ASF diskutiert in Peißenberg über die Rolle von Frauen in der Kommunalpolitik

Mit Rückgrat und Kopf

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Regina Bartusch (Bildmitte) skizzierte auf Einladung der Kreis-AsF ihre kommunalpolitische Karriere.

Peißenberg – Es war ein sehr überschaubares Häufchen von lediglich neun Frauen und SPD-Kreischef Dominik Hey als „Quotenmann“, das sich auf Einladung der regionalen AsF-Gruppe aus Anlass zum „Internationalen Tag der Frau“ im Nebenzimmer des Gasthauses „Zur Sonne“ in Peißenberg traf.

Das geringe Interesse war schade, denn die Veranstaltung mit dem Titel „Ratsfrauen im Gespräch“ hätte eine größere Resonanz verdient gehabt. Diskutiert wurde nicht nur über die Rolle von Frauen in der Kommunalpolitik, sondern auch über gesellschaftliche Trends (Stichwort: Soziale Medien, Wutbürger) und die Bedeutung von Parteienzugehörigkeit.

Als Hauptrednerin hatte die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) Regina Bartusch eingeladen. Die Penzbergerin erzählte über ihre kommunalpolitische Karriere, von den Anfängen als „SPD-Karteileiche“ über ihren Einzug 1996 in den Stadtrat („Die ersten sechs Jahre waren eine Lernzeit“) und ihre Wahl zur dritten Landrätin im Jahr 2014: „Das war eine große Ehre und Wertschätzung für mich. Und es war für die SPD wichtig, als zweitstärkste Kreistagsfraktion bei der Besetzung mit dabei zu sein.“ Bartusch sprach aber auch über eine unerfreuliche Entwicklung: „Die Attacken auf Kommunalpolitiker haben in den letzten Jahren zugenommen. In den Sozialen Medien gehen die Beleidigungen lockerer von der Hand – ohne sachliche Fundierung. Das beeinträchtigt die Arbeit.“ Bartusch betonte, dass weibliche Mandatsträger allgemein ein Gewinn für die Kommunalgremien seien: „Sie setzen andere Schwerpunkte als Männer.“ Ins gleiche Horn stieß Monika Ludwig, die seit über 30 Jahren im Peitinger Gemeinderat sitzt: „Frauen machen den Umgang in einer Fraktion liebenswerter.“ Doch auch inhaltlich bräuchte sich das weibliche Geschlecht nicht zu verstecken: „Wir Frauen haben Rückgrat und Kopf. Frauen denken im Vorfeld manchmal sogar etwas logischer als Männer“, konstatierte Ludwig, allerdings würde es bisweilen am Selbstbewusstsein mangeln: „Man meint als Frau immer, dass man mehr wissen sollte als Männer. Aber das ist nicht so.“

Und wie sieht es nun mit der Gleichberechtigung in der kommunalpolitischen Szene konkret aus? „Frauen bringen zumeist Wählerstimmen. Aber wenn man dann eine eigene Meinung hat, hört das Interesse auf“, gab AsF-Kreisvorsitzende Jutta Geldsetzer zu bedenken. Laut Ludwig ist es schwierig, junge Frauen für Listenkandidaturen zu begeistern. Es sei für sie komplizierter geworden, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen und daneben noch eine Ratstätigkeit anzunehmen. „Die Jungen wollen keine festen Termine mehr. Sie wollen sich nicht festlegen.“ Geldsetzer sieht genau darin ein Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau: „Beim Mann sagt keiner, dass es schwer ist. Wenn es um Kinderbetreuung geht, dann muss die Frau herhalten. Da sind wir noch lange nicht da, wo wir hinwollen.“

Im Verlauf der Diskussion wurde aber ganz generell die mühsame Nachwuchsrekrutierung von Mandatsträgern erörtert. Nach Einschätzung von Dominik Hey würden sich die Leute nicht weniger politisch engagieren als früher, allerdings eher „ad hoc“ und im Rahmen von ganz konkreten Projekten. Grundlegende Veränderungen könnten aber nur gestandene Parteien herbeiführen: „Da hilft keine Bürgervertretung von Hinterdupfing. Damit kann ich nur die Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpfen“, argumentierte Hey. Geldsetzer wiederum verwies auf die persönliche Grundwertehaltung, die man durch die Mitgliedschaft in einer Partei nach außen demonstriere. Bei offenen Bürgerlisten sei die aber für den Wähler nicht erkennbar. In die gleiche Kerbe stieß Ludwig: „Es ist viel einfacher, für eine unabhängige Liste zu kandidieren. Da kann man seine Meinung nach dem Wind richten.“

Von Bernhard Jepsen

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