Wanderausstellung in Peißenberg beschäftigt sich mit Gewalt gegen Frauen

Die Hälfte des Himmels

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V.li.: Schirmherrin Manuela Vanni, Katharina Hänel, Annette Schiffmann und Sparkassen-Direktor Eugen Trautmann bei der Eröffnung der Wanderausstellung im Rathaus.

Peißenberg – Eine beeindruckende Ausstellung ist derzeit im Peißenberger Rathaus zu sehen: Unter dem Titel „Die Hälfte des Himmels – 55 Portraits & Du“ wird die Geschichte von Frauen erzählt, die in ihrem Leben mit unterschiedlichen Formen von Gewalt (zum Beispiel Krieg, sexueller Missbrauch oder körperliche Gewalt) konfrontiert wurden.

Veranstalter ist der katholische Frauenbund von St. Johann, die Schirmherrschaft hat Bürgermeisterin Manuela Vanni übernommen. „Das Thema ‚Gewalt gegen Frauen‘ ist schon ein sehr altes, aber dennoch aktueller denn je“, erklärte Katharina Hänel, die Frauenbundvorsitzende, bei der Ausstellungseröffnung. Der Zweigverein hatte sich lange um die seit acht Jahren kreuz und quer durch Deutschland tourende Wanderausstellung bemüht und mit der Sparkasse Oberland einen Sponsor zur Finanzierung gewonnen. Motivation für den Frauenbund waren unter anderem Berichte einer Peißenberger Frauenärztin und Hinweise von polizeilicher Seite über Gewalt gegen Frauen. „Es ist ein brisantes Thema – auch in Peißenberg“, so Hänel. Das Besondere an der von der Heidelberger Kuratorin, Annette Schiffmann, konzipierten und entworfenen Ausstellung: Die Künstlerin zeigt keine Portraits von Opfern, sondern von Menschen, die trotz ihrer schlimmen Erfahrungen den Lebensmut nicht verloren haben.

Die Lebensgeschichten sind über Audio-Guides zu hören. Schiffmann gab bei der Vernissage einen berührenden Einblick in die Entstehung der Ausstellung. Die Fachfrau für Öffentlichkeitsarbeit war früher für eine Frauennotrufstelle tätig und hat die „ganze Litanei des Grauens“ direkt mitbekommen – auch in der Aufarbeitung von Statistiken. Doch Schiffmann wollte den Zahlen ein Gesicht geben, einen anderen, ermutigenden Zugang zu dem ernsten Thema schaffen.

Die 55 Portraits beschreiben die Lebensgeschichte von Frauen, die ihr Trauma abgeschüttelt haben oder gerade dabei sind. Manche indes überwinden den Schmerz nie. Doch Schiffmann erzählte von einer Frau, die sich auch damit irgendwann arrangiert hat: „Sie hat zu mir gesagt, dass es eher darauf ankommt mit dem Schmerz zu leben und das Leben trotzdem zu umarmen.“ Der Titel der Ausstellung geht übrigens auf ein Chinesisches Sprichwort zurück, das besagt, dass Frauen die Hälfte des Himmels tragen. Unter den 55 Portraits hängt auch ein Spiegel, der die Besucher als letztes Bild zum abschließenden Teil der Ausstellung macht und einen Appell an die Menschlichkeit symbolisieren soll.

Die Ausstellung kann unter der Woche zu den Öffnungszeiten im Rathaus sowie am Samstag, 6. Oktober, von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag, 7. Oktober, zwischen 14 und 17 Uhr besucht werden.

Von Bernhard Jepsen

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