"Mit Tarif gibt‘s mehr"

Sozialaktion von Gewerkschaften und Kirche auf Weilheimer Marienplatz

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Mit symbolischen Weihnachtbäumen machten Natascha Almer (kniend Mitte), Udo Schulz (rote Jacke), Andreas Kohl (dahinter) und Werner Roll (4.v.li.) mit ihren Mitstreitern auf den Vorteil von Tarifverträgen aufmerksam.

Weilheim – Zwei Christbäume standen am Montag zusätzlich zum prächtigen Christbaum der Stadt für circa eine Stunde auf dem Marienplatz: Der eine festlich geschmückt und beleuchtet, mit vielen hübsch verpackten Geschenken darunter, der andere eher kümmerlich und mager sowie ungeschmückt, beherbergte nur wenige, unscheinbar verpackte Geschenke unter sich.

„Die beiden Bäume“, so DGB-Gewerkschaftssekretärin Natascha Almer, „stehen für Unternehmen, die sich an Tarifverträge binden, beziehungsweise für solche, die das nicht tun.“ Mit Almer waren unter anderem Udo Schulz (IG Metall), Werner Roll (Verdi) und Andreas Kohl (KAB) vertreten, um Weihnachtskarten zu verschenken und auf soziale Missstände hinzuweisen. Waren es in den Jahren zuvor der bezahlbare Wohnraum und die Altersarmut gewesen, so lautete dieses Mal das Motto „Mit Tarif gibt’s mehr“. Die Organisatoren waren sich einig: „Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung verdienen oft weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in Unternehmen mit Tarifbindung und sie arbeiten im Schnitt länger.“

„Früher hatten rund 70 bis 80 Prozent der Unternehmen Tarifverträge“, erklärte Kohl. „Heute sind es in Bayern 53 Prozent.“ Damit bilde Bayern das „Schlusslicht unter den westdeutschen Bundesstaaten“. Tarifverträge würden Mindestlöhne garantieren und oft auch zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers wie Weihnachts- und/oder Urlaubsgeld gewähren.

Bis zum Jahr 2000 war der Einzelhandel tarifgebunden. So verdienten etwa ein Verkäufer oder eine Verkäuferin tariflich nach sieben Jahren 16,50 Euro in der Stunde, hieß es. „Heute wird vielfach auf 450 Euro-Kräfte gesetzt, die im Krankheitsfall dann nichts verdienen“, kritisierten Almer, Schulz und Roll fast unisono.

Und Kohl merkte an: „Mit einem Tarifvertrag geht es gerecht und sicher zu, denn unter Tarif zu zahlen geht nicht, über Tarif zu zahlen aber schon.“

Die Veranstalter dieser Sozialaktion forderten eine möglichst flächendeckende Tarifbindung. Die Politik könne dabei helfen. Ein Wunsch lautete zum Beispiel, dass die öffentliche Hand Aufträge ausschließlich an Firmen vergibt, „die tarifgebunden sind und die auch mit tarifgebundenen Subunternehmen zusammenarbeiten“. Ein solches Vergabegesetz gäbe es lediglich in Bayern und Sachsen-Anhalt nicht, in den anderen Bundesländern sehr wohl.

Von Michael Albrecht

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