Die Wasserkraft nutzen – Peißenberger Gemeindewerke bemühen sich um Wassernutzungsrechte an der Ammer

Die Gemeindewerke haben ehrgeizige Pläne: In Konkurrenz zu vier privaten Investoren – darunter auch ein Tochterunternehmen von „E-ON“ – hat man sich um die Wassernutzungsrechte an der Ammer beworben. Der kommunale Stromversorger möchte an den Wehranlagen zwischen Peißenberg und Wielenbach regenerative Wasserkraftwerke bauen und gleichzeitig den Flusslauf renaturieren.

Im Sinne der Vorgaben durch den Gewässerentwicklungsplan ist das entworfene Konzept hauptsächlich auf ökologische Gesichtspunkte ausgelegt: „Es steht nicht der Kommerz im Vordergrund“, versicherte Werkleiter Uwe Horn bei einem Pressegespräch. Konkret sollen vier Wehre zu so genannten Rauen-Rampen mit uferseitig integrierten Turbinen umgebaut werden: Das Oderdinger Wehr, das Weilheimer Auwehr, das Unterhausener Wehr sowie das Grundwehr III bei Wielenbach. Die künstlichen Querverbauungen stellen für Fische ein unüberwindbares Hindernis dar und verhindern einen Aufstieg zu den Laichgebieten im Oberlauf. Einige heimische Fisch- arten wie die „Nase“ sind deshalb bereits vom Aussterben bedroht. Mehrstufige Steinaufschüttungen mit strömungsberuhigten Zonen und einer Bootsfahrrinne sollen dafür sorgen, dass Wassersportler und Fische die Flussstellen künftig ungehindert passieren können. Die „Rauen Rampen“ sind nach Meinung von Dr. Nikolaus Döring, der als Ökologe zusammen mit Hans Arpke von der Agenda 21 und Bauingenieur Fred Weigl an der Konzeption beteiligt ist, die unbestritten beste Alternative zum Rückbau von Wehren. Durch die Verwendung von niedrig drehenden Turbinen würden nur äußerst wenig Fische geschädigt. Zudem sei die Kraftwerksnutzung in ihrem Ausmaß so begrenzt, dass sie dem Fluss als ganzes untergeordnet sei. Ohne den Bau von Turbinen, daran ließ Döring keinen Zweifel, sei eine Renaturierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht finanzierbar. 5,5 Millionen Euro, schätzt Arpke, wird die Umsetzung des Projekts kosten. Neben den Erträgen aus der Stromerzeugung hofft man auf Fördermittel und eine Beteiligung von Bürgern sowie den angrenzenden Gemeinden. Auch die heimischen Kreditinstitute sollen in die Finanzierung miteingebunden werden. Wann bei der Regierung von Oberbayern eine Entscheidung über die Wasserrechte getroffen wird, ist derzeit aber noch unklar. Gerüchte besagen, dass die Rechte zum Nachteil der Werke eventuell auch ohne ein geregeltes Verfahren vergeben werden könnten. „Wenn es politisch wirklich gewollt ist“, so hofft Bürgermeisterin Manuela Vanni, „dann müssten wir sie eigentlich bekommen“. Für die Gemeindewerke wäre die Wasserkraftnutzung zweifelsohne ein Meilenstein in punkto eigenständiger Energieerzeugung. Mehr als 2000 Haushalte und damit etwa ein Drittel der Stromkunden könnten damit versorgt werden. „Unser Ziel ist eine Art energieautarke Region“, verdeutlichte Horn, der auch die Geothermie noch nicht abgeschrieben hat. Allerdings gebe es derzeit „keine konkreten Fortschritte“ zu vermelden.

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