Einen Euro von jedem Bürger

Weilheim-Schongau startet Spendenaktion für Winnyzja in der Ukraine

Kleiderkammer in der ehemaligen Berufsschule Weilheim
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In der provisorischen Kleiderkammer im Keller der ehemaligen Berufsschule fand die Videokonferenz mit Winnyzjas Bürgermeister statt. Das Bild zeigt (v.li.) Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die Bürgermeister Martin Pape, Georg Malterer und Markus Bader sowie Bürgermeister Georg Leis, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags.
  • VonBianca Heigl
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Landkreis – Der Krieg in der Ukraine ist eine für Europa seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr dagewesene Katastrophe. Die Hilfsbereitschaft von Bürgern, Unternehmen, Vereinen und Gemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau ist vom ersten Tag an beeindruckend. Die Bürgermeister des Landkreises haben sich nun auf den Weg gemacht konkrete Hilfe für die Stadt Winnyzja zu organisieren, die etwa 200 Kilometer im Südwesten von Kiew und 300 Kilometer nordwestlich von Odessa liegt. Hierzu soll auf den bestehenden Hilfsnetzwerken aufgebaut werden, um möglichst schnell, effizient und unbürokratisch Nothilfe zu leisten.

Im Rahmen eines Pressetermins stellten Landrätin Andrea Jochner-Weiß sowie die Bürgermeister Georg Malterer (Bernried), Martin Pape (Polling) und Markus Bader (Rottenbuch) das Projekt vor. Werner Grünbauer aus Pähl war krankheitsbedingt entschuldigt. Die vier Bürgermeister sind als Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Spendenaktion zu koordinieren. „Unser erstes Ziel ist es, von allen Gemeinden einen Euro pro Bürger an Spenden zu sammeln, also zirka 135 000 Euro, um so schnell wie möglich einen Transport mit medizinischer Hilfe an die ukrainische Grenze zu bringen, der dann von Vertretern der Stadt Winnyzja übernommen wird“, erläuterte Jochner-Weiß.

In einer Live-Schaltung nahmen auch Winnyzjas Bürgermeister Sergyy Morgunov, seine Stellvertreterin im humanitären Bereich Galina Yakubovich und als Dolmetscherin Irina Frenkel an dem Termin Teil. Morgunov erläuterte, wie wichtig die Versorgung mit Medizinprodukten für seine Stadt ist. Derzeit sind etwa 150 000 Binnenflüchtlinge in der Stadt, die über eine medizinische Universität und entsprechend viele medizinische Einrichtungen verfügt. Hier werden sowohl Zivilisten als auch verwundete Soldaten versorgt, die von der Front nach Winnyzja verlegt werden. Deshalb ist die Unterstützung mit medizinischem Gerät und Medikamenten hier am aller dringendsten. Auch Rettungswägen würden händeringend benötigt, wie Morgunov erklärte.

Deshalb versuchen die Bürgermeister nun, so schnell wie möglich einen Hilfstransport zusammenzustellen. Eine entsprechende Bedarfsliste liegt bereits vor. Auch die Krankenhaus GmbH unterstützt dabei mit ihrem Know-how. „Die Ukraine ist ein Vorposten Europas und wir müssen unsere Kräfte vereinen zum Sieg gegen die faschistischen Kräfte“, so Winnyzjas Bürgermeister in seinem Appell. Er dankte für die große Solidarität, die der Ukraine und auch den Flüchtlingen überall entgegengebracht wird.

Und so können alle Landkreisbürger helfen: Man spendet unter dem Stichwort „Solidarität Ukraine“ auf ein Konto der eigenen Wohnsitzgemeinde oder direkt an das zentrale Spendenkonto der Gemeinde Polling:

„SOLIDARITÄT UKRAINE“, IBAN: DE65 7035 1030 0032 6841 93, bei der Sparkasse Oberland.

Warum Winnyzja?

2019 suchte die deutsche Botschaft in Kiew einen Bürgermeister des Landkreises als Referenten, um auf einer Konferenz in der Oblast Winnyzja über das Thema Kulturpolitik im ländlichen Raum zu sprechen. Die Ukraine hatte kurz zuvor eine Föderalismusreform durchgeführt, die den Gemeinden mehr kommunale Selbstverwaltung in diesem wichtigen Bereich zugestand. Die Reform stand ganz im Zeichen der zunehmenden Demokratisierung der Ukraine auf ihrem Weg zu europäischen Standards. Stellvertretend für den Landkreis Weilheim-Schongau nahm Bürgermeister Markus Bader die Einladung an: „Neben Kiew, das keinen Vergleich mit Paris oder Berlin zu scheuen braucht, war das beeindruckendste meiner Reise die Offenheit und Zukunftsgewandtheit meiner ukrainischen Gesprächspartner. In Kiew war überall die Europaflagge zu sehen, in Tultschyn – der Stadt der Konferenz – fand parallel ein Opernfestival auf höchstem Niveau statt. Beide Veranstaltungen wurden von Frau Frenkel, einer Frau mit unbändiger Tatkraft und Organisationstalent, die auch fließend deutsch spricht, organisiert. Nach dem Einmarsch Putins nahm ich – auch im Namen aller Bürgermeister und der Landrätin – Kontakt mit ihr auf, um unser Mitgefühl und unsere Solidarität zu übermitteln.“

Dieser Kontakt führte zu einer Videokonferenz der Landkreis-Bürgermeister mit Frenkel und Yakubovich. Letztere berichtete aus ihrer Stadt. Die Bürgermeister beschlossen im Anschluss an die Ausführungen, spontan und so schnell wie möglich einen ersten Hilfstransport zu organisieren. Zur Koordination wurde besagte Arbeitsgruppe gegründet. Die Gemeinden bringen sich mit ihren bestehenden Hilfsnetzwerken und Kontakten ein, sodass keine Doppelstrukturen geschaffen werden müssen.

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