Unternehmer im Zwiespalt – Liquidität oder "Ökoprofit"?: Energiewende Thema beim Stammtisch

V. li.: Wolfgang Dollinger, Professor Dr. Stefan Emeis und Frank Dittmann. Foto: Jepsen

Für den Landkreis ist ein umfassendes Klimaschutzkonzept entwickelt worden. Doch wie soll die Energiewende in die Praxis umgesetzt werden? Eine Frage, die im Unternehmerkreis Weilheim-Peißenberg für Diskussionsstoff sorgte.

Beim Stammtischtreffen im „Solarzentrum Oberland“ referierten Prof. Dr. Stefan Emeis und Dr. Werner Zittel über zwei Stunden über das „Umweltklima im Oberland“ und die Ergebnisse des Energiegutachtens. Das einhellige Fazit der Experten: Damit in der Region bis 2020 die klimarelevanten Emissionen um 40 Prozent reduziert werden können, müssen die notwendigen Maßnahmen deutlich schneller voran- getrieben werden. Emeis, Mitglied im Klimabeirat des Landkreises, forderte eine „neue Technologiepolitik“ und bessere Informationsstrukturen hinsichtlich regenerativer Energiequellen. Der Bevölkerung müsse vermittelt werden, dass der Strom künftig „anders“ erzeugt werden müsse. Emeis warb für „regionale Kreisläufe“ und „Autarkie bei der Energiegewinnung“, die seiner Meinung nach „die Lösung der ganzen Geschichte“ wäre. Im Gegensatz zur abgelehnten Energieagentur begegnet Emeis dem vom Kreistag beschlossenen Beitritt zur Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“ mit großer Skepsis: „Ich sehe nicht, dass die Stiftung die treibende Kraft für die Umsetzung ist.“ Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der begrenzten Ressourcen an fossilen Energieträgern sei jedoch laut Zittel „ein Weiter so“ nicht mehr möglich. Einsparpotenziale verspricht sich der Diplomphysiker durch gezieltes Energiemanagement und technische Aufrüstungen speziell bei gewerblich genutzten Kühlungs- anlagen. Zittel appellierte an die Unternehmer, das Energiesparen ernst zu nehmen: „Es gibt viele Maßnahmen, die sehr sinnvoll sind.“ In die gleiche Kerbe schlug Kreisrat Karl-Heinz Grehl (Bündnis 90/Die Grünen). Die Betriebe müssten nicht nur die Kommunalpolitiker in die Pflicht nehmen – „Es sollte kein Bürgermeister mehr herumlaufen, der nicht weiß, wie viel Energie in seiner Gemeinde verbraucht wird“ -, sondern auch ihre Mitarbeiter in punkto „Ökoprofit“ sensibilisieren. Eine grundlegende Verhaltensänderung würde auch den Geldbeutel der Firmeneigner schonen. Unternehmerkreis-Vorsitzender Frank Dittmann widersprach zwar nicht, verwies aber darauf, dass die Investitionen in Einsparmaßnahmen differenziert betrachtet werden müssten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelte für die Betriebe nämlich die alte Regel: „Liquidität geht vor Rentabilität“. Im „Solarzentrum Oberland“ hat man den Rentabilitätsgedanken indes längst verinnerlicht, was auch dem Klimaschutz zugute kommt. Laut Firmenchef Wolfgang Dollinger werden seit der energetischen Sanierung des Betriebsgebäudes am Weidenbach pro Jahr 191 Tonnen Kohlendioxid weniger emittiert als vorher.

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