Vom Bund Naturschutz entwickelt

Vorzeigeprojekt Weilheim: Graberde ohne Torf

Vorstellung neue Graberde Friedhof Weilheim
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Auf dem Weilheimer Friedhof soll künftig nur noch torffreie Erde auf die Gräber kommen. Die Beteiligten des Projekts hoffen auf eine Umsetzung noch in diesem Jahr (v.li.): Stadtwerke-Mitarbeiter Sebastian Soyer, Stadtwerke-Chef Peter Müller, Helmut Hermann (Bund Naturschutz), Stadtrat und Referent für den Städtischen Friedhof Roland Schwalb sowie Birgitt Hofmann (Bund Naturschutz)
  • Stephanie Novy
    VonStephanie Novy
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Weilheim – Wer durch die Reihen des Weilheimer Friedhofs geht, dem wird vielleicht etwas auffallen: Viele der Gräber sind mit schwarzer Erde bedeckt. Optisch mag das die letzte Ruhestätte aufwerten. Für die Umwelt ist die dunkle Erde, die in der Regel mit Torf gemischt ist, allerdings alles andere als verträglich.

In Deutschland werden seit Ende der 80er Jahre keine intakten Moore mehr für den Torfabbau freigegeben. Und das aus gutem Grund: Durch den Abbau werden Hochmoore zerstört. Diese sind allerdings – sofern sie intakt sind – hervorragende CO2-Speicher. Zudem dienen Moore als Lebensraum für allerlei Tier- und Pflanzenarten. Dennoch würden in Deutschland jedes Jahr rund neun Millionen Kubikmeter verbraucht, wie Helmut Hermann erklärt. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Weilheim-Schongau des Bund Naturschutz ergänzt: „Das ergibt in handelsübliche Säcke abgefüllt und aneinander gereiht die Länge des Äquators.“

Verwendet wird der Torf unter anderem für Gräber. Denn dieser färbt die Erde schwarz. Und das ist den Bürgern anscheinend wichtig, wie Birgitt Hofmann, zweite Vorsitzende der Weilheimer Ortsgruppe, erzählt. Die Vertreter des Bund Naturschutz wollen diese Gepflogenheit der schwarzen Erde nicht abschaffen. Aber der Torf muss weg. Das Problem: derzeit gibt es laut Hermann keine käuflichen Ersatzprodukte für Torf. Daher mussten die Mitglieder der Ortsgruppe selbst das Tüfteln anfangen. Herausgekommen ist dabei eine Graberde, die regional und umweltverträglich ist – und genauso dunkel wie das Pendant mit Torf.

Mit Hilfe des Stadtwerke-Mitarbeiters Sebastian Soyer wurde auf dem Weilheimer Friedhof ein Testfeld angelegt. Die Erde, die darauf verteilt wurde, ist eine Mischung aus Zweidrittel Kompost aus der Biotonne, Eindrittel regionalem Kompost aus Grünabfällen sowie Holzkohle. Letztere färbt die Erde dunkel. Ein Anteil von zehn Prozent reicht dabei aus, wie sich auf dem Testfeld zeigt.

Und wie soll die neu entwickelte Erde unter die Leute kommen? Die Mitglieder des Bund Naturschutz stellen sich das so vor: Die Stadt Weilheim könnte durch Beauftragung der Stadtwerke ihre Graberde selbst herstellen. Den Bedarf schätzt Hermann auf zehn bis 20 Kubikmeter pro Jahr. Die Stadtwerke übernehmen das Beschaffen des Komposts. Dieser wird regional von Quarzbichl (Abfallwirtschaft Bad-Tölz) bezogen. Die Holzkohle kann aus dem Allgäu geliefert werden. Das Anmischen des Substrats würden dann ebenfalls die Stadtwerke übernehmen. Auf dem Friedhof selbst wird die Erde gelagert und für die Bürger bereitgestellt. Stadtwerke-Chef Peter Müller hat seine Unterstützung bereits zugesagt. Mitarbeiter Soyer sieht darin auch kein großes Problem. Eine Lagermöglichkeit samt Überdachung in der Mitte des Friedhofs kann er sich vorstellen. Dazu noch ein Hinweisschild.

Allerdings drängt die Zeit ein wenig. Hermann hätte gerne bis Oktober alles fertig. Damit die Menschen zu Allerheiligen die neue Erde auf die Gräber geben können. Doch das Vorhaben muss erst noch vom Bauausschuss abgesegnet werden. Und der hat Sommerpause. Die nächste Sitzung ist für den 14. September angesetzt. Die Beteiligten scheinen zuversichtlich, dass der Ausschuss zustimmen wird. Als Mitglied von „Kommunen für biologische Vielfalt“ könnte die Stadt Weilheim damit ein Leuchtturm-Projekt auf die Beine stellen. „Ein Vorzeigeprojekt für den gesamten Landkreis“ nennt Hermann es. Zumal nicht nur der Verzicht auf Torf gut für die Umwelt ist. Die neue Erde würde ohne Plastikverpackung auskommen, da sie zum Beispiel per Schubkarren über den Friedhof transportiert werden kann.

Die reinen Materialkosten belaufen sich auf circa 50 bis 60 Euro pro Kubikmeter, sagt Hermann. Käufliche Graberde in Säcken läge preislich etwa fünfmal höher. Die Kosten für die torffreie Erde würde die Stadt tragen.

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