Aus Feinden wurden Freunde

Weilheim und Narbonne verbindet seit über 40 Jahren eine Städtepartnerschaft

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Bei der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags 1971: Narbonnes Bürgermeister Maitre Hubert Mouly (Mitte) und Weilheims Bürgermeister Dr. Johann Bauer (rechts).

Weilheim/Narbonne – 46 Jahre. Solange besteht schon die Städtepartnerschaft zwischen Weilheim und Narbonne. Anlässlich des kürzlich stattgefundenen Internationalen Tages der Städtepartnerschaft blickt der Kreisbote auf die letzten Jahrzehnte der Freundschaft zurück.

Dass es überhaupt zur Städtepartnerschaft mit Narbonne kam war eher Zufall. 1965 wollte eine Pfadfindergruppe aus der französischen Stadt im Altlandkreis Weilheim zelten. Doch ein Hochwasser überraschte die junge Gruppe. Die Stadt Weilheim nahm sich der Jugendlichen an. Dadurch entstanden erste Kontakte mit Narbonne. 1969 fuhr der damalige Landrat Dr. Georg Bauer mit zwei Stadträten in die französische Stadt.

Am 23. September 1971 wurde aus der Freundschaft eine richtige Städtepartnerschaft. In Narbonne wurde das mit einer Unterschrift der damaligen Bürgermeister Dr. Johann Bauer (Weilheim) und Maitre Hubert Mouly (Narbonne) auf einem Freundschaftsvertrag besiegelt. Am 23. Mai 1974 wurde das Bündnis in Weilheim mit einer weiteren Unterschrift auf einer Städtepartnerschaftsurkunde bekräftigt.

Seitdem wird die Freundschaft ausgiebig gepflegt. 1984 war Weilheims Altbürgermeister Klaus Rawe, dessen Gattin Anne-Marie gebürtige Französin ist, das erste Mal in Narbonne. Gegenseitige Besuche von Weilheimern und Narbonnern finden jedes Jahr statt. So war 2019 das Orchester der französischen Stadt in Oberbayern. Zusammen mit der Weilheimer Stadtkapelle wurde ein musikalisches Programm in der Hochlandhalle organisiert.

Auch die Weilheimer Jugendlichen profitieren von der Städtepartnerschaft, erzählt Uta Orawetz, die bisherige Referentin für Städtepartnerschaft. So gab es schon einen Vereinsaustausch mit dem TSV, bei dem die Jugendlichen in Narbonne bei Gastfamilien gewohnt haben. Gegenseitige Schülerreisen wurden ebenfalls unternommen. Im Oktober 2018 war eine zehnte Klasse des Weilheimer Gymnasiums in Frankreich, erinnert sich Orawetz. „Leider verlief das nicht so gut, weil es schwere Unwetter gab.“

Heuer wollten eigentlich die Segelflieger und der Rotary Club nach Narbonne reisen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird daraus aber nichts. Auch wenn nicht immer alles glatt läuft, profitieren doch viele von der Städtepartnerschaft. „Es entstehen bei den gegenseitigen Besuchen immer wieder Freundschaften, die auch weiter gepflegt werden.“ Orawetz hofft, dass das Bündnis zwischen Weilheim und Narbonne auch die nächsten Jahrzehnte bestehen bleibt – über alle Parteigrenzen hinweg.

Neben den vielen Besuchen hat die Städtepartnerschaft auch dazu geführt, dass es seit 1988 eine Französische Woche – la Semaine Française – in Weilheim gibt. Zur damaligen Premiere kamen etwa 5 000 bis 8 000 Gäste. Der Erfolg der Feierlichkeiten hält bis heute an. Jedes Jahr locken Anfang Juli Oliven, Ziegenkäse, Öle, Seifen, Weine und andere französische Waren in die Weilheimer Fußgängerzone. Narbonner und Weilheimer Gastronomen bieten Gerichte aus der französischen Küche an, die zusammen mit dem Kulturprogramm für das richtige Flair sorgen.

Heuer hat das Corona-Virus den Planungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die nächste Französische Woche, die von der Stadt Weilheim in Kooperation mit der Weilheimer Wirte GbR veranstaltet wird, gibt es deshalb erst wieder im Jahr 2021.

Im Übrigen feiern nicht nur die Weilheimer eine Französische Woche. In Narbonne findet alle zwei Jahre im August eine Bayerische Woche statt – la Semaine Bavaroise. Dann fahren wiederum Weilheimer Händler in die französische Stadt. Mit dabei sind immer die Stadtkapelle und der Heimat- und Trachtenverein – schließlich gehört zum Kulturaustausch mehr als nur Essen und Trinken. 2021 soll es wieder soweit sein.

Abgesehen vom gemeinsamen Feiern gab es in den vielen Jahren der Städtepartnerschaft immer wieder symbolische Gesten der Freundschaft. So wurde erst im Juli 2019 der „Jardin de l‘Amitié“, der Garten der Freundschaft, in Weilheim „Am Riss“ eingeweiht. Grund war die seit nunmehr 45 Jahren anhaltende Partnerschaft. Die kleine Grünanlage zwischen Stadtmauer und Oberem Graben hätte als Ort nicht besser gewählt werden können. Wie Dr. Joachim Heberlein in seinem Grußwort bei der damaligen feierlichen Eröffnung erzählte, ist „Am Riss“ ein sehr symbolträchtiger Ort. Genau an dieser Stelle sei einst ein Graben verlaufen und 1646 hätten schwedische und französische Soldaten genau an diesem Fleck die Stadt erstürmt. „Aus Feinden wurden im Laufe einer langen Zeit Freunde, über die jahrhundertealten tiefen und trennenden Gräben hinweg reichte man sich (…) die Hand zur Freundschaft“, so Heberlein damals. Zwei Schilder zieren nun den Ort: Ein Wegweiser, der in Richtung des 1 104 Kilometer entfernten Narbonne zeigt und das Namensschild für den Garten an der Stadtmauer.

In Narbonne gibt es ein Pendant zu dem Weilheimer Garten der Freundschaft. Der ehemalige Narbonner Bürgermeister Mouly war es, der die Widmung für den„Parcs des Sports et de l’Amitié“, den Sportpark und den Park der Freundschaft, 1992 mitinitiierte.

Die Städtepartnerschaft hat in 46 Jahren zu vielen symbolischen Akten, kulturellem Austausch und sicherlich zu der ein oder anderen Freundschaft beigetragen. Mal sehen, was die Zukunft noch so alles bringt.

Von Stephanie Novy

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