Ein wahres Spektakulum – Beim Historischen Fest in Weilheim war das Mittelalter zum Greifen nah

Zweiter Bürgermeister Ingo Remesch nebst Gattin in historischem Gewand. Foto: Stangl

– Als Weilheims erster Bürgermeister Markus Loth am vergangenen Samstag die Menschen auf dem Marienplatz aufforderte: „Esset, trinket, singet und tanzet!“, ließ sich die Menge nicht lange bitten. Schon vor der offiziellen Eröffnung des Historischen Festes war die ganze Stadt von einer Stimmung erfasst, die Weilheim so noch nicht erlebt hat.

Schon an den nachgebauten Toren der Stadtmauer wurde man durch finster dreinblickende Wachen, die Wegegeld forderten, in das Mittelalter versetzt. So war es nur mehr Formalität, dass Loth alias „Markus von Wilhaim“ vom Kirchturm aus das Historische Fest in Weilheim eröffnete. Gegessen und getrunken wurde bereits und spätestens ab dem Zeitpunkt, als die Mittelalter-Band „Furunkulus Bladilo“ mit einem Trommelgewitter loslegte, war Weilheim nicht mehr zu halten. Anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung der Orte Weilheim und Polling vor 1 000 Jahren kehrte die Innenstadt für ein Wochenende ins Mittelalter zurück und das nicht nur augenscheinlich, sondern buchstäblich mit Haut und Haar. Allerorts sah man historisch gewandete Bürger, Bauern, Ritter und Spielleute, sodass sich schnell das Gefühl einstellte, man sei durch die Zeit gereist. Begleitet von verschiedensten Essensdüften und Klängen konnte der Besucher über den Marienplatz, durch die Lederer-, Pöltner-, Hof- und Admiral-Hipper-Straße flanieren, ohne sich eine Sekunde zu langweilen. Hier fand man altes Handwerk wie Lederverarbeitung oder Zimmererarbeit, dort konnte man sich die eigene Münze prägen oder Geigenbauern über die Schulter schauen. Weilheim – Wer in die Zukunft blicken wollte, der fand sich im Zelt der Wahrsagerin wieder. Angeregt von den herrlichen Gewändern der Schausteller und Bürger, konnte man sich an Ort und Stelle in Kettenhemd oder Mieder einkleiden lassen. So ausgestattet ließ es sich hervorragend zu Dudelsack und Trommel tanzen. Nach all diesen Eindrücken hatte man die Qual der Wahl zwischen internationalen Spezialitäten aus Italien oder Afghanistan, einem Becher Met - köstlicher Wein mit Honig gesüßt - Surfleisch oder Flammkuchen. Weiter auf dem Marienplatz unterwegs, begegnete man Gauklern, Akrobaten und Herolden oder konnte sich beim Armbrustschießen beweisen. Auf der Theaterbühne an der Stadtpfarrkirche wurden Weil-heimer Stückl und fürchterliche Hinrichtungen präsentiert. Mitten in der Menge entbrannte immer wieder ein fiktiver Streit zwischen der in einfaches Tuch gekleideten Landbevölkerung und umherziehenden Plünderern, die sich am Hab und Gut der aufgebrachten Menge bedient hatten. Letztendlich konnte der Zwist nur durch den herbeigerufenen Herren geschlichtet werden. Dieses „Stand-up-Theater“ wirkte so echt, dass bei manchen Kindern ein paar Schreckenstränchen flossen. Diese waren aber schnell getrocknet beim Anblick eines Esels mitten in der Admiral-Hipper-Straße oder den beliebten Holzschwertern. Noch mehr mittelalterliche Auseinandersetzungen gab es „Am Riß“, in der alten Gasse zur Stadtmauer, in die immer wieder Ritter einfielen, die sich harte Schaukämpfe mit den verteidigenden Wachen lieferten. Am Samstagabend begeisterte schließlich die Akrobatikgruppe „Vaganti“ mit ihrer Zigeunershow das Publikum. Besonders die Feuerdarbietungen der jungen Artisten ließen nicht nur bei den Kleinsten die Münder offen stehen. Egal, wen man unterwegs fragte, jeder Besucher war hellauf begeistert von dem Fest, das die Stadt am vergangenen Wochenende bot. Selbst eingefleischte Mittelalter-Fans betonten, dass es allerhand „Neues“ zu entdecken gab. Mit viel Liebe zum Detail und großem Erfolg hat sich Weilheim ins Mittelalter zurück begeben und es bleibt nur zu hoffen, dass es nicht weitere 1 000 Jahre dauert, bis Einwohner und Besucher erneut ein solch wahres Spektakel in der Weilheimer Altstadt erleben dürfen.

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