt nicht erst mit 18“, findet Kreisjugendpflegerin Christina Daisenberger.

Region – Landauf, landab wird gerechnet und prognostiziert: Welche Parteien vereinen bei der Landtagswahl am 14. Oktober wie viele Stimmen auf sich; wer koaliert – wenn überhaupt – mit wem? Würden sie mitwählen, fiele das politische Kräfteverhältnis womöglich anders aus: die Kinder und Jugendlichen im Landkreis. Ihnen eine Stimme zu geben, vielmehr aber noch, ihre politische Meinungsbildung anzuregen, ist Anliegen der sogenannten U18-Wahl, die mit Unterstützung der Kommunalen Jugendarbeit im Landrats- amt am 5. Oktober erstmals abgehalten werden soll.

Das Wahlverhalten älterer Menschen entscheidet darüber, in welcher Welt die jüngeren noch vergleichsweise länger leben. Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2017 war über 50 Jahre alt, nämlich 56 Prozent. Gerade einmal 4,8 Prozent waren dem gegenüber Erstwähler – alle Wählenden bis 30 Jahre machten in Summe lediglich 15,4 Prozent aus. „Mehrheitsorientierte Politik wird nicht zwangsläufig zu Gunsten der Jugend gemacht“, schlussfolgert das Netzwerk U18, das von öffentlichen und freien Trägern wie dem Landesjugendring Bayern und dem deutschen Kinderhilfswerk initiiert und beispielsweise vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird.

Politische Grundsatzentscheide, sei es in der Bildungs-, Sozial-, Arbeitsmarkt- oder Außenpolitik, führten zu „Konsequenzen, die Kinder und Jugendliche auf ihrem Lebensweg länger und intensiver betreffen werden als die ältere Generation“. Würden die Jüngeren nur marginal als Zielgruppe wahrgenommen, „steht der Politikverdrossenheit junger Leute quasi eine Jugendverdrossenheit der Politik gegenüber“.

Dass Kinder und Jugendliche vollkommen in der Lage sind, sich kompetent zu artikulieren und im Rahmen politischer Bildungsarbeit mit Wahlen auseinanderzusetzen, wolle U18 verdeutlichen und auch fördern. Und das immerhin schon seit 1996. 22 Jahre, nachdem die erste Auflage stattfand, kommt das Projekt nun auch im Landkreis Weilheim-Schongau an.

„Wir haben uns mit dem Kreisjugendring entschieden, mitzumachen“, erklärt Kreisjugendpflegerin Christina Daisenberger. „Wir wollen begleiten und motivieren.“ Es gehe darum, Demokratie zu lehren. „Teilnahmemöglichkeiten sind unser allerwichtigstes Gut.“ Die Erkenntnis zu vermitteln, dass auch die einzelne Stimme eben nicht unwichtig sei, stelle das größte Anliegen dar. Das Wissen hierum auch schon bei Kindern zu schärfen, habe sich der Kreisjugendring auf die Fahnen geschrieben. Denn: „Demokratiebildung beginnt nicht erst mit 18“, ist Daisenberger überzeugt.

Seit der Kreisjugendring im Mai und Juni erste Anläufe unternahm, Partner zu finden, die Wahllokale im Landkreis einrichten, haben sich einige entsprechende Standorte gefunden (siehe Infokasten). „Eine angenehme Zahl, mit der wir aufgrund der guten Verteilung in der Fläche zufrieden sind“, zieht Daisenberger ein Zwischenfazit. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, der nun zum zweiten Mal teilnimmt, sei bei der Premiere eine vergleichbare Zahl erreicht worden.

Eine anvisierte Marke an Teilnehmern habe sich der Kreisjugendring nicht gesetzt, so Daisenberger. Sie wünscht sich, auf ein Echo zu stoßen, das sich zur Kommunalwahl 2020 nochmals ausbauen lässt.

U18 sei immer dann am wirkungsvollsten, wenn sich nicht nur die Kinder und Jugendlichen mit Politik auseinandersetzen, sondern auch seitens der Parteien der Kontakt gesucht werde, teilt das Bundesnetzwerk mit. Wie viele und welche entsprechenden Aktionen initiiert werden, obliegt den verschiedenen Wahllokalen. Das heißt: Sowohl die Teilnehmer als auch die Wahllokale, die die Inhalte in Vorbereitung auf den Wahltag aufbereiten, sind gefordert, verschiedene Themen in unterschiedlicher Intensität zu erarbeiten und eigene Schwerpunkte zu setzen.

Der Termin zur Abstimmung in den jeweiligen Wahllokalen ist stets neun Tage vor der offiziellen Wahl – in diesem Jahr also am 5. Oktober. Die Öffnungszeiten vor Ort variieren. Zur Teilnahme eingeladen sind alle im Land lebenden Minderjährigen, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft, ohne Altersbeschränkung nach unten.

Und nach der Wahl geht es weiter: Mit den Ergebnissen startet das Medienmobil andi eine Aktionswoche; am Montag, 8. Oktober, macht es Station in Weilheim und tags darauf in Schongau. Ein Vorbereitungsworkshop für dabei engagierte Jugendreporter findet am Samstag, 6. Oktober, von 10 bis 16 Uhr im Juze Erlhaus in Murnau statt. Weitere Infos unter www.stimmlos-oberbayern.de.

Einige Wahllokale:

Gemeinde Wielenbach (Peter-Kaufinger-Str. 10), Sozialer Treff im Schächen (Hauptstr. 40a in Hohenpeißenberg), Heinrich-Campendonk-Realschule Penzberg (Karlstr. 36 – nicht öffentlich), Berufliches Schulzentrum Schongau (Wilhelm-Köhler-Str. 40), Juze Schongau (Bürgermeister-Lechenbauer-Str. 2), Rathaus Weilheim (Admiral-Hipper-Str. 20), Alfons-Brandl-Schule Herzogsägmühle (Schulweg 5 – n.ö.), Juze Peiting (Lorystr. 1), Jugendhaus Come In (Pütrichstr. 14 in Weilheim), Realschule Peißenberg (Sonnenstraße 29 – n.ö.), Gemeindeverwaltung Seeshaupt (Weilheimer Str. 1-3), Mittelschule Huglfing (Seeleite 33), Montessori-Schule Peißenberg (Wörther Kirchstr. 10), Montessori-Schule Penzberg (Seeshaupter Str. 32 – n.ö.), Juze Penzberg (Nonnenwaldstr. 20b – n.ö.)

Von Rasso Schorer

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