Verbanntes Gewerbe? Standortsuche in Pähl

Die Gewerbetreibenden in Pähl benötigen ein Gewerbegebiet. Darüber sind sie sich größtenteils einig. Uneins sind sie sich noch bei der Frage nach dem Standort. Eine Entscheidungshilfe bot der Wessobrunner Kreis kürzlich mit einer Podiumsdiskussion im Pfarrheim, die über 50 Personen besuchten. Denn im Zuge des Flächennutzungsplanes können die Bürger noch Einwände geltend machen und Vorschläge anbringen.

„Wir wollen im Ort akzeptiert und nicht nach draußen verbannt werden“, sprach sich Gemeinderat und Unternehmer Thomas Baierl für den Standort hinter dem Sportplatz an der Weilheimer Straße aus. Dieser sei in Ortsnähe und mühelos zu Fuß zu erreichen. Der Standort verschandele zudem nicht den Ausblick, den man vom Hirschberg kommend, auf Pähl bekäme, stimmten ihm einige Anwesende – die jedoch nicht aus Pähl waren – sowie der Wessobrunner Kreis zu. Dieser ließ mit dem Titel der Podiumsdiskussion – „Gewerbegebiet vor Alpensilhouette?“ – seine eigene Meinung erkennen. Pähls Bürgermeister Klaus Pfeiffer, ein Gros der Gemeinderäte und Bürger favorisieren dagegen ein Gewerbegebiet entlang der Wielenbacher Straße, beim sogenannten Hühnerhof. Das Argument Baierls, der Standort im Norden sei ortsnäher, entkräftigte Werner Vollmer: „Beide Standorte sind vom Ortskern gleichermaßen entfernt.“ Weil entlang der Wielenbacher Straße keine Bebauung sei, käme einem die Strecke nun einmal länger vor. Das bestätigten mehrere Bürger, auch wenn der Diskussionsmoderator Alfred Sunder-Plassmann, vom Wessobrunner Kreis, das zunächst nicht glauben mochte. Der am Flächennutzungsplan beteiligte Landschaftsarchitekt Fritz Erhard wies auf die Problematik der Erschließung eines Gewerbegebietes am Sportplatz hin. „Wird es zwischen Weilheimer- und der geplanten Umgehungsstraße angesiedelt, dann können die Gebäude nur entlang der Weilheimer Straße gebaut werden“, sagte er. Denn in Richtung Ammer gäbe es ein Gefälle von über acht Metern. Dadurch sei in einigen Jahren die Kapazität erschöpft, weitere Betriebe könnten sich nicht ansiedeln und ein neues Gewerbegebiet müsste erschlossen werden, befürchtet Pähls zweiter Bürgermeister Hans Weber. Das Gelände am Hühnerhof sei dagegen relativ eben und demzufolge besser zu erschließen. Diesem Argument stimmte der erste Bürgermeister Klauss Pfeiffer nach der Podiumsdiskussion zu. „Wenn das Gelände nicht taugt, bekommen wir niemanden, der da bauen will“, erklärte er. Während der Veranstaltung blieb Pfeiffer stumm, um „die öffentliche Meinungsfindung nicht durch Kommentare zu beeinflussen“. Der Vorschlag eines Bürgers, gänzlich auf ein Gewerbegebiet zu verzichten und die Betriebe in leerstehenden Gebäuden innerhalb Pähls unterzubringen, erntete viel Kritik. „Wir haben unser Gewerbe auf drei Flächen aufgeteilt. Für uns ist es extrem wichtig, uns zu zentralisieren“, sagte eine Pählerin. „An der Wielenbacher Straße verfügt die Gemeinde über Grundstücke“, nannte Vollmer einen Vorzug des dortigen Standortes. 9000 weitere Vorzüge ergänzte Bürgermeister Pfeiffer. Denn so viele Fahrzeuge würden täglich die Wielenbacher Straße befahren. „Tendenz steigend.“ Wird das Gewerbegebiet im Norden Pähls beschlossen, dann befürchtet er, dass der gesamte Lieferverkehr künftig durch die Ortschaft fährt. Doch allzu viel Zeit sollte mit dem Bau des Gewerbegebietes nicht verstreichen. „Der Bedarf ist seit zehn Jahren vorhanden. Weil wir solange geschlafen haben, sind viele Unternehmen in andere Gemeinden abgegangen“, mahnte Weber eine Verzögerung an. „Die Leute warten seit Jahren, dass wir was anfangen können.“ Dem fügte Pfeiffer hinzu: „Die Firmen sitzen schon in den Startlöchern.“ Die Ergebnisse der Podiumsdiskussion würden nun im Gemeinderat besprochen.

Meistgelesen

Verbundlösungen gehört die Zukunft
Verbundlösungen gehört die Zukunft
Kleiner Käfer, großer Schaden
Kleiner Käfer, großer Schaden
Alles auf einen Blick
Alles auf einen Blick
Fällaktion in Murnau
Fällaktion in Murnau

Kommentare