Expertinnen informieren

Die Suche nach einem geeigneten Pflegeheim

Lisa Jodl, Claudia Altersberger und Stephanie Hör
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Kümmern sich rund um das Thema Pflege im Landkreis (v.li.): Lisa Jodl, Claudia Altersberger und Stephanie Hör.
  • Stephanie Novy
    VonStephanie Novy
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Landkreis – Die Menschen werden immer älter. Eigentlich eine gute Nachricht. Doch steigt damit auch das Risiko irgendwann nicht mehr alleine leben zu können. Die geistigen und körperlichen Kräfte nehmen ab. Gesundheitliche Einschränkungen wie Demenz oder Schlaganfall können auftreten. Dann kann es unter Umständen am besten sein, in ein Pflegeheim zu gehen. Die Expertinnen vom Pflegestützpunkt Lisa Jodl und Claudia Altersberger sowie von der Seniorenfachstelle Stephanie Hör erklären, was man bei der Suche nach einem geeigneten Pflegeheim wissen muss.

Können Sie zunächst erklären, was der Unterschied zwischen einem Alters- und einem Pflegeheim ist?

Altersberger: „In einem Altersheim sind Menschen, die nicht in diesem Maße rund um gepflegt werden müssen, wie Personen in einem Pflegeheim. Die Senioren im Altersheim sind in der Regel körperlich und geistig fitter.“

Wie viele Pflegeheime gibt es denn im Landkreis?

Jodl: „Es gibt insgesamt 13 Stück über den Landkreis verteilt. Die Einrichtungen werden privat, kommunal oder von Trägern der Wohlfahrtspflege betrieben.“

Sind das genügend Einrichtungen? Vor allem auch im Hinblick auf den demografischen Wandel.

Altersberger: „Man kann sicherlich sagen, dass der Landkreis unterversorgt ist. Aktuell gibt es mehr stationäre Pflegeplätze, als belegt werden können, weil Pflegekräfte fehlen. Daher ist es sinnvoll, eine Heimunterbringung so weit wie möglich rauszuzögern. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeiten der Tages- oder 24-Stunden-Pflege. Der Bezirk Oberbayern bietet dabei Unterstützung an.“

Was genau ist eine Tages- beziehungsweise 24-Stunden-Pflege?

Altersberger: „Bei einer Tagespflege werden die Senioren meist von zuhause abgeholt. Sie verbringen dann durchschnittlich von 9 bis 16 Uhr die Zeit in der Einrichtung. Hin und wieder werden sie auch am Wochenende betreut. Bei der 24-Stunden-Pflege kommt eine Pflegefachkraft über eine Agentur nach Hause zu den Senioren und kümmert sich dort rund um die Uhr um sie.“

Wenn jemand auf der Suche nach einem Pflegeheim für einen Angehörigen ist, wo findet man dann Anlaufstellen, die einen unterstützen?

Altersberger: „Da gibt es einige: Pflegestützpunkt des Landkreises, Pflegelotsen, Pflegekassen oder über die Onlineplattform Pflegenavigator.“

Worauf sollte man bei der Suche nach einem guten Pflegeheim achten?

Altersberger: „Das kommt darauf an, was man unter einem guten Pflegeheim versteht.“

Jodl: „Das ist wirklich ganz individuell, worauf man Wert legt. Ist es mir wichtig, dass es im Stadtzentrum gelegen ist, oder soll es möglichst nah bei Freunden und Verwandten sein?“

Kann man die Pflegeheime auch vorab besichtigen?

Altersberger: „Unter bestimmten Voraussetzungen ist das sicherlich möglich, aber gerade wegen Corona etwas schwierig und aufwendig. Es gibt allerdings Pflegeheime, die bieten mittlerweile Onlinebesichtigungen an. Auch Broschüren sind eine gute Möglichkeit sich einen Eindruck zu verschaffen.“

Jodl: „Die Wartelisten sind teilweise recht lang. Wer auf der Suche ist, sollte mehrere Pflegeheime durchtelefonieren, um nicht länger auf einen freien Platz warten zu müssen.“

Können (Ehe-)Partner auch zusammen in eine Einrichtung kommen?

Altersberger: „Grundsätzlich ist das absolut möglich. Dabei sollte man sich überlegen, ob die Paare zusammen in ein Zimmer möchten oder in verschiedene Zimmer, was durchaus auch gewünscht wird. Allerdings kann es natürlich sein, dass vorerst nur einer der beiden einen Platz bekommt und der andere noch etwas warten muss. Dann sollte zuerst die Person den Platz annehmen, die pflegebedürftiger ist.“

Wie hoch sind die Kosten für ein Pflegeheim und wie viele Zuschüsse kann man bekommen?

Jodl: „Es gibt immer einen Eigenanteil und einen Teil, den die Pflegekassen übernehmen. Letztere zahlen bei den Pflegegraden 2 bis 5 zwischen 770 und 2 005 Euro pro Monat. Diese Beträge sind immer dieselben. Der Eigenanteil, den die Senioren zahlen müssen, variiert je nach Einrichtung. Enthalten sind dabei die Kosten für die Unterkunft, Verpflegung, Ausbildungsumlage und auch Investitionskosten, zum Beispiel für Umbauten oder einfach nur die Instandhaltung des Gebäudes.“

Was, wenn die Senioren das Geld nicht haben, um die Kosten für das Pflegeheim zu zahlen?

Altersberger: „Zunächst kann man einen Antrag auf Sozialhilfe in Form von ‚Hilfe zur Pflege‘ stellen. Dabei wird das eigene Einkommen und das des (Ehe-)Partners berücksichtigt. Es kann auch sein, dass die Kinder zahlen müssen. Allerdings erst, wenn sie mehr als 100 000 Euro brutto im Jahr verdienen.“

Wenn jemand bereits in einem Pflegeheim untergebracht ist und es dort Probleme gibt, an wen kann man sich wenden?

Jodl: „Es gibt eine so genannte Bewohnervertretung. Die vermittelt bei Problemen.“

Hör: „Und auch an die Heimaufsicht des Landkreises kann man sich jederzeit wenden. Die Mitarbeitenden helfen und vermitteln bei Bedarf.“

Was genau ist die Aufgabe der Heimaufsicht?

Hör: „Es finden regelmäßige Begehungen der Heime und auch von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung statt. Dabei wird nach bestimmten Kriterien etwa zur Pflege und Versorgung inspiziert. Dann gibt es mit den Einrichtungsleitern ein Abschlussgespräch, bei dem auch über etwaige Maßnahmen gesprochen wird.“

Jetzt im April nimmt auch der Pflegestützpunkt des Landkreises seine Arbeit auf. Können Sie etwas mehr darüber sagen?

Jodl: „Die letzten Wochen und Monate haben wir uns ein Netzwerk aufgebaut und uns einen Überblick verschafft. Ab dem 1. April werden wir dann an zwei Standorten im Einsatz sein; in der Münzstraße 48 in Schongau und in der Schützenstraße 26b in Weilheim. Auch eine Außensprechstunde in Penzberg ist geplant. Momentan sind wir zu zweit. Frau Altersberger und ich. Bei Bedarf kann aber personell und auch das Angebot aufgestockt werden.“

Altersberger: „Wir wollen den Menschen eine schnelle Hilfe rund um das Thema Pflege bieten. Manche kommen alleine nicht weiter. Wir können zum Beispiel auch sagen, welche Heime noch Kapazitäten haben.“

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Ansprechpartner rund um Pflege im Landkreis

Pflegestützpunkt: Lisa Jodl, Tel. 08861/2113191, Claudia Altersberger, Tel. 08861/2113372

Seniorenfachstelle: Stephanie Hör, Tel. 08861/211-3111, Lisa Merlonetti, Tel. 08861/211-3183

Ökumenische Sozialstation – Fachstelle für pflegende Angehörige: Schongau Tel. 08861/24040; Weilheim Tel. 0881/9279799; Peißenberg Tel. 08803/6333100

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