Franz Haidus letztes Weihnachtskonzert mit der Stadtkapelle Weilheim

Tränen zum Abschied

+
Etwas wehmütig winkte Franz Haidu ein letztes Mal als Dirigent der Stadtkapelle dem Publikum zu.

Weilheim – Ein tiefer Atemzug, ein kurzer Blick ins Publikum und dann stramme Schritte zum Dirigentenpodest: Eigentlich war alles wie immer, als Franz Haidu die Bühne der Stadthalle am Samstagabend betrat, um seine Stadtkapelle anzuleiten. Aber nur fast; das Weihnachtskonzert war das letzte des Dirigenten. Nach 18 Jahren am Kopf der Stadtkapelle dankte Haidu ab.

Bevor es Zeit war, sich zu verabschieden, wartete ein prall gefülltes Programm. Los ging es mit „Pomp and Circumstance Nr. IV“, in dem die Musiker ihr volles Können darbieten konnten. Nach kräftig-derben Klängen und lieblich-träumerischen Passagen endete der Marsch opulent und vollmundig.

Die Stadtkapelle sei aus dem kulturellen Leben Weilheims nicht mehr wegzudenken, befand Markus Loth in seiner Ansprache. „Ein guter Dirigent ist unverzichtbar für eine gute Kapelle“, sagte der Bürgermeister. Er müsse nicht nur Ton und Takt angeben, sondern auch Lob und Kritik wohl dosieren sowie seine Musiker motivieren. All dies habe Haidu, den es einst als Aushilfe an der Tuba zur Stadtkapelle verschlagen hatte, stets gekonnt gemeistert.

Der „Prager Walzer“ passte mit seinen reich ausgeschmückten Melodien hervorragend in die Weihnachtszeit. Mit der Melodienfolge „Im Weißen Rössl“ entführte die Stadtkapelle auf die Operettenbühne, bevor es mit der oscarprämierten Filmmusik von „Ben Hur“ weiterging.

Einen schellen Volkstanz im Zweivierteltakt kündigte Moderator Sebastian Hofer dann an. Der „Bohemion Gallop“ zauberte das Publikum in einen Ballsaal des 19. Jahrhunderts. Die teils ausgelassene, teils übermütige Stimmung spiegelte sich in einem Wechselspiel aus filigranen und kräftigen Passagen wider. Zu „La Storia“ sollten sich die Besucher ihre eigene Geschichte ausdenken, nicht einmal Komponist Jacob de Haan wollte einen Kommentar zu seinem Stück verfassen, damit die Hörer nicht beeinflusst werden. Zu den dramatischen Teilen konnte sich jeder sein eigenes Bild machen wie auch zu den fröhlich-versöhnlichen Takten oder den traurig-wehmütigen Notenfolgen, die in glückliche und hoffnungsvolle Klänge überflossen. Die enthaltenen spannenden und vor allem rhythmisch anspruchsvollen Figuren spielten die Musiker der Stadtkapelle dabei virtuos.

Mit Don Quixote führte die Kapelle in die Pause, nach der die im September gegründete Jugendformation „JuMus“ übernahm. Die Jungen und Mädchen präsentierten mehrere Weihnachtslieder und mussten sogar noch eine Zugabe geben.

Ein besonderer Abend war es nicht nur für Haidu, sondern auch für Max Kriesmair. Er bekam von Friederike Steinberger die Ehrennadel für 50 Jahre als aktiver Musiker der bayerischen Blasmusik verliehen. Kriesmairs „außergewöhnliche und langjährige Verdienste“ hob die Geschäftsführende Präsidentin des Musikbundes von Ober- und Niederbayern (MON) besonders hervor und attestierte dem Geehrten, eine „Allzweckwaffe im Musikbund“ zu sein. Der ehemalige Leiter der Jugendstadtkapelle sei der Erste, der diese besondere Ehrennadel erhalte.

Der überraschte Kriesmair verriet sein Rezept für die lange Freude am Musizieren – vor allem mit dem Nachwuchs: „Die jungen Leute halten jung und geben Kraft und Motivation.“

Weiter ging es mit der klassischen „Elisabeth Serenade“. In einem Simon-and-Garfunkel-Medley bewiesen die Musiker, dass sie sich in allen Stilrichtungen wohlfühlen, ob Latinrhythmen oder poppige Melodien. Letztere gab es in der „80er Kult(tour)“, die im Publikum für Lacher und strahlende Gesichter sorgte und den Interpreten sichtlich Spaß machte.

Mit der böhmischen „Hanna-Polka“ und dem Marsch „Frei weg!“ endete das reguläre Programm. Das Publikum erklatschte sich zwei letzte Zugaben unter Haidus Dirigat, darunter den bekannten Radetzky-Marsch.

Wie eng Haidu mit seinen Musikern verbunden ist, zeigte der emotionale Abschluss des Konzerts. Während die Kapelle „Time to say goodbye“ spielte und eine Fotoshow mit Bildern aus den letzten 18 Jahren gezeigt wurden, begaben sich nach und nach immer mehr Weggefährten des Scheidenden vor die Bühne und zündeten unzählige Wunderkerzen an. Viele Umarmungen und Tränen folgten beim Abschied. Sogar gestandene Männer hatten Wasser in den Augen. „Das geht unter die Haut“, gestand der gerührte Haidu und versprach: „Ich komm gerne nach Weilheim, wenn ich gebraucht werde. Ich bin nicht aus der Welt.“

Von Ursula Gallmetzer

Auch interessant

Meistgelesen

Unbekannter nähert sich Kindern
Unbekannter nähert sich Kindern
Am Tag der offenen Tür der FFW Weilheim gab es viel zu sehen und zu erleben
Am Tag der offenen Tür der FFW Weilheim gab es viel zu sehen und zu erleben
Reifen Feneberg in Füssen: 30 Jahre Erfahrung und heute so innovativ wie nie
Reifen Feneberg in Füssen: 30 Jahre Erfahrung und heute so innovativ wie nie
Tag der offenen Tür Freiwillige Feuerwehr Weilheim Bildergalerie
Tag der offenen Tür Freiwillige Feuerwehr Weilheim Bildergalerie

Kommentare