"Ungebrochener Optimismus"

Dass die Bedeutung der „Vor-Ort-Bundeswehr“, des Standortes Landsberg, groß ist, hat sich beim Neujahrsempfang schon an den Gästen gezeigt. Nicht nur militärisch, sondern auch politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich war das Offiziersheim auf dem Fliegerhorst Penzing gut besucht. Alle interessierte, wie es weiter- geht an diesem Bundeswehrstandort. Und Oberst Klaus Schuster, der Standortälteste, konnte auf die nahe Zukunft des wichtigen Lufttransportgeschwaders 61 verweisen. Denn er vermutet, dass „die Transall noch bis etwa 2021 betrieben wird“.

Grund dafür sind Verzögerungen bei der Einführung des Transportflugzeuges A400M und auch beim Einsatz des neuen Hubschraubers NH 90 – von diesen Zeitverschiebungen „profitiert“ das LTG 61 und der Betrieb von Transall und Bell UH-1D (noch bis 2014). Mit 1400 Mann ist das Geschwader der größte Verband am Stand­ort. Ob oder wie der Platz später fliegerisch weitergenutzt wird, steht aber laut Oberst Schuster derzeit noch offen. „Ungebrochener Optimismus“ der Truppe zeige sich auch in Infrastrukturmaßnahmen, wie an Arbeiten an Startbahn, Rollwegen, Kanalisation, der Straßen und der Hauptzufahrt. Die zweitwichtigste Truppe (500 Personen) stellt die Flugabwehrraketengruppe 22. Im Mai dieses Jahres feiere der Verband sein 50-jähriges Bestehen mit einem Appell auf dem Hauptplatz und einem öffentlichen Fest in Penzing, informierte Schuster vorab. „Nicht mehr zu den zukunfts­trächtigen Anlagen zählt die Welfenkaserne“, so der Stand­ortälteste. Wenn keine militärische Nachnutzung in nächster Zeit auftauche, sei eine Schließung nicht aufzuhalten. Der Oberst erinnerte dabei auch an den geschichtsträchtigen Bunker. Er wünscht sich, dass die Gedenkarbeit, die die Bundeswehr dort geleistet hat, fortgeführt wird. Zur deutschen Verteidigungspolitik wollte er eigentlich nicht viel sagen – jedoch kritisierte er, dass „im Nachgang von bewaff­neten Einsätzen monatelang über deren Rechtmäßigkeit diskutiert werde.“ Die Kameraden würden im Einsatz ihren Selbst­einschätzungen überlassen, um sie später vor Gericht zu zerpflücken. Afghanistan aufzubauen und zu stabilisieren, damit kein Terror von dort mehr in die Welt gelangen kann, sei das Ziel und der Weg dorthin steinig. Ein „Riesenerfolg“ vor Ort sind für ihn die Verbesserungen im Schulwesen oder bei den Rechten der Frauen. Den Anwesenden machte der Standortälteste Komplimente: „Wir Soldaten und zivilen Mitarbeiter fühlen uns hier am Standort sehr gut aufgehoben. Sie nehmen uns ihrer Mitte auf und vielen gefällt es hier so gut, dass sie auch nach ihrer Zurruhesetzung bleiben oder wieder zurückkehren.“ Schuster selbst möchte noch bis zur Pensionierung in drei bis vier Jahren am Standort Landsberg tätig sein. Anders ist die personelle Lage beim LTG-Kommodore: Der bisherige, Ludger Bette, wird den Fliegerhorst schon bald, am 12. Februar, verlassen – Nachfolger ist Oberstleutnant Christian Leitges. Nach einem Lehrgang in Rom, wird Bette zum europäischen Lufttransportkommando nach Eindhoven in die Niederlande wechseln. Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande wollen dort ihre Kräfte bündeln. „Fliegerische Truppen sind immer eine kritische, knappe Ressource“, erklärte Bette dazu. Von dem neuen Kommando erhofft er sich Synergieeffekte zwischen den vier Beteiligten, die sich ihre freien Kapazitäten untereinander bereitstellen könnten. Diese Aufgabe bedeutet für etwas ganz Neues für ihn. Drei Jahre und acht Monate war Bette am Standort Landsberg. „Für mich war es eine spannende Zeit mit vielen Herausforderungen.“ Besonders froh ist er, dass seine Soldaten aus ihren Einsätzen immer heil zurückkamen und, dass kein Flugunfall passierte. Das LTG 61 erhielt dafür im Juli letzten Jahres eine Flugsicherheitsurkunde. „Prima Arbeit“, hatte Schuster zuvor gewürdigt. Landsbergs 2. Bürgermeister Norbert Kreuzer lobte die Bundeswehr – besonders für ihr Engagement in der Not, wie aktuell in Haiti. „Man muss das Gute tun, damit es in der Welt sei“, zitierte er die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Die Bundeswehr vereine Feuerwehr, Rettungsschwimmer, Sanitäter und viele weitere Helfer in sich. Kreuzer beschwor, „den Fokus auf das Miteinander zu legen“. Nur gemeinsam seien die Aufgaben und Probleme zu bewältigen.

Meistgelesen

Kleiner Käfer, großer Schaden
Kleiner Käfer, großer Schaden
Verbundlösungen gehört die Zukunft
Verbundlösungen gehört die Zukunft
Fällaktion in Murnau
Fällaktion in Murnau
Existenz von Imkerei bedroht
Existenz von Imkerei bedroht

Kommentare