Ist die Einplanung von Geldern für einen Abbruch voreilig oder vorausschauend?

Streitpunkt Töllern drei

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Die Obdachlosenunterkunft „Töllern drei“ ist stark baufällig. Ob sie abgerissen wird, ist noch unklar.

Weilheim – Die Aufstellung des Haushaltes 2017 war Bürgermeister Markus Loth zufolge „relativ unspektakulär“ und so schien auch die Haushaltssitzung selbst zu verlaufen, bis eine Diskussion um die Obdachlosenunterkunft Töllern drei und den möglichen Abriss des Hauses aufkam.

„Das Gebäude ist in einem äußerst schlechten Zustand“, stellte Stadtkämmerer Christoph Scharf fest. Das zweite Obergeschoss ist seit diesem Frühjahr gesperrt, nachdem katastrophale bauliche Mängel festgestellt wurden. Das städtische Sozialamt verweist bereits seit Längerem darauf, dass die Unterkunft nicht mehr den Anforderungen entspricht. Dies führte dazu, dass die Verwaltung dem Hauptausschuss empfahl, von einer Sanierung abzusehen, das Gebäude abzubrechen und stattdessen einen Neubau zu errichten. „Mit reinen Unterhaltsmaßnahmen kommen wir hier leider nicht mehr weiter“, so Scharf. Der Hauptausschuss folgte der Empfehlung und beauftragte die Verwaltung mit der Planung, die dann dem Bauausschuss vorzulegen ist. Im Haushalt 2017 wurden dafür, sowie für die zeitweise Ersatzunterbringung der Bewohner, Finanzmittel in Höhe von 1,1 Mio. Euro vorgesehen.

Die Formulierung „Abriss“ von Töllern und die Einstellung von Geldern dafür veranlassten Stadträtin Saika Merx, einen Antrag zu stellen, in dem sie ihren Bedenken Ausdruck verlieh. Die Kosten für die alternative Unterbringung der Menschen sollten im Haushalt eingerechnet werden, nicht aber die für einen Abriss, wenn noch nicht geklärt sei, ob das Haus unter Denkmalschutz steht. Eine Begehung durch das Landesamt für Denkmalpflege in München erfolgte bereits.

Scharf stellte fest, dass die Überlegung zum Abriss aus wirtschaftlicher Sicht Sinn ergibt. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur einen Bodendenkmalschutz und damit wären ein Abbruch und Neubau vertretbar.

„Wir prüfen das, noch ist nichts entschieden“, betonte Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt. „Sind die 1,1 Mio. Euro im Haushalt nötig, wenn wir noch nicht wissen, ob und wie wir sie brauchen?“, stellte Alfred Honisch (Grüne) die Frage. Roppelts Antwort: „Die Obdachlosen müssen untergebracht werden, egal wie – ob in dem Haus oder wo anders.“

Für Petra Arneth-Mangano (SPD) war Töllern drei ebenfalls ein Grund, den Haushalt abzulehnen. „Das kann man nicht einfach abreißen.“ „Das ist der Haushalt und nicht die Detailplanung“, so Loth.

Stefan Zirngibl (CSU) unterstützte die Einschätzung von Scharf und die Einplanung von Geldern in den Haushalt. „Wir werden die Position, wie sie jetzt im Haushalt steht, brauchen, egal ob bei der Sanierung oder anderweitiger Unterbringung der Obdachlosen. Der Kämmerer kennt das Risiko und schätzt ein, was gebraucht wird.“

Walter Weber (Freie Wähler) sieht es ähnlich. „Das ist doch nur ein Haushaltsansatz und nicht mehr. Ob wir das Geld verwenden, bleibt noch abzuwarten.“

Von Melanie Wießmeyer

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