Kooperationsprojekt im Landkreis: Unterstützung für ehrenamtliche Asylhelfer

Gemeinsam mehr erreichen

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Die beiden Ehrenamtskoordinatoren Susanne Seeling und Jost Herrmann.

Weilheim/Landkreis – Insgesamt 28 Asyl-Unterstützerkreise gibt es im Landkreis. Doch wer hilft den Helfern? Die beiden Ehrenamtskoordinatoren Jost Herrmann und Susanne Seeling. Sie stehen für eine Kooperation, die so in Bayern einmalig ist.

Im Mai verabschiedete der Kreistag den Kooperationsvertrag, der die Basis für die Ehrenamtskoordination der Asyl-Unterstützerkreise im Landkreis bildet. In diesem Vertrag schließen sich der Landkreis, die Diakonie Oberland, der Caritasverband und die Herzogsägmühle zusammen, um gemeinsam die Herausforderung des Themas Asyl und Integration anzunehmen. Aufgrund dieser Kooperation wurden, zunächst für zwei Jahre, die beiden Stellen der Ehrenamtskoordinatoren geschaffen. Seit Juni ist Herrmann, der sein Amt als Pfarrer ruhen lässt, hauptamtlich Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen der Helferkreise. Seeling, die in München studierte und bereits mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen arbeitete, kam im September dazu. „Wir gucken, dass wir das Beste herausholen, um den Ehrenamtlichen helfen zu können“, erklärte sie bei einem Pressegespräch. Der Vorteil der Kooperation: die Träger übergreifenden Synergien können genutzt werden und es gibt eine Anlaufstelle für alle.

Die Ehrenamtskoordinatoren bieten vielfältige Unterstützung an. Herrmann und Seeling sind Ansprechpartner für die circa 700 ehrenamtlichen Helfer, aber auch für die Gemeinden und Behörden. Sie beraten und unterstützen die bestehenden Unterstützerkreise, helfen bei der Vernetzung der Aktiven – auch überregional – vermitteln Freiwillige und leisten Öffentlichkeitsarbeit. Auch im Fall von Konflikten, zum Beispiel zwischen Asylbewerbern, Lehrern, Schulen oder der Polizei, können sie als neutrale Dritte vermitteln. Sollten Ehrenamtliche mit einem Fall überfordert sein, leisten Herrmann und Seeling auch Einzelfallhilfe. Durch Bildungsangebote wie Vorträge und Seminare (zum Beispiel „Gewaltfreie Kommunikation“) stärken sie die Arbeit der Ehrenamtlichen.

Die Arbeit der beiden engagierten Koordinatoren zeigt Wirkung: die Vernetzung und der Zusammenhalt der Unterstützerkreise im und über den Landkreis hinaus – sogar bis nach Südtirol – wurden gestärkt. Auch die Zusammenarbeit mit den hauptamtlich Tätigen bei Behörden und Verbänden ist positiv. „Wir haben so ein ‚Wir-Gefühl‘“, betonte Herrmann.

Seeling und Herrmann sehen sich aber auch nach den Anfangsmonaten weiterhin Herausforderungen gegenüber. Circa 1 700 Asylbewerber sind derzeit im Landkreis. Das ist nicht nur eine Zahl: jede Ziffer steht für einen Menschen und sein Schicksal. Erlebtes zu bewältigen kann nicht nur für die Flüchtlinge selbst, sondern auch für die Ehren- und Hauptamtlichen zur Belastung werden. Wichtigstes Signal ist hier: Keiner wird mit den Problemen alleine gelassen. Das beugt Überforderung und Konflikte vor.

Auch die sich immer wieder ändernde Gesetzeslage stellt eine Herausforderung dar. „Da muss man flexibel bleiben“, so Seeling. Nicht zu unterschätzen ist auch das Problem der verschiedenen Sichtweisen von Ehrenamtlichen und Behörden. Wo sich die einen strikt an ihre Vorgaben halten müssen, steht für die anderen das Einzelschicksal des Flüchtlings im Vordergrund. „Wir haben schon unterschiedliche Auffassungen, wie man Gesetze auslegt, aber auf sachlicher Ebene“, stellte Herrmann fest. Nicht immer einfach, hier den Ausgleich zwischen beiden Seiten zu schaffen. Eine der wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen für die Zukunft ist die Integration. „Wir schaffen das nur gemeinsam“, betonte Herrmann. Ehrenamtliche leisten dabei einen großen Beitrag. Sie helfen Sprachbarrieren abzubauen, die Geflüchteten in Vereine einzubeziehen oder bei der Wohnungssuche. Auch die Flüchtlinge selbst sollen sich einbringen, zum Beispiel im Ehrenamt. Um Integration zu ermöglichen, müssen auch Ängste vor dem Fremden abgebaut und gegenseitiges Verständnis gefördert werden. Angedacht sind hier zum Beispiel ein Islamvortrag, Vorbeugung der Schuldenfalle (wie bei Handyverträgen) oder die Verdeutlichung des Zusammenhanges von Globalisierung und Flucht.

Thema ist auch die Gründung eines Vereins, der als Dachverband dient und dem die Unterstützerkreise angehören können. Der Vorteil: ein Verein ist eine Rechtsperson, die Spendenquittungen ausstellen oder Räume anmieten kann. Die Unterstützerkreise selbst können dies nicht.

Zur Frage, wie die allgemeine Stimmung gegenüber den Flüchtlingen im Landkreis ist, sagte Herrmann: „Ich spüre Wohlwollen.“ Gegenwind gebe es nur ganz wenig.

Kontakt zur Ehrenamts-

koordination: Schützenstraße 18, 82362 Weilheim; Tel. 0881/9276589-22 oder -23; E-Mail: jost.herrmann@asylimoberland.de oder susanne.seeling@asylimoberland.de; www.asylimoberland.de.

Von Melanie Wießmeyer

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