Zu viel Arbeit, zu wenig Personal

Kreis- und Schulausschuss votiert für Einführung eines Projektsteuerers für Turnhallenneubau

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Landkreis – Die Erweiterung des Gymnasiums Schongau, der Neubau der Berufsschule in Weilheim und die Sanierungsarbeiten am Gymnasium in Penzberg: Das sind nur einige Projekte, um die sich die Kommunale Bauverwaltung des Landkreises aktuell kümmern muss. Neu hinzu kommt nun der Neubau der Turnhallen für das Gymnasium Weilheim (wir berichteten). Für dieses soll nun ein eigener Projektsteuerer eingesetzt werden.

Mit aktuell nur 3,15 besetzten von 5,5 vorhandenen Stellen sind die Kapazitäten im Bereich der Kommunalen Hochbauverwaltung am Ende, wie Florian Steinbach, Leiter der Kommunalen Bau- und Liegenschaftsverwaltung im Landratsamt Weilheim-Schongau, in der Sitzung des Kreis- und Schulausschusses erklärte. Die personellen Engpässe seien vor allem durch Elternzeit und Krankheit bedingt. „Wir haben ein Jahr lang gebraucht, um eine Stelle zu besetzen“, so Steinbach, „wenn noch ein Krankheitsfall hinzu kommt, dann stehen wir an.“ Wie es in der Beschlussvorlage heißt seien die durch die erheblichen Ausfallzeiten und Vertretungsnotwendigkeiten verbleibenden Mitarbeiter einschließlich der Fachbereichs- und Sachbereichsleitung bereits spürbar zusätzlich belastet. „Die Auslastung der Kommunalen Bauverwaltung ist damit vor dem Hintergrund der laufenden Projekte in Verbindung mit den vorliegenden Ausfallzeiten nicht nur am, sondern deutlich über dem Limit.“ Neben „größeren Maßnahmen“, wie anfangs bereits aufgezählt, stellen auch schon fertiggestellte Projekte, wie die Erweiterung der Realschule Schongau und die Generalsanierung des Gymnasiums Weilheim, in der Nachlaufphase aufgrund von Restmängelbeseitigungen noch Aufwand dar.

Empfehlungen des Bayerischen kommunalen Prüfungsverbandes (BKPV) zufolge sei die Beantragung einer externen Projektsteuerung für kommunale Baumaßnahmen insbesondere dann sinnvoll, wenn erstens die Kommune aktuell keine ausreichend leistungsstarke Bauverwaltung besitzt, zweitens viele Projektbeteiligte koordiniert und überwacht werden müssen, drittens das Bauvorhaben einen hohen Schwierigkeitsgrad aufweist und/oder viertens das Kostenvolumen über fünf Millionen Euro liegt. Nach Einschätzungen der Bauverwaltung liegt der Neubau der Turnhalle Weilheim bei mindestens acht Millionen Euro, weswegen ein externer Projektsteuerer schon allein aus diesem Grund vertretbar wäre, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Außerdem sei auch aufgrund der vielen Projektbeteiligten und des Schwierigkeitsgrades des Bauvorhabens externe Unterstützung der Bauverwaltung notwendig.

Das Problem könnte durch einen Projektsteuerer gelöst werden, der den Landkreis circa 220 000 Euro kosten würde. Anhand einer Skizze stellte Steinbach den Mitgliedern der Ausschüsse das Aufgabenfeld eines Projektsteuerers vor. „Er unterstützt den Bauherren, also den Landkreis Weilheim-Schongau, bei Terminen, Kosten, Qualität und bei organisatorischen Tätigkeiten“, so Steinbach.

Bei den Kreisräten kam das gemischt an. „Ich finde 220 000 Euro richtig viel Geld“, zeigte sich Manuela Vanni (Unabhängige/ödp) nicht gerade erfreut. „Ich erinnere mich noch daran, als wir für unsere Glück-Auf-Halle (in Peißenberg/Anmerk. d. Red.) einen Projektsteuerer gesucht haben und da gab es keine Notwendigkeit“, so Vanni. Auch Parteikollege Hans Geisenberger schloss sich dem an. „In Zeiten guter Konjunktur gibt man das Geld lieber aus als in schlechten Zeiten“, so Geisenberger. „Ich habe ein Problem damit, eine Stange Geld auszugeben. Im Bereich Personal sollten wir mal zu Potte kommen“, betonte Geisenberger.

„Wir sind ja selbst nicht glücklich, wie es mit dem Personal aussieht“, entgegnete Landrätin Andrea Jochner-Weiß, „wir würden das schon lieber mit eigenem Personal übernehmen.“ Klaus Gast (CSU) sprach sich für einen Projektsteuerer aus: „Grundsätzlich darüber zu diskutieren hilft uns nicht weiter. Es geht jetzt um diesen konkreten Fall“, betonte Gast. Die Alternative wären entweder „halbscharige Arbeiten“ oder dass der Bau der Turnhallen länger dauert, was wiederum zu mehr Kosten führen würde. Das Projekt sei allerdings zu wichtig, um es „halbscharig“ zu machen. Außerdem wäre es „schlimmer“, wenn wegen Verzögerung noch zusätzliche Kosten anfallen würden. „Da müssen wir halt in den sauren Apfel beißen.“ Brigitte Loth (BfW) dachte dabei vor allem an die Schüler. „Die Schüler haben ein Recht auf Sportunterricht. Erholungsphasen sind wichtig“, so Loth. Krankheitsbedingte Ausfälle seien nie planbar. Der Einführung eines Projektsteuerers stimmte sie deshalb „voll zu“, auch da es „keine Alternativlösung“ gebe.

Mit zwei Gegenstimmen sprach sich dann die Mehrheit des Kreis- und Schulausschusses für die Einführung eines Projektsteuerers aus.

Von Maria Lindner

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