Volkshochschule im Wandel: Vorsitzender Hornung und Leiterin Wittlinger im Interview

Das junge Publikum fehlt

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Rosamaria Wittlinger kam vor 32 Jahren als ABM-Kraft zur Vhs Weilheim und übernahm 1993 die Leitung. Der Kreisbote lud sie mit dem Vorsitzenden Helmut Hornung zum Interview ins Verlagshaus am Weidenbach ein.

Weilheim – „Ganz schön aufgeregt“ war Helmut Hornung, als er 1978 an der Weilheimer Volkshochschule (Vhs) seinen ersten Vortrag hielt. Die Nervosität lag wohl auch daran, dass er damals als 19-Jähriger ein wesentlich älteres Publikum zu erreichen hatte. Sein Referat kam aber so gut an, dass über 300 weitere Veranstaltungen folgen sollten.

Hornung ist inzwischen erster Vorsitzender des 65 Mitglieder zählenden Vereins. Im Interview mit Kreisboten-Redakteurin Maria Hofstetter schildert er zusammen mit Geschäftsführerin Rosamaria Wittlinger, wie die Vhs auf Veränderungen der Zeit und neue Entwicklungen reagiert.

Was macht den Reiz aus, an einer Vhs zu unterrichten?

Hornung: „Ich genieße es, wenn meine Begeisterung für das Thema auf die Neugierde und Lernbereitschaft des Publikums trifft. Daraus entsteht auf beiden Seiten eine Atmosphäre, in der es sich wunderbar lernen, diskutieren und austauschen lässt.“

Mit dem Programm von 1980 würden Sie heute keinen Hörer mehr gewinnen. Kann die Vhs in Zeiten von Multimedia mit den Herausforderungen Schritt halten?

Wittlinger: „Als Willi Simader 1947 die Vhs Weilheim übernommen hat, haben die Leute im Winter zwei Scheit Holz zum Beheizen der Vortragsräume mitgebracht. Die Vhs hatte damals als Institution zur Erwachsenenbildung einen hohen Stellenwert. Der Bildungshunger war groß. Heute ist unsere Klientel 50plus.“

Hornung: „In dreieinhalb Jahrzehnten hat sich viel verändert. Die Zeit ist schnelllebiger geworden, die Jobs sind stressiger und die privaten Anforderungen hoch. Die Atmosphäre in den Kursen war früher familiärer, die Teilnehmer haben sich als Clique gefühlt. Von dieser Geselligkeit ist einiges verloren gegangen. Natürlich hat die Vhs entsprechend darauf reagiert. Im EDV-Bereich können Sie heute mehr als 40 unterschiedliche Kurse buchen. Dazu kommen 60 Sprachkurse, Angebote zur beruflichen Bildung und Wiedereingliederung sowie zur Gesundheitsförderung. Wir sind auch in den Bereichen kulturelle Bildung und Wissen vertreten.“

Welche Kurse sind gefragt beziehungsweise ein Auslaufmodell geworden?

Wittlinger:  „Bei EDV-Kursen und Vorträgen gehen die Buchungen deutlich zurück. Als Infoquelle wird immer häufiger das Internet genutzt. Auch Kreativkurse können wir anbieten wie Sauerbier, Psychologie- und Selbstfindungsthemen sind out. Sprachen werden meist schon in der Schule erlernt. Gut läuft dagegen der sportliche Bereich. Dort gibt es, wie bei den Sprachen, die Option zur Kursverlängerung. Immer noch gerne besucht werden die Sprachen-Stammtische, und Senioren buchen Internet-Schnupperkurse. “

Gibt es spezielle Angebote für Kinder?

Wittlinger: „Die Vhs ist in der Erwachsenenbildung tätig. Kurse für unter 15-Jährige werden nicht bezuschusst. Von 2005 bis 2008 und einige Jahre danach hatten wir jedoch die Kinder-Uni im Angebot. Zuerst hat man uns die Türen eingerannt, aber dann hat das Interesse stark nachgelassen.“

Wie ist die Vhs Weilheim personell aufgestellt?

Wittlinger: „Die Geschäftsstelle in der Admiral-Hipper-Passage 11 ist mit eineinhalb Stellen besetzt. Wir arbeiten mit minimalem Personal absolut top und erwirtschaften unsere Personalkosten selbst. Beim Beraten unserer Kunden nehmen wir uns Zeit, bis der richtige Kurs gefunden ist. Von 730 Angeboten wurden in den vergangenen zwei Semestern 670 durchgeführt und von zirka 6000 Teilnehmern gebucht. Neben der Verwaltungsarbeit betreue ich mit Halbtagskraft Angelika Loistl die rund 130 Dozenten und Kursleiter. Zum Semesterstart fahren wir 7 500 Programmhefte aus.“

… und finanziell?

Wittlinger:  „Pro Kalenderjahr gibt es 51 000 Euro städtischen Barzuschuss. Die Kurs- und Vortragsräume stellt uns die Stadt Weilheim kostenlos zur Verfügung. Ein weiterer Zuschuss vom Bayerischen Volkshochschulverband orientiert sich an den geleisteten Unterrichtsstunden; für 2014 wurden uns heuer 12 000 Euro ausbezahlt. 2014 hatten wir einen Gesamtetat von 357 000 Euro. Da ist ein Fehlbetrag von 4 500 Euro vertretbar.“

Mit welchen Neuheiten wartet die Vhs Weilheim im Frühjahrssemester auf?

Wittlinger: „Das neue Programm ist bereits im Internet unter www.vhs-weilheim.de abrufbar. Die gedruckte Version liegt ab 19. Januar aus und enthält 340 Angebote. Neu im Programm sind der Kurs „Intuitives Bogenschießen“ oder ein Vortrag über den Weilheimer Admiral Hipper. Die im Herbst gestarteten Kurse in Gebärdensprache werden wegen der großen Resonanz ausgebaut und fortgesetzt.“

Hornung: „Weilheim hat viel zu zeigen und entsprechend groß ist das Interesse an heimatgeschichtlichen Themen. Im Frühjahr bieten wir wieder Stadtführungen in Weilheim und erstmals auch Friedhofsführungen in München mit Dr. Joachim Heberlein an.“

Zum Schluss noch ein Ausblick: Wo sehen Sie die Vhs Weilheim in zehn Jahren?

Hornung: „Das ist schwer zu sagen. Die Vhs wird noch mit viel härteren Bedingungen zu kämpfen haben und ihr didaktisches Konzept anpassen müssen. Der Konkurrenzdruck durch die digitalen und elek- tronischen Medien ist groß, und unsere Kursteilnehmer werden immer älter. Viele Jugendliche und Erwachsene mittleren Alters sind es nicht mehr gewohnt, sich hinzusetzen und etwas zu lernen.“

Wittlinger:  „Uns fehlt definitiv der Nachwuchs, also das Publikum zwischen 20 und 45 Jahren. Der Markt, in dem sich die Vhs heute behaupten muss, ist groß. Ein Problem ist, dass sich die jungen Leute nicht mehr so gerne für einen Kurs terminlich binden und Geld dafür ausgeben wollen.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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