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Eine Fachstelle zur Beratung bei Wohnungslosigkeit

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Von: Stephanie Novy, Bernhard Jepsen

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Papierhaus mit schützenden Händen
Die Aufgabe der Fachstelle es sei, Wohnungslosigkeit präventiv zu verhindern. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / AndrewLozovyi

Landkreis – Seit 2018 finanziert der Landkreis Weilheim-Schongau die von der Diakonie Herzogsägmühle betriebene Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit. Doch was ist mit der Klientel, die bereits obdachlos geworden ist, das heißt, ordnungsrechtlich in Notbehausungen untergebracht ist oder in „prekären Wohnverhältnissen“ wie zum Beispiel auf Campingplätzen oder in Gartenlauben lebt? Der Sozialausschuss des Kreistags will für diese Menschen künftig ein ergänzendes Beratungs- und Hilfsangebot zur Verfügung stellen und empfahl bei seiner jüngsten Sitzung dem Kreisausschuss einhellig die Schaffung einer Fachstelle zur Unterstützung bei Wohnungslosigkeit. Der Kreisausschuss nahm den Beschlussvorschlag an.

„Es wird höchste Eisenbahn, dass so etwas im Landkreis eingerichtet wird“, erklärte Michael Asam (SPD) im Sozialausschuss. Man dürfe nämlich eines nicht vergessen: „Die Bürger haben ein Recht darauf, dass ihnen das Land und die Kommunen Wohnraum zur Verfügung stellen.“ Asam äußerte zudem ein „Anliegen“. So könnten die Kommunen im Bedarfsfall „wunderbar helfen“, wenn sie zum Beispiel Bürgschaften für Miet- oder Kautionszahlungen verteilen dürften. Das sei auch „gar nicht absurd“, weil die Unterbringung eines Obdachlosen in einem Hotel oder in einer Ferienwohnung für die Gemeinden oft viel teurer käme. Asam appellierte an die kommunale Rechtsaufsicht bezüglich der Bürgschaften leichtere Voraussetzungen zu schaffen.

Peter Steigenberger, der Leiter des Landkreis-Sozialamts, berichtete in der Ausschusssitzung von einer „immer schwieriger werdenden Wohnungsversorgung“. Die Fachstelle zur Beratung bei Wohnungslosigkeit wäre eine wichtige Ergänzung zur bereits bestehenden Plattform, deren Aufgabe es sei, Wohnungslosigkeit präventiv zu verhindern.

Wie aktuell das Thema ist, dokumentierte Steigenberger anhand von Zahlen: 2020 hat es demnach in der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit 86 Beratungsfälle gegeben, 2021 wurden 126 registriert und im laufenden Jahr sind es bereits 106. „Die Flüchtlinge aus der Ukraine machen den Wohnungsmarkt noch enger“, erklärte Steigenberger. Klar sei aber auch, dass man mit dem Beratungsangebot nur begrenzten Handlungseinfluss habe. Die Fachstelle könne keinen Wohnraum schaffen. „Da sind wir auf die Hilfe Dritter angewiesen“, so Steigenberger.

In der Praxis gibt es übrigens bereits seit 2020 Beratungsleistungen bei Wohnungslosigkeit. Im Rahmen eines vom Freistaat Bayern finanzierten Projekts mit dem Titel „Aufsuchende Sozialarbeit“ kümmert sich die Herzogsägmühle um die betroffene Personengruppe. Nun allerdings läuft die Förderung aus, weshalb die Diakonie bezüglich einer Anschlussfinanzierung an den Landkreis herangetreten ist.

Der Kreisausschuss hat sich in seiner Sitzung am vergangenen Montag dem Beschlussvorschlag des Sozialausschusses einstimmig angeschlossen. Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) erklärte zudem, dass auch die Bürgermeister der Gemeinden dieses Vorhaben unterstützen würden. Damit soll die Fachstelle zur Beratung bei Wohnungslosigkeit zunächst bis Ende 2024 laufen. Dafür sind Kosten von 280 000 Euro einkalkuliert. Danach soll eine Evaluierung stattfinden. Allerdings ist davon auszugehen, dass auch danach eine Fachstelle benötigt wird. Es sei denn, so Steigenberger, es werde viel gebaut und es würden genügend Wohnungen zur Verfügung stehen: „Aber daran glaube ich nicht.“

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