Wanderausstellung an Schulen will für eine gerechtere Agrarpolitik sensibilisieren

Milch reist nicht gerne

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Folgten interessiert den Ausführungen von Johannes Pfaller (vo.v.li.): Bernhard Heger, BDM; Klaus Förster, Realschule; MdL Harald Kühn, Stadtrat Rupert Pentenrieder, AbL-Vertreterin Irene Popp und Landratsvize Karl-Heinz-Grehl.

Weilheim - Was haben unsere Milchbauern mit den Flüchtlingen zu tun, die aus wirtschaftlicher Not aus Afrika zu uns kommen? Auf den ersten Blick nichts, möchte man meinen. Dass beide jedoch Opfer einer verfehlten EU-Agrarpolitik sind, dies wollen der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mit einer Wanderausstellung für Schulen verdeutlichen, die gerade in der Weilheimer Realschule Station macht.

„Die EU ist mit Abstand der weltweit größte Milchproduzent und exportiert in großen Mengen Milchprodukte, vor allem Milchpulver, in alle Welt.“ Mit diesem Statement eröffnete Johannes Pfaller vom BDM seinen Vortrag, in dem er über seine Eindrücke auf einer Reise nach Burkina Faso (Westafrika) im Auftrag von Misereor berichtete. Bevor er mit eindrucksvollen Bildern den Alltag der Menschen in diesem Land schilderte, erläuterte er die Entwicklung der EU-Agrarpolitik und ihre Auswirkungen in der Dritten Welt. So hätte der Wegfall der Milchquotenregelung dazu geführt, dass seit 2014 die produzierte Milchmenge in der EU um zehn Mio. Tonnen pro Jahr zugenommen habe, da die Landwirte versuchten, die sinkenden Preise durch mehr Produktion zu kompensieren. Dies diene letztlich nur internationalen Nahrungsmittelkonzernen, die mit billiger Milch Nahrungsmittel in alle Welt exportierten. Die heimischen Milchbauern in Burkina Faso ebenso wie in anderen Ländern hätten aber keine Chance mehr, wettbewerbsfähig zu sein.

„Ein Liter Milch aus Milchpulver hergestellt kostet dort 0,25 bis 0,35 Cent, die heimische Milch jedoch zwischen 0,50 und 0,60 Cent“, machte Pfaller das Preisgefälle deutlich. Zudem hätte die EU auf die Regierung in Burkina Faso erheblichen Druck ausgeübt, um die Einfuhrzölle für Milchprodukte auf fünf Prozent zu senken. Die niedrigen Milchpreise nützen aus seiner Sicht nur den internationalen Konzernen, schade aber den Landwirten in der EU und in Afrika gleichermaßen. Ein radikaler Wechsel in der Agrarpolitik sei daher notwendig. Um dies zu erreichen, müsse die Bevölkerung informiert werden, damit sie Druck auf die Politik ausüben könne. „Zukunft kann man bauen“, appellierte er an die Zuhörer.

Stadtrat Rupert Pentenrieder (BfW) berichtete, dass in der heimischen Landwirtschaft eine beängstigende Umstrukturierung stattfinde. „Es geben immer mehr Betriebe auf und die Ställe der überlebenden Landwirte werden immer größer.“ Dies laufe dem Ziel einer bäuerlichen Landwirtschaft entgegen. Stellvertretender Landrat Karl-Heinz Grehl (Grüne) äußerte sich „wütend darüber“, dass er seit 40 Jahren beobachte, wie die Sternsinger jedes Jahr für „die armen Kinder Spenden sammeln, ohne dass sich etwas ändert, große Konzerne wie Nestlé und Monsanto aber weiterhin Rekordgewinne erwirtschaften“.

MdL Harald Kühn (CSU) verwies darauf, dass sein Parteikollege, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, die Probleme erkannt habe und versuche, mit Hilfe zur Selbsthilfe die Fluchtursachen in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Irene Popp, praktizierende Landwirtin aus Pähl und Vertreterin der AbL, rief dazu auf, die Bevölkerung für diese Problematik zu sensibilisieren, so dass die heimische Landwirtschaft wieder auskömmlich und nachhaltig produzieren könne.

Die Wanderausstellung „Milch reist nicht gerne – Milchbauern schon“ kann noch bis Freitag, 20. April, jeweils von 8 bis 16 Uhr, in der Realschule Weilheim besucht werden. Vereinbarung unter Tel. 08808/696.

Von emh

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