Mehrere Planvarianten bei Ortstermin präsentiert – WWF finanziert Studie

Wehr soll kein Hindernis mehr sein

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LFV-Präsident Albert Göttle und Fachtierärztin Dr. Julia Schweiger im Kampf mit einem lebenden Exemplar der im Oberlauf der Ammer selten gewordenen Seeforelle. Ebenfalls mit auf dem Bild: (hinten v.li.) Planer Georg Kokai und sein Kollege Roland Mende sowie Claire Tranter vom WWF.

Peißenberg – An der Ammer verhindern derzeit noch drei Querverbauungen die Fisch-Laichwanderung zwischen Ammersee und dem Oberlauf bei Altenau. Während es für die Staustufen in Weilheim und Rottenbuch bereits feste Umbaupläne gibt, ist man beim PKG-Wehr in Peißenberg noch nicht so weit.

Das soll sich nun aber ändern: Aus Anlass zum „Welttag der Wanderfische“ hat der bayerische Landesfischereiverband zu einem Ortstermin nach Peißenberg geladen, bei dem eine erste Machbarkeitsstudie für einen ökologischen Umbau vorgestellt wurde. 

In Auftrag gegeben hat die Studie der World Wide Fund For Nature (WWF). Die Intention, die hinter dem WWF-Engagement steckt: „Die Querverbauung an den Flüssen ist noch ein ganz großes Problem und die Beseitigung der Wanderhindernisse für Fische eine ganz wichtige Sache“, so Claire Tranter vom Weilheimer WWF-Projektbüro. 

Wie bei dem Ortstermin am PKG-Wehr zu erfahren war, ist es um die Fischbestände im Oberlauf der Ammer nicht zum Besten bestellt. Vor allem die Seeforelle ist dort kaum mehr zu finden – was nicht nur an den baulichen Störstellen im Fluss liegt. 

Laut Willi Ruf, Vizepräsident des Landesfischereiverbandes, würden auch andere Faktoren wie Einträge durch die Landwirtschaft, der Kormoran und ein „mysteriöses Bachforellensterben“ eine Rolle spielen.

Das Problem mit der baulichen Wanderbarriere will man nun vonseiten der Lobbyverbände und Naturschutzorganisationen jedoch angehen - wobei: Komplett beseitigen, so hieß es beim Ortstermin, könne man das PKG-Wehr nicht, weil die Peißenberger Kraftwerksgesellschaft, die das Wehr früher als Kühlsystem für ihre Anlagen genutzt hat, ihr Wasserrecht behalten wolle. Doch das Pollinger Ingenieurbüro Kokai hat Alternativen entwickelt: Unter anderem könnte das Wehr über den gesamten Flussquerschnitt in eine geriegelte Vollrampe respektive in eine Teilrampe mit Trennwand umgebaut werden. Ebenso angedacht ist der Bau einer Umgehungsrinne samt einer Deichrückverlagerung auf der südlichen Flussseite. 

Die Rinne könnte alternativ auch weitläufig angelegt werden, wodurch die verlandete Auenlandschaft wieder mit dem Flusssystem verbunden wäre. „Wir wollen eine möglichst naturnahe Lösung schaffen und kein technisches Bauwerk hinstellen“, so Bürochef Georg Kokai über das Planungskonzept. In den nächsten Wochen sollen die Detailentwürfe erstellt und Fragen zur Hydrologie sowie zu Grundstücks- und Wasserrechten geklärt werden. Kokai: „Im August wird die Studie fertig sein und eine konkrete Planvariante vorliegen.“ 

Allerdings steht noch in den Sternen, wann das PKG-Wehr eine freie Passage erhalten wird: „Das alles liegt in unserem Eigeninteresse. Dass eine Variante realisiert wird, ist klar“, erklärte Bernhard Müller vom Wasserwirtschaftsamt: Einen Zeitplan für den möglichen Umbau nannte der Abteilungsleiter jedoch nicht: „Das hängt von den Finanzmitteln ab, die wir zur Verfügung gestellt bekommen.“ Je nach Planart müsse man mit Baukosten zwischen 300 000 Euro und über einer Million Euro rechnen.

Von Bernhard Jepsen

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