Weilheim im Mittelalter Ferienaktion "Mittelalter Pur" führt Kinder ins Weilheim vor 1000 Jahren

Die Zweikämpfe nach Ritterart sind nur eines von vielen Spielen, die im Ferienprogramm „Mittelalter Pur“ auf dem Programm stehen. Rechts im Bild die Mittelalter-Spezialisten Gerald und Kerstin Uhl. Foto: Müller

Weilheim wird 1000 Jahre alt. Das hat sich mittlerweile auch bei den jüngeren Weilheimern herumgesprochen. Einige davon begaben sich kurzerhand auf eine einwöchige Zeitreise, um das Leben der Weilheimer Bürger um das Jahr 1010 nachzuempfinden.

Eine Woche lang dauerte die Zeitreise, die ganz unkompliziert am Leprosenweg hinter dem ehemaligen Jugendhaus von statten ging. Die Idee dazu kam vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt Weilheim, das zusammen mit dem Pfadfinderstamm Sir Francis Drake eine spannende Ferienaktion entwarf. Teil davon war auch sich die „Siedlung“ selbst zu zimmern, wie es früher eben war. Dabei waren 17 junge Weilheimer von acht bis 13 Jahren, die daher daher Hammer und Säge unter fachkundiger Anleitung der ehrenamtlichen Betreuer schwangen. Damit alles auch authentisch wird, hatten die jungen Zeitreisenden fachkundige Unterstützung. Gerald und Kerstin Uhl, die Weilheimer Mittelalter-Experten, führten die Kinder und Jugendlichen ein die sagenumsponnene Welt des Mittelalters. Helme und schwere Kettenhemden legten sie den staunenden Kindern an, um ihnen ein Gefühl zu vermitteln, wie sich Ritter damals gefühlt haben mochten. So mussten sich die jungen tapferen Maiden und Recken auch in Ritterprüfungen bewähren, galt es doch die Siedlungsgeschichte Weilheims nachzuspielen und sich als würdige Neubürger zu erweisen. Doch nicht nur spaßige Ritterspiele standen auf dem Programm, sondern auch die Arbeit der damaligen Weilheimer musste erledigt werden wie zum Beispiel das Färben der Kleider und vieles mehr. Jeden Tag werkelten die 8- bis 13-Jährigen emsig daran, ihre Siedlung am Leprosenweg aufzubauen. Und das hatte alles Hand und Fuß, denn die jungen Zeitreisenden stellten eine erfundene Szenerie nach, wie Weilheim vor einem Jahrtausend entstanden sein könnte. In vier Stämmen reisten die „Siedler“ aus dem Norden an, denn eine Hungersnot zwang sie dazu neues Gebiet zu erschließen. So befanden die Stammesmitglieder der Aksuren, der Norier, der Gothier und von Ordred das Gebiet an der Ammer für tauglich. Am Leprosenweg ließen sie sich nun nieder und begannen das Tagewerk, das im Mittelalter gang und gäbe war. So fielen etwa Arbeiten an, die heute kaum noch jemand selber verrichtet wie zum Beispiel das Einfärben der eigenen Kleider – die die Kinder übrigens auch selbst herstellten –, das Bauen von wettertauglichen Holzhütten und Arbeiten, die heute kaum jemand noch kennt: Das Basteln von Lederarmschienen und selbst richtigen Rüstungen holte die Kinder aus dem Heute in eine andere Welt oder auch das Schöpfen von Papier nach mittelalterlicher Tradition. Der Eifer der Kinder kannte dabei kaum Grenzen. „Die waren alle schon immer eine halbe Stunde früher da, als ausgemacht war“, sagte Rufus, einer der Betreuer der Pfadfindergruppe. Zusammen mit Karin Hinzpeter-Gläser vom Kinder- und Jugendbüro Weilheim freute er sich aber sehr über den Feuereifer der Kinder, der sich zum Beispiel auch beim Handel zeigte, den die Kinder untereinander mit ihren selbst hergestellten Sachen betrieben Das wichtigste waren aber die Ritterprüfungen als Teil der Bewährungsprobe, um sich das Prädikat der Weilheimer Bürgerschaft zu holen. Lanzengänge, Schwertkämpfe, Armbrustschießen, Stiefelweitwurf oder auch ein Nagel-Schnell-Hämmern verlangten den Maiden und Recken ihr Geschick ab und brachten jedem Gewinner ein Goldstück ein, mit dem sie ihren Handel betreiben konnten. Krönender Abschluss war am Freitag: Nach dem Bestehen der zahlreichen Prüfungen kam Stadträtin Petra Arneth-Mangano und überreichte jedem der weitgereisten Siedler eine Urkunde, die sie nun als Neubürger von „Wilhaim“ auszeichnen. Das galt es natürlich gebührend zu feiern, wozu alle Eltern eingeladen waren, die staunend auf die selbst gebauten Hütten ihrer Kinder blickten. Das Wetter machte ausnahmsweise und zur großen Freude der Kinder noch lange genug mit, um die Woche in einer gemeinsamen Zeltnacht ausklingen zu lassen.

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