Projekte und Maßnahmen

Weilheim: So bereitet sich die Stadt auf Starkregenereignisse vor

Regen
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In der vorletzten Stadtratssitzung wurde darüber gesprochen, wie die Stadt auf Auswirkungen von Starkregenereignissen reagieren will.
  • Sofia-Leonie Wiethaler
    VonSofia-Leonie Wiethaler
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Weilheim – Der Hochwasserschutz spielt auch in der Kreisstadt eine wichtige Rolle. In der vorletzten Stadtratssitzung wurde nochmals darauf eingegangen.

Zu dem Tagesordnungspunkt „Hochwasserschutz – Starkregen – Entwässerung in der Stadt Weilheim“ sprachen im Haus der Begegnung Monika Pierson vom Tiefbauamt der Stadt, Stefan Hartmann, Bereichsleiter Wasser & Abwasser bei den Weilheimer Stadtwerken sowie Walter Weber, der im Weilheimer Ordnungsamt auf den aktuellen Leiter Andreas Wunder folgen wird. Mit diesen Maßnahmen und Projekten möchte die Stadt auf die Auswirkungen von Starkregenereignissen reagieren:

Interkommunaler Hochwasserschutz „Angerbach“: Der Angerbach, von Eberfing und Marnbach kommend, bildet ein Hochwasserrisiko für die Gemeinde Eberfing, die Ortsteile Marnbach und Deutenhausen – aber speziell für den südöstlichen Bereich der Stadt Weilheim und den Bereich in Ammernähe, da sich bei hohen Wasserspiegeln beider Gewässer ein Rückstau ergeben kann. Daher wird hier interkommunal zwischen der Gemeinde Eberfing und der Stadt seit Jahren an einem Hochwasserschutzkonzept geplant. Eine Vorabmaßnahme im Bereich der Röntgenstraße wurde in 2014 fertiggestellt. Eine weitere am Stadtbach zwischen Gögerlweg und Seemühle ist im Winter 2021/2022 zur Realisierung vorgesehen.

Der erste große Bauabschnitt in Eberfing mit Gewässerausbau und Rückhaltebecken am Zulauf Ramseer Bach ist bereits „planfestgestellt“, wie es in den Sitzungsunterlagen heißt. Hier laufen derzeit die weiteren Detailplanungen sowie Grundverhandlungen der Gemeinde Eberfing. Die weiteren großen Bauabschnitte mit zwei Rückhaltebecken vor Marnbach und vor Weilheim, Gewässerausbau, Ertüchtigung der Bachverrohrungen und Erstellung eines Pumpwerks sollen folgen, um den 100-jährigen Hochwasserschutz (+15 Prozent Klimafaktor) auch für Weilheim langfristig zu erreichen.

Das in höhere zweistellige Millionen gehende Gesamtprojekt ist für die Gemeinde Eberfing und die Stadt alleine nicht finanzierbar. Daher erfolgten seit Beginn des Verfahrens enge Abstimmungen mit den Fachstellen und der Regierung von Oberbayern zur Bezuschussung. Die von dort gewährten maximalen Zuschüsse können jedoch eine schnelle Umsetzung aus finanzieller Hinsicht nicht gewährleisten. Die Regierung von Oberbayern hat zugesichert, das Projekt über mehrere Jahre strecken zu können, ohne Zuschüsse zu verlieren.

Hochwasserschutz am Waitzackerbach: Seit Frühsommer 2013 steht das neue Hochwasserrückhaltebecken am Waitzackerbach mit provisorischer Inbetriebnahme-Genehmigung zur Verfügung. Es schützt die Anwohner des Weilheimer Westens bei kleineren Einstauereignissen bisher drei bis acht mal pro Jahr vor Hochwasser, indem es Regenwassermengen temporär zurückhält und erst bei wieder vorhandener Kapazität in den Bachquerschnitt ableitet. Um die Anlage dauerhaft zu betreiben und eine endgültige Abnahme durch das WWA zu erreichen, sind noch Restleistungen an den Sickerleitungen erforderlich. Die Planungsleistung dazu ist fortgeschritten. Aus Platzgründen muss auch in Flächen Dritter eingegriffen werden, gegebenenfalls mit Regelungen zu Dienstbarkeiten.

In den vergangen Jahren sind bereits Setzungen aufgetreten, die die Ertüchtigung des Randwalls neben der Flutmunde Richtung Moos dieses Jahr notwendig machten, um wieder den 100-jährigen Hochwasserschutz herzustellen. Die Baumaßnahme ist fast abgeschlossen. Bei einem Bauwerk auf relativ weichem Untergrund wie im Weilheimer Westen können Setzungen nie ausgeschlossen werden. Auch in Zukunft werden immer wieder Nacharbeiten notwendig werden.

Hochwasserschutz „Ammer Süd“ des Wasserwirtschaftsamtes: Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim plant und untersucht seit Jahren den für die Ammer notwendigen Hochwasserschutz „Ammer Süd“ mit verschiedenen Maßnahmen auf Pollinger und Oderdinger Flur zum Schutz dieser Gemeinden und natürlich auch der Stadt. „Nach unseren Informationen ist das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren zwischenzeitlich eingeleitet“, wird in der Sitzungsbeilage angegeben. Mit einer Genehmigung sollte bis Jahresende 2021 – mit einem Baubeginn im Jahr 2022 zu rechnen sein.

Nach Umsetzung dieser Maßnahmen, zusammen mit der derzeit laufenden Ertüchtigung des Ammerbettes im bebauten Bereich von Weilheim, wäre der 100-jährige Hochwasserschutz vom Ammerwasser insoweit gewährleistet.

Ammer – Instandhaltungsarbeiten im Weilheimer Bereich: Bäche und Flüsse lagern mit der Zeit Schlamm und Geschiebe an vielen Stellen ab. Letztes und dieses Jahr laufen deshalb vom Wasserwirtschaftsamt intensive Instandhaltungsarbeiten an der Ammer, um den Gewässerquerschnitt wieder herzustellen.

Starkregenereignisse – Schutz bestehender Gebiete: Die Stadt Weilheim wurde im Jahr 2019 zusammen mit dem Markt Garmisch-Partenkirchen in ein Pilotprojekt „KARE“ – Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene – aufgenommen. Hierbei wird das Gemeindegebiet auf Niederschläge bei Starkregenereignissen und die jeweiligen Auswirkungen im Hinblick auf wild abfließendes Wasser untersucht. Potentielle Gefahrenbereiche sollen hierbei erkannt werden. Letztlich muss dann versucht werden, dem Überschwemmungsfall mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken.

Abwasseranlagen der Stadtwerke Weilheim: Die meisten Entwässerungsanlagen, wie Mischwasserleitungen und Schmutzwasserleitungen, sowie die Kläranlage sind in der Verantwortung der Stadtwerke Weilheim. Die Anlagen und Kanäle sind gemäß den Vorgaben für drei- bis fünfjährige Regenereignisse ausgelegt. Bei größeren Regenereignissen wird das Niederschlagswasser über die Überlaufbecken in die Ammer eingeleitet. Bei Starkregen beziehungsweise bei einer Systemüberlastung könne es auch zu Überflutungen kommen, wie es in der Sitzungsbeilage heißt. Eine (viel) größere Dimensionierung der Kanäle sei technisch und wirtschaftlich nicht umsetzbar, erklärte Hartmann.

Zum Funktions- und Werterhalt der bestehenden Anlagen wurde in den letzten Jahren von den Stadtwerken Weilheim ein Mehrjahreskonzept erarbeitet und mit der Realisierung begonnen. Ein Stadtgebiet nach dem anderen wird dabei bewertet und bedarfsgerecht saniert. Bei jeder Kanalbaumaßnahme oder bei größeren Neuanschlüssen werde die Leistungsfähigkeit des Kanals überprüft, führte Hartmann in seiner Präsentation aus. Sofern der Kanal zu klein ist, wird er ausgetauscht. Zudem wird bei Kanalsanierungen in offener Bauweise auch der Durchmesser erweitert.

Straßenentwässerung in Weilheim: Die zunehmenden Starkregenereignisse zeigen oftmals auch Defizite in der Straßenentwässerung auf. Straßenentwässerungen sind in der Regel für zwei- bis fünfjährige Regenereignisse dimensioniert. Altersbedingt ist die Kapazität an einigen Stellen wegen Dingen wie Wurzeleinwüchsen oder Rissen reduziert. Um hier die entsprechenden Erkenntnisse zu erlangen, hat der Bauausschuss im Juli beschlossen, die Straßenentwässerungen sukzessive kontrollieren und erfassen zu lassen. Ein erster Auftrag dazu wird nach Detailabstimmungen vergeben. In den kommenden Haushaltsjahren werden hier weitere Vergaben notwendig sein, um das gesamte Stadtgebiet zu erfassen. Zusätzliche Erkenntnisse werden aus dem Projekt KARE erwartet. Aus den Untersuchungen heraus werden sich auch diverse Sanierungsmaßnahmen ergeben, die jeweils nach Bereitstellung der Haushaltsmittel abzuarbeiten sind. Auch Überlegungen zur Priorisierung von Maßnahmen zum Funktions- und Werterhalt bestehender Anlagen vor der Erstellung neuer Anlagen stehen an. Bei künftigen Straßenbauarbeiten wird man in der Planung auf die neuen Erkenntnisse von Haus aus eingehen.

Reaktion in der Bauleitplanung: Auch im Rahmen der Bauleitplanung muss künftig auf den Hochwasserschutz mehr eingegangen werden. So sind notwendige Straßen und deren Entwässerungen entsprechend zu planen. Es werden mehr öffentliche Flächen zum Rückhalt von Wasser benötigt werden. Hier gibt es bereits gute Beispiele aus Großstädten, wie Rückhalt einerseits und Aufenthaltsqualität der Bevölkerung andererseits kombiniert werden können.

Auch auf privaten Grundstücken und an Gebäuden ist ebenso ein größtmöglicher Regenrückhalt zu fordern. Änderungen zu Planungsvorgaben und Kriterien zur Dimensionierung von Entwässerungseinrichtungen sind von den jeweiligen Fachstellen für die nächsten Jahre angekündigt.

Auflagen für künftige Bauanträge: Das bei der Bauleitplanung genannte Prinzip muss auch für Bauvorhaben in älteren Bebauungsplangebieten und in Bereichen ohne Bebauungsplan gelten. Hier wird das Stadtbauamt zusammen mit der Baugenehmigungsbehörde beim Landratsamt geeignete und durchsetzbare Festsetzungen entwickeln. Die Kommune könnte auch für Genehmigungen nach § 34 BauGB eine Satzung über Flächenversieglungen und zur Oberflächenentwässerung über das Stadtgebiet erlassen, als Genehmigungsgrundlage für das Landratsamt.

Auf Flächenentsiegelungen und Entstehung zusätzlicher Retentionsräume soll in den nächsten Jahren verstärkt hingewirkt werden.

Im Fall der Fälle: Die Stadtwerke sind mit ihrem Bereitschaftsdienst regelmäßig bei starken Regenfällen im Einsatz um Überflutungen vorzubeugen. Im Bedarfsfall können THW und Feuerwehr mit ihrem Bereitschaftsdienst gerufen werden, um Sandsäcke zu befüllen und andere Aktivitäten zu übernehmen. Die aktuelle Lage des THW und auch der Feuerwehr-Infrastruktur im Trifthof ist dabei nicht ideal, da die einzige tiefliegende Zufahrt mit Entwässerungspumpanlage bei Überflutung eventuell nicht zur Verfügung steht, wie in der Beilage eingeräumt wird. Im Notfall müsse man den Weg über die Bahnstrecke nehmen, sagte Weber. Die Bevölkerung kann mit drei lokalen Sirenen alarmiert werden, dazu über Fahrzeuge der Polizei und Feuerwehr. Zudem verfüge das Landratsamt über das Modulare Warnsystem (MoWaS), berichtete Weber. Mit diesem kann über Warn-Apps gewarnt werden. Der Einsatzplan für die Stadt Weilheim wird regelmäßig vom Ordnungsamt fortgeschrieben.

Bei Bedarf wird vom Landratsamt außerdem ein Bürgertelefon eingerichtet und die Katastrophenschutzbehörde einbezogen. Auf der Homepage der Stadt werden immer wieder Informationen zur persönlichen Schutzeinrichtung und Vorsorge der Anwohner zur Verfügung gestellt.

Zusammenfassend wird in der Beilage festgehalten, dass in den kommenden Jahren nicht nur personelle Ressourcen in der Verwaltung benötigt, sondern auch finanzielle Mittel für Einzelmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden müssen.

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