Erkundungsbohrung für weltweit ersten Gravity Power Grün-Stromspeicher gestartet

Pilotprojekt in Weilheim

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Probebohrung für die neue Grün-Stromspeicheranlage auf dem Gelände der Weilheimer Stadtwerke.

Weilheim – Bei den Weilheimer Stadtwerken wird tief gebohrt. Der Grund: Das Unternehmen Gravity Power (GP) bereitet die Umsetzung des Pilotprojekts zur Speicherung von regenerativen Energien vor.

Insgesamt vier Wochen dauert die Probebohrung in der ehemaligen Kiesgrube und noch einmal so lange die Auswertung. Der Zweck ist die Bestimmung der geologischen Gegebenheiten und damit eine Abschätzung, wie der Schacht für die Anlage zu bauen ist und was das Projekt kostet. Clemens Martin von Gravity Power erklärte in einer Pressemeldung der Weilheimer Stadtwerke: „Der spätere Pumpspeicherschacht wird 140 Meter tief sein. Für die Erkundungsbohrung gehen wir zur Sicherheit 200 Meter nach unten. Denn wir müssen natürlich auch wissen, wie die Bodenbeschaffenheit unter unserem geplanten Pumpspeicherschacht ist.“ Stadtwerke-Chef Peter Müller schätzt, dass der eigentliche Bau der Anlage nach einigen Monaten abgeschlossen ist. „Ich gehe davon aus, dass im Sommer die Baumaßnahme startet.“

Diese Stromspeicheranlage ist in ihrer Form die erste, die von Gravity Power errichtet wird. Zum Einsatz kommt eine Kombination aus Techniken, die seit Jahrzehnten im Bergbau, Tunnelbau und in der Pumpspeicherindustrie Anwendung finden. Dabei wird der Strom in einem Kolben gespeichert, der die Hälfte des 140 Meter tiefen, mit Wasser gefüllten Schachts einnimmt. Durch die angewendete Hydraulik befindet sich der Kolben in der oberen Hälfte, wenn er Energie speichert, und sinkt bei der Stromabgabe in die untere Schachthälfte. Das verdrängte Wasser wird durch eine Druckleitung über die Turbine wieder zurück in den Schacht geleitet und bildet so ein geschlossenes System.

Da es sich um eine Testanlage handelt, geht es auch darum, Erfahrungen zu sammeln. Ein Beispiel ist die langfristige Haltbarkeit der Dichtungen, an denen der Kolben immer entlangschrappt. Weitere Tests, die der momentane Netzbetreiber Bayernwerke AG wohl durchführen wird, betreffen Mengen und Geschwindigkeiten der Energiespeicherung und -abgabe. Müller bezeichnet die Anlage in der Pressemeldung als „wertvoll, weil uns die Energiewende nur mit ausreichend Stromspeichern gelingt“. Anders gesagt, ohne Stromspeicher können regenerative Energien, zum Beispiel aus Sonne oder Wind, nicht immer zur Verfügung stehen. „Bislang gibt es noch nicht so viele Verfahren zur Speicherung“, erklärte der Stadtwerke-Chef. Eine Besonderheit der Anlage von Gravity Power ist die unterirdische Bauweise. Da oberirdisch nur ein kleines Gebäude stehen wird, fügt sich die Anlage optisch nahtlos in die Landschaft ein. Wenn die Tests positiv verlaufen, könnte dies Interessenten aus der ganzen Welt nach Weilheim bringen.

Und die Zukunft der Anlage nach der Testphase? Die Hartnäckigkeit, das Projekt nach Weilheim zu holen – ursprünglich war es für Penzberg geplant, musste aber dort wegen unpassender Bodenverhältnisse aufgegeben werden – könnte sich auszahlen. Wenn Gravity Power die Anlage verkaufen möchte, dann könnte sie von den Stadtwerken übernommen werde. Dies würde mehr Autarkie bei der internen Energieversorgung bedeuten. Praktischerweise befindet sich der Stromspeicher auf dem eigenen Gelände in der Stadtwerkestraße 1, das GP für den Bau pachtet. Die Lebensdauer des Stromspeichers ist mit über 40 Jahren angesetzt.

Grünstrom-Speicher Info:

- Lebensdauer: über 40 Jahre - Schachttiefe 140 Meter 

- Durchmesser: circa acht bis zehn Meter 

- Wasservolumen: circa 2 680 Kubikmeter 

- Gewicht des Kolbens: circa 5 000 Tonen 

- Maximale Leistung: rund ein Megawatt

- Stommenge, die erzeugt werden kann: 500 Kilowattstunden bei einer Lade- beziehungsweise Entlade-Zeit von 30 Minuten

Von Melanie Wießmeyer

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