Josephine Hartlmaiers Erinnerungen sind mehr als eine Familienchronik – Lesung in Weilheim

Ein Stück Zeitgeschichte

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Walter Gronauer (74): „Das längste Kapitel im Buch ist der Zeit der Familie Hartlmaier in Weilheim gewidmet.“ Das Titelbild nahm er mit seiner ersten Kamera, einer Zeiss Ikon Box, auf.

Weilheim – Josephine Hartlmaier (1869 -1957) führte ein bewegtes Leben. Als Tochter eines Hofbediensteten bei König Ludwig II. in der Münchner Maximilianstraße geboren, wuchs sie in der Umgebung der Residenz auf, wo sie eine gutbürgerliche Erziehung genoss. Den größten Teil ihrer Lebenszeit, von 1911 bis 1957, verbrachte sie in Weilheim. Ein Enkel, der Lungenfacharzt Dr. Walter Gronauer, hat ihre handschriftlichen Erinnerungen aufbereitet und ein heimat- und zeitgeschichtlich interessantes Werk geschaffen.

1 200 Seiten umfassen Josephine Hartlmaiers Aufzeichnungen in Sütterlinschrift, die sie in elf dicken Wachstuchheften hinterlassen hat. Als Chronik, die nicht nur die Erlebnisse ihrer Familie beschreibt, sondern auch Einblick in das Leben der unteren und mittleren Gesellschaftsschichten der damaligen Bevölkerung in Oberbayern gibt: Der Zeitbogen spannt sich von Ludwig II. bis in das schicksalhafte Jahr 1939, wie Gronauer im Vorwort schreibt. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte die Chronistin nicht mehr die Kraft, ihre Eindrücke biographisch wiederzugeben.

Dass sich die junge Hilfslehrerin Josephine Laugl an der Anzinger Schule im Landkreis Ebersberg ausgerechnet in einen Kollegen verliebte, hatte zur Folge, dass sie ihren Beruf aufgeben musste. Aus staatlicher Sicht, schilderte Gronauer bei einem Besuch in der Kreisboten-Redaktion die damalige Situation, war eine Heirat zwischen Lehrern nicht erwünscht, da die Frau nach der Geburt ihres ersten Kindes für den Staatsdienst weitestgehend ausfiel. Joseph Hartlmaier wurde deshalb nach Forst hinter den Hohen Peißenberg und Josephine nach Hausham bei Miesbach „strafversetzt“. Doch die Liebe war stärker: Als Joseph eine Hauptlehrerstelle in Wangen bei Starnberg erhielt, konnte er seine Josephine endlich heiraten.

1911 zog die mittlerweile achtköpfige Familie nach Weilheim, wo der schon schwer herzkranke Ehemann einen Bezirksoberlehrerposten an der heutigen Mittelschule übernahm. Der Familie waren dann nur noch fünf gemeinsame Jahre vergönnt, Joseph starb 1916. Drei Kinder ergriffen ebenfalls den Lehrerberuf, ein Sohn wurde zum katholischen Priester geweiht. Das Haus auf dem Grundstück der Familie Hartlmaier in der Karl-Böhaimb-Straße wird heute noch von Gronauer bewohnt.

Der Originaltext wurde mit Unterstützung von Christian Hörter vom Berta-Verlag gekürzt. Auszüge aus dem Buch und die Möglichkeit zum Gespräch mit Herausgeber Gronauer und Verlagsleiter Hörter gibt es am Mittwoch, 8. November, um 19.30 Uhr bei einer Lesung in der Buchhandlung „Lesbar“ in Weilheim. Der Eintritt ist frei.

Die Neuerscheinung „Erinnerungen von Josephine Hartlmaier“ von Dr. Walter Gronauer, Auflage 500 Exemplare, 29,90 Euro, ist erhältlich beim Berta-Verlag, In der Au 24 in Weilheim, Email: c.e.hoerter@t-online.de, Internet: www.berta-verlag.de.

Von Maria Hofstetter

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