Verheerendes Feuer in Penzberg – Historisches Rathaus großteils zerstört – Schwierige Löscharbeiten mit 300 Einsatzkräften

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ANDRE LIEBE; Penzberg – Es was Viertel nach neun, als Kämmerer Rupert Brettner ein Geruch von verbranntem Holz in die Nase stieg. Der Blick aus dem Fenster brachte ihm dann Gewissheit: Aus dem Dach im historischen Teil des Penzberger Rathauses stiegen Rauchschwaden auf. Brettner löste Feueralarm aus. Das war um 9.16 Uhr. Was sich in den folgenden Stunden entwickelte, war die größte Brandkatastrophe in Penzberg seit dem verheerenden Feuer im AWO-Seniorenheim. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Penzbergs Feuerwehrkommandant Rüdiger Sobotta. Die Erschöpfung ist ihm am frühen Nachmittag ins Gesicht geschrieben. Mitterweile sind 300 Einsatzkräfte der Feuerwehr, zum Teil aus Garmisch, Bad Tölz, Peiting in Geretsried, vor Ort. Den Brand können sie aber nicht unter Kontrolle bringen. „Das Dach ist so verwinkelt, dass es immer wieder Stellen gibt, an die wir mit unseren Mitteln nicht hinkommen“, sagt Sobotta. In Absprache mit Kreisbrandrat Alfons Breyer entschließt sich der Einsatzleiter gegen 15 Uhr dann für die letzte Option: Ein Bagger mit langem Greifarm reißt von der Karlstraße aus die Dachkonstruktion ein. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich das Feuer weiter ausbreiten kann. Krachend fallen die ersten kokelnden Balken zu Boden, während an anderen Stellen immer wieder Flammen in die Höhe schießen. Dabei begann dieser Tag ganz harmlos. Über dem Seiteneingang des Rathauses hatte ein Spengler noch letzte Lötarbeiten an einem Blech zu verrichten. Als der Handwerker die Baustelle bereits wieder verlassen hatte, nahm das Unheil seinen Lauf. Offenbar durch einen Funken, so nimmt auch die Kriminalpolizei an, wird der Brand ausgelöst, der weder mit Wasser noch mit Schaum gelöscht werden kann. „Ich bin erschüttert“, sagt Bürgermeister Hans Mummert, als er auf dem Stadtplatz eintrifft. Mummert hatte noch Urlaub und nahm gerade an einem Tennisturnier teil, als das Feuer ausbrach. Als er vor dem Rathaus ankommt, hat sein Stellvertreter Johannes Bauer bereits die wichtigsten Unterlagen aus dem Bürgermeisterbüro geräumt. Der Raum stand da aber schon unter Wasser. Während das Feuer nur den Dachstuhl vernichtete, verursachte das Löschwasser im übrigend Gebäude immense Schäden. „Das geht in die Millionenhöhe“, sagt Mummert am Nachmittag. Der historische, denkmalgeschützte Teil des Rathauses werde wohl erst in einem Jahr wieder zu benutzen sein. Mummert denkt ist dieser Stunde aber auch an den Spengler, der Brand aller Voraussicht nach verursacht hat: „Wir hegen keinen Groll, sondern haben Mitleid mit ihm, denn er ist ein sehr gewissenhafter Handwerker.“ Ludwig Schmuck, der BRK-Bereitschaftsleiter, der mit zwölf Rettungskräften und zwei Ärzten vor Ort war, hatte trotz des Großeinsatzes relativ wenig zu tun: Nur zwei Feuerwehrmänner haben sich verletzt. Bei dem einen Riss die Achillesferse, als er versuchte, eine Tür einzutreten, der andere hat sich lediglich einen Fuß verstaucht.

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