Volkes Zorn und Bürgers Wille: Stadtrat entscheidet über Umfahrung für Weilheim

Einig waren sich die Fraktionen im Weilheimer Stadtrat bis auf die Grünen in einem Punkt: Eine Umfahrung muss her. Heftig umstritten war jedoch deren Variante. Soll der Verkehr künftig westlich, wie von der CSU favorisiert, oder östlich, wie von BfW und SPD gewünscht, an der Kreisstadt vorbeirollen? Mehr als 100 Bürger, die meisten davon Gegner der Osttangente, ließen sich die Entscheidung nicht entgehen. Mit Applaus aber auch Buh-Rufen quittierte das Publikum in der Sitzung die Kommentare der Kommunalpolitiker.

Die zwei Kilometer lange Ostvariante mit einem kurzen Tunnel von 400 Metern durch das Gögerl war der Wunsch der Stadtverwaltung. Diese Variante ist mit 18 bis 23 Mio. Euro die kostengünstigste. Ein langer Tunnel würde 15 Mio. Euro zusätzlich kosten. Die Umfahrung im Westen Weilheims käme auf etwa 35 Mio. Euro. Der Vorschlag der Stadtverwaltung sah einen Kompromiss vor: Die kurze Ostvariante als Wunsch der Stadt an das Straßenbauamt weiterleiten und gleichzeitig die Fläche für die Trasse im Westen freihalten. Die emotionale Stimmung im Sitzungssaal beunruhigte Gerhard Trautinger, SPD-Fraktionssprecher: „Ich hoffe, dass nichts passiert, weil ich mit dem Rücken zu den Bürgern sitze. Ich frage mich, warum wir vor einigen Jahren einstimmig einen teuren Gutachter bestellt haben.“ Hätte das von „Seib Ingenieur Consult“ erstellte Gutachten ergeben, dass die Westumfahrung die ideale Variante wäre, dann würde die SPD dieser zustimmen. Weil die Gutachter sich aber für die Ostumfahrung aussprachen, stimme die SPD dafür. „Wir sind aus gutem Grund für die Westumfahrung“, sagte Klaus Gast, CSU-Fraktionssprecher und zählte Nachteile der Ost-Variante auf: „finanzielle Folgelasten“ für die kurze Tunnelvariante durch das Gögerl, daraus resultierende „zerstörerische Einschnitte“ für Weilheims Hausberg, der kostenaufwändige Erwerb von Grundstücken im Osten, die Belastung anderer Gemeinden wie Seeshaupt, Marnbach, Deutenhausen, Magnetsried und St. Heinrich durch den Schwerlastverkehr. Die SPD- und BfW-Stadträte zeigten sich davon unbeeindruckt, das Gros der anwe- senden Bürger quittierte Gasts Aufzählung mit Beifall. Dr. Claus Reindl (BfW) tat es Gast gleich. Nur zählte er die Nachteile der Westtangente auf: Sie ginge über Pollinger und Wielenbacher Flur, zwei Ammerüberquerungen durch das FFH-Gebiet, der Verkehr aus Garmischer Richtung würde kaum über die Trasse fahren und die Kosten von 35. Mio Euro wären höher. Gänzlich gegen eine Umfahrung sprach sich Alfred Honisch (Grüne) aus und drohte mit einem Bürgerbegehren. Unterstützung sagte ihm Walter Hüglin (FDP) zu, sollte die Ostumfahrung den Vorzug erhalten. Er bevorzugt die Westtangente. „Es geht nicht um die Tunnellängen, sondern darum, dass die Trassen freigehalten werden“, mahnte Bürgermeister Markus Loth (BfW). Dem stimmte Sven Maertz vom Straßenbauamt Weilheim zu. „Wir sollten uns nicht in Details verrennen. Sie sind jetzt nicht entscheidend.“ Seiner Behörde sei wichtig, dass die Stadt Weilheim die Flächen für die Umfahrung freihalte. Dann könne die Umfahrung geprüft werden. „Es ist in unserem Sinne, dass die beste Variante zum Zuge kommt.“ Das könne die Ost- oder die Westumfahrung aber auch eine völlig andere Trasse sein. Deswegen seien Detailfragen wie Tunnellängen derzeit vage. „Die Chancen sind größer, mit der billigsten Lösung in den Bundesbedarfsplan zu kommen“, riet Maertz den Stadträten, sich zu einigen. Denn in dem Auswahlverfahren der Bundesregierung zählten lediglich die für den Bund anfallenden Kosten. Je geringer, desto besser. Letztlich nutzten die Koalitionspartner BfW und SPD ihre Mehrheit und setzten sich gegen die Stimmen von CSU und Grüne/FDP/ UWV durch.

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