Ein einmaliges Projekt

Verein Lebensarchitektur feierte sein fünfjähriges Bestehen mit einem großen Fest

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Die illustre Geburtstagsgesellschaft v. li.: Peter Eck vom „Torito“; Markus Loth, erster Bürgermeister; Landrätin Andrea Jochner-Weiß; MdB Alexander Dobrindt; Bernhard Santiago Kuhn, Vorstand; Malte Siebert, stellvertretender Vorstand; Angelika Flock, dritte Bürgermeisterin; Marco Weiß, Kuratoriumsvorsitzender; Birgit Tang und Obeid Muradi, beide Kuratoriumsmitglieder.

Weilheim – Die weltweit einzige professionelle Kinder- und Jugendhilfe-Organisation von Menschen, die selbst in Einrichtungen gelebt haben, hat ihren Sitz in Weilheim: Der Verein Lebensarchitektur hat es sich zum Ziel gesetzt, mit einer inklusiven Pädagogik Kindern und Jugendlichen, die unverschuldet nicht in ihrer eigenen Familie groß werden können, ein Zuhause zu geben. Nun wurde das fünfjährige Bestehen mit einem großen Fest gefeiert.

Viele waren der Einladung des Vereins gefolgt: Kinder der Einrichtung in Lagerlechfeld, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter, sowie zahlreiche Vertreter der Kommunalpolitik und der Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag Alexander Dobrindt, den ein langjähriger Kontakt mit dem geschäftsführenden Vorstand der Lebensarchitektur, Bernhard Santiago Kuhn, verbindet. Er besuchte schon vor vielen Jahren Kinder, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe lebten und diskutierte mit ihnen, lud zur Brotzeit oder spielte mit ihnen Schach. Aus diesen Kindern wurden die Gründer des Vereins Lebensarchitektur, und dies wohl auch, weil sie früher erlebten, dass sie von einem Politiker ernst genommen wurden und damit für sie greifbar wurde, dass eine demokratische Gesellschaft Partizipations- und Mitgestaltungsmöglichkeiten vorsieht.

Das Kuratorium der Lebenshilfe ist satzungsgemäß mehrheitlich mit Menschen besetzt, die früher selbst in Einrichtungen gelebt haben. Einer von ihnen ist der Vorsitzende Marco Weiß, der selbst im St. Anna-Heim Kochel und im SOS-Jugendhaus Weilheim aufwuchs und heute eine IT-Firma in Raisting betreibt. Er kritisierte in seiner kurzen Ansprache vor allem zwei Punkte: Zum einen die Diktion in der Kinder- und Jugendhilfe, die eine Stigmatisierung für die betreuten Kinder zur Folge habe, wenn statt „Zuhause“ von „stationärem Aufenthalt“ und „Leben in der Gruppe“ die Rede ist. Zum anderen prangerte er die Praxis an, dass die unschuldig in diese Situation geratenen Jugendlichen, sobald sie Geld verdienen, 75 Prozent davon abgeben müssen, während die eigentlich Verantwortlichen – die Eltern, die ihrer Erziehungspflicht nicht nachkommen – unbehelligt bleiben.

Eine, die diese Situation aus eigenem Erleben kennt, ist Landrätin Andrea Jochner-Weiß, selbst viele Jahre Pflegemutter. Und auch Dobrindt äußerte Verständnis und die Hoffnung, dass sich diese Situation – wenn auch nicht so schnell wie wünschenswert – ändern wird. „Es berührt mich unheimlich, wie es mit diesem Projekt gelingt, Familie zu schaffen, Wärme und Geborgenheit.“ Gerne werde er neue Vorhaben unterstützen und helfen, wenn ein Stein aus dem Weg geräumt werden muss.

Von Bianca R. Heigl

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