Familienunternehmen schließt nach 88 Jahren seine Türen

Ruhestand für das Weilheimer Autohaus Schwaiger

Ehepaar Wolfgang und Daniela Bielz vor Autohaus Schwaiger Weilheim.
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Das Ehepaar Wolfgang und Daniela Bielz, vor ihrem Autohaus Schwaiger, das zum 30. November schließen wird.

Weilheim – Dass ihnen die Schließung nicht leicht fällt, ist dem Ehepaar Daniela und Wolfgang Bielz – sie führen das Familienunternehmen in dritter Generation – anzumerken.

Dennoch ist ihr Entschluss klar, das Autohaus Schwaiger, das an der Weilheimer Olympiastraße angesiedelt ist, wird zum 30. November 2020 den Betrieb beenden. „Wir bedauern diese Entscheidung sehr, sehen es allerdings auch als unsere unternehmerische Verantwortung, die Situation richtig einzuschätzen und rechtzeitig zu handeln“, so die beiden in einem Schreiben an ihre Kunden und Geschäftspartner. Die nächste Generation habe sich beruflich anders orientiert und andere Überlegungen hätten sich zerschlagen, so das Ehepaar im Gespräch mit dem Kreisboten. Bei einigen E-Mails und Postkarten, die das Autohaus nach der Bekanntgabe erreichten, müsse man aufpassen, „dass man nicht die eine oder andere Träne vergießt“, so Wolfgang Bielz. Sie hätten zum Teil auch Kundschaft, die inzwischen in dritter Generation zu ihnen kommt. „Viele Kunden sind mit uns alt geworden.“

Mit Corona habe ihre Entscheidung jedoch nichts zu tun, wie das Ehepaar klarstellt. Sie sei schon vor der Pandemie gefallen. Von den insgesamt 20 Mitarbeitern hat der Großteil bereits etwas Neues gefunden. Was die eigene berufliche Zukunft angeht, steht für die Bielzs noch nichts fest. Pläne dafür würden momentan hinten angestellt, erklärt Daniela Bielz. „Wir möchten uns bei allen Kunden, Lieferanten und Wegbegleitern für die vielen gemeinsamen Jahre und die zum Teil jahrzehntelange Treue bedanken und wünschen ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute“, so das Ehepaar abschließend.

Den Grundstein für die 88-jährige Firmengeschichte legte Erhard Schwaiger im Jahr 1932 mit der Pacht einer kleinen Werkstatt am Rathausplatz. Bereits ein Jahr später konnte er, inzwischen mit einer Werkstatt am Oderdinger Weg, einen Vertrag mit der Marke Opel abschließen. 1936 wurde dann Grund am damaligen Weilheimer Schlachthof (heute Altstadtcenter) erworben und zur Werkstatt umgebaut. 1939 wird Erhard Schwaiger zur Wehrmacht eingezogen. Nach Kriegsende konnte das Unternehmen wieder in voller Besetzung arbeiten. Tochter Franziska war bereits seit ihrem 16. Lebensjahr in der Firma aktiv. 1954 wurde an der Olympiastraße ein neuer Betrieb mit Werkstatt, einem Ausstellungsraum und einer Esso-Hoftankstelle gebaut. 1956 übernimmt Schwiegersohn Alfred Kammermeier mit Ehefrau Franziska die Geschäftsführung. 1959 wird dann aus der Hoftankstelle eine Shell-Tankstelle und 1963 steigt die Firma vom Opel-Standardhändler in den Status eines eigenständigen Opel-Vertragshändlers auf. 1968/69 wird eine neue 600 Quadratmeter große Werkstatt gebaut.

1982 verstirbt Firmengründer Erhard Schwaiger. Fünf Jahre später (1987) entschließt sich Enkeltochter Daniela gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Bielz in das Familiengeschäft einzusteigen. Die beiden teilen sich dabei zu gleichen Teilen die Geschäftsleitung. Von 2003 bis Ende 2008 wird die Abteilung „Verkauf“ an die Firma Stanglmair verpachtet. Seit 2009 führt diese Wolfgang Bielz wieder selbst. Mit der Firma Bosch bekommt das Autohaus Schwaiger zudem ab 2005 einen Partner, durch den es technische Unterstützung bei Reparaturen von Nicht-Opel-Fahrzeugen erhält. Ab 2010 übernimmt das Autohaus Schwaiger die Vertretung von KS-Autoglas in Weilheim und rundet damit seine Angebotspalette ab.

Von Sofia Wiethaler

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