CSU initiiert "Gesundheits- und pflegepolitischen Arbeitskreis" – Dr. Karl Breu im Interview

Verbundlösungen gehört die Zukunft

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Die neu gewählte Vorstandschaft mit Gastrednern in Paterzell. V. li.: Frank Schaefer (Schriftführer, Schatzmeister), Bezirksrätin Alexandra Bertl (Stellv. Kreisvorsitzende), MdL Bernhard Seidenath (Bezirksvorsitzender), Dr. Karl Breu (Kreisvorsitzender), Dr. Oliver Kellermann (Beisitzer), Landrätin Andrea Jochner-Weiß (Stellv. Kreisvorsitzende), Florian Diebel (Beisitzer), Dr. Stefan Günther (Stellv. Kreisvorsitzender), Angelika Flock (Beisitzerin), MdL Harald Kühn und Dr. Christian Alex (Landesvorsitzender).

Paterzell/Landkreis – Was für ein wertvolles Gut die Gesundheit ist, erfahren wir spätestens dann, wenn uns eine Krankheit erfasst oder im familiären Umfeld eine Pflegesituation eintritt. CSU-Mitglieder haben kürzlich den „Gesundheits- und pflegepolitischen Arbeitskreis (GPA) Weilheim-Schongau“ ins Leben gerufen. Dr. Karl Breu wurde in der Gründungsversammlung in Paterzell zum Vorsitzenden gewählt. Bei einem Gespräch in der Kreisboten-Redaktion nahm er zu den Hintergründen und Zielen Stellung.

„Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis“, spottet der Volksmund. Wozu braucht es – neben den vielen bereits bestehenden Initiativen zum Thema Gesundheit im Landkreis – jetzt noch einen GPA?

Dr. Breu: „Im Bezirksvorstand Oberbayern des gesundheitspolitischen Ausschusses, dem ich seit 20 Jahren angehöre, werden auch kommunale Themen angesprochen. Dabei kristallisierte sich heraus, dass wir aufgrund unserer Probleme einen solchen Ausschuss brauchen.“

Welche Probleme sind das?

Dr. Breu: „Der sich abzeichnende Fachkräftemangel im Gesundheits- und Pflegebereich, der Ärztemangel sowie die besonderen Herausforderungen an kleine kommunale Krankenhäuser. Handlungsbedarf gibt es nach Ansicht von Fachleuten aus den verschiedenen Gesundheitsberufen auch bezüglich einer Einführung von Pflichtimpfungen und bei der Organspende.“

Welche Fachkompetenzen deckt der GPA mit seinen Mitgliedern ab?

Dr. Breu: „Die ganze Gesundheit. Im Vorstand ist von der Apothekerin über einen Krankenhaus-Geschäftsführer, über Fachärzte und eine Pflegeleitung bis hin zum Zahnarzt alles vertreten.“

Können Sie auf die genannten Defizite im Gesundheits- und Pflegebereich näher eingehen?

Dr. Breu: „Derzeit sind im Landkreis 479 Ärzte aktiv in der Krankenversorgung tätig. Bei den Hausärzten werden in den nächsten Jahren ein Drittel der Praxen frei, da die Ärzte älter als 60 Jahre sind. 45 Prozent der Hausärzte arbeiten im ländlichen Bereich; längst hat nicht mehr jede Gemeinde ihren eigenen Arzt. Eine Lösung könnten hier kommunale Verbünde bringen. Die Einzelarztpraxis wird es auf Dauer nicht geben; der Trend geht hin zu Gemeinschaftspraxen mit angestellten Ärzten.

Unsere kleinen Krankenhäuser haben große Probleme, die Vorgaben der Bundespolitik umzusetzen. Im Pflegebereich arbeitet die ‚Gesundheitsregionplus‘ bereits an Lösungsstrategien, denn bis 2030 werden uns 35 Prozent der Pflegekräfte fehlen.“

Wird der GPA die Schwachstellen nur aufzeigen oder auch konkrete Handlungsempfehlungen geben?

Dr. Breu: „Wir zeigen Defizite auf, beschreiben sie und ge ben Lösungsvorschläge. Allerdings brauchen wir zur Lösung die Politik.“

Sind die von betroffenen Bürgern oft beklagten langen Wartezeiten auf einen Facharzttermin auch aus Sicht des GPA ein dringendes Problem?

Dr. Breu: „Es ist sinnvoll, Facharzttermine stets über den Hausarzt laufen zu lassen. In akuten Krankheitsfällen kann über den behandelnden Hausarzt ein Termin innerhalb einer Woche vermittelt werden.

Terminengpässe gibt es – obwohl laut der Bedarfsplanungsrichtlinie im Landkreis Weilheim-Schongau eine Überversorgung besteht – eigentlich nur bei Psychiatern und Psychotherapeuten. Lange Wartezeiten werden durch die Institutsambulanz der kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Peißenberg gemildert.“

Gesundheitspolitik ist in erster Linie Bundessache. Was kann der GPA auf Landkreisebene bewegen?

Dr. Breu: „Die Krankenhausversorgung wird überwiegend auf kommunaler und bayerischer Ebene geregelt. Für die ambulante Versorgung ist die Kassenärztliche Vereinigung Bayern zuständig. Wir sind im Landkreis Weilheim-Schongau bestens vernetzt und haben gute politische Verbindungen nach München und Berlin.“

Ist die Mitarbeit im GPA parteigebunden oder steht sie allen Interessierten offen?

Dr. Breu: „Jeder, der daran interessiert ist, im gesundheitlichen Bereich etwas zu verändern, kann beim GPA mitmachen. Der Jahresbeitrag beträgt 20 Euro. Wir haben aktuell circa 25 Mitglieder; in Oberbayern gibt es auf Landkreisebene zehn GPAs.“

Sind die Aktivitäten des GPA vorrangig auf die nächsten Wahlen ausgerichtet oder soll aus dem Arbeitskreis eine dauerhafte Einrichtung werden?

Dr. Breu: „Natürlich wird die Gesundheit auch ein Wahlkampfthema sein, aber primär hat die GPA-Gründung nichts mit der Bundestagswahl zu tun. Geplant sind auch öffentliche Informationsveranstaltungen, zu Themen wie ‚Neue Krankheiten durch Stechmücken‘, Organspende und Krankenhaus-Struktur.“

Von Maria Hofstetter

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