Datings und das doppelte X

Virtuelles Teaser-Event soll auf Lange Nacht der Demokratie einstimmen

Susann Enders im Interview.
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Im Großen Sitzungssaal des Rathauses muss Schülerin Johanna Wimmer Kommunalpolitikerin Susann Enders an getrennten Stehtischen interviewen, um den nötigen Abstand zu wahren. Was bei dem Speeddating herauskam, soll am 16. April auf Youtube zu sehen sein.
  • vonStephanie Novy
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Murnau – So richtig professionell schaut das Ganze erst einmal nicht aus. Da klebt ein weißes Plakat auf der hölzernen Doppeltüre des Großen Sitzungssaales im Murnauer Rathaus. Auf dem Papier wird mit bunten und groben Holzstiftlinien auf die Teaser-Veranstaltung zur Langen Nacht der Demokratie hingewiesen.

Zwar macht das Plakat den Anschein, einer Kindergartenwand entrissen worden zu sein, doch was sich hinter den Türen abspielt, hat nichts mit Kindergarten zu tun, sondern ist ernst, wichtig und in seinem Aufzug unerwartet professionell.

Vergangenes Jahr musste die Lange Nacht der Demokratie der Corona-Pandemie wegen abgesagt werden. Nun soll sie heuer im Oktober nachgeholt werden. Ein Teaser-Event als Livestream aus dem Murnauer Rathaus soll Mitte April bei Politikinteressierten und jenen, die zu solchen werden wollen, Neugier auf die Veranstaltung wecken. Dabei werden unter anderem die hiesige Band „Zeitzeugen“, die Künstlerin Lena Polizcka, welche die Kunstinstallation im Sitzungssaal geschaffen hat, Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting, Landrat Anton Speer, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Kommunalpolitikerinnen zu sehen und hören sein. Rund 40 Minuten werde das Konvolut aus zusammengeschnittenen Aufnahmen umfassen, meint Ulrike Leimig, die Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Leimig sitzt in einem Besprechungsraum des Murnauer Rathauses, nasskalte Luft strömt durch ein geöffnetes Fenster hinein. Frischluft atmen auch Mona Lux von der Marktgemeinde, Robert Mix, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Garmisch-Partenkirchen, und Annett-Maria Jonietz, Bildungskoordinatorin im Landkreis, die mit Leimig das Organisationsteam des Teaserevents bilden. Die vier finden an diesem Tag im Rathaus zusammen, um zu drehen beziehungsweise drehen zu lassen. Vom Besprechungszimmer gehen sie in den Sitzungssaal, an dessen Tür das bereits erwähnte Plakat hängt. Zu diesem hat sich der Hinweis gesellt, nicht einzutreten, da gerade eine Aufnahme erfolgt. Das Team geht hinein, die Mikros und Kameras sind noch aus.

In wenigen Minuten soll der Dreh starten. Nicht mit Beuting, Aigner oder Speer, sondern mit drei Schülerinnen des Staffelsee-Gymnasiums und einer Studentin der KSH München Campus Benediktbeuern. Das Quartett soll vier Kommunalpolitikerinnen interviewen. Auf das feminine Suffix „-innen“ wird dabei viel Wert gelegt, immerhin steht das Teaser-Event unter dem Motto „Das Speeddating mit dem XX Faktor – So machen Frauen Politik bei uns“. Und so warten nun Stephanie Neumeir-Schrank, Murnauer Gemeinderätin, Susann Enders, Mitglied des Landtags und Sprecherin für Gesundheitspolitisches sowie für Soziales, Familie und Barrierefreiheit, Tessy Lödermann, Kreisrätin und dritte Landrätin, und die Ettaler Bürgermeisterin Vanessa Voith im Sitzungssaal auf ihren Einsatz. In kurzen Begegnungen an zwei Stehtischen sollen die Politikerinnen Antworten geben auf Fragen, die „nicht langweilig sind“, so Interviewerin Maria Schilcher. Die Zehntklässlerin will etwa erfahren, ob es Pläne gibt, Catcalling, Belästigung durch Fremde auf der Straße, zu bestrafen, oder ob „Frauen anders Politik machen als Männer“. Auch auf der Moderationskarte ihrer Mitschülerin Johanna Wimmer finden sich Fragen zu Frauen und Politik, etwa, welche Eigenschaften eine Frau haben müsse, „um in der Politik bestehen zu können“.

Enders lächelt, sie weiß noch nicht, welche Fragen auf sie zukommen. Sie sei „froh“, für diesen Termin Platz in ihrem Kalender gefunden zu haben. Vor den Fragen fürchtet sie sich nicht, „wenn ich Angst hätte, wäre ich nicht in der Politik“, grinst das Mitglied des Landtags. Auch Kreisrätin Lödermann zögerte keinen Moment, am Event teilzuhaben, weil sie die Demokratie „schon ein ganzes Leben begleitet“ und dieser Lebensbegleiter „heute ein Stück weit in Gefahr“ sei, so Lödermann mit Blick auf Europa. Als junge Mutter und neues Gesicht im Murnauer Gemeinderat wollte auch Neumeir-Schrank dabei sein. Wenn sie in die kommunalen Gremien schaut, dann finde sie diese oft „zu homogen“, sie wünscht sich Gremien, die so gemischt seien wie die Gesellschaft. Nickend schließt sich Ettals Bürgermeisterin Voith den Kolleginnen an, es sei wichtig, Verantwortung zu übergeben und zu übernehmen. Das findet auch Lödermann, die nicht in die Politik gegangen sei, um Politikerin zu werden, sondern um etwas zu verändern. Und das könne man nur, indem man sich verantwortlich macht. Ob es Frauen in der Politik schwerer haben, ist eine Frage, die Voith aus persönlicher Erfahrung mit einem Nein beantworten würde, „das kann ich nicht bestätigen“. Das sieht auch Enders so, für die eine solche Frage heutzutage eigentlich nicht mehr gestellt werden sollte.

Vielleicht haben die Interviewerinnen diese Frage auch auf ihrer Moderationskarte – und vielleicht streichen sie diese nun, wer weiß. Die Tür des Sitzungssaals wird geschlossen. Betreten verboten. Es muss still sein. Film ab. Wie die Speeddatings verlaufen, darüber lässt sich vor der Tür nur spekulieren. Das Teas-Erevent wird es am 16. April verraten. Bis dahin ist das bunte Plakat an der Tür sicherlich längst verschwunden und es bleiben wohl nur noch Klebestreifenreste als Zeugnisse des Drehs zurück.

Von Antonia Reindl

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