Weilheimer Einzelhändler äußern sich zum Angebot Click & Meet

Junge Frau mit Einkaufstüten um den Arm.
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Einkaufen ist in der Weilheimer Innenstadt auch ohne Termin möglich.

Weilheim – Einkaufen nur mit vorheriger Terminvereinbarung? Das klingt zunächst recht aufwendig und unflexibel. Unsere Nachfrage bei einigen Weilheimer Geschäften hat jedoch gezeigt, dass ein Einkauf durchaus spontan und ohne viel Aufwand möglich ist.

Florian Lipp (Kaufhaus Rid), Vorsitzender des Vereins für Standortförderung Weilheim, empfiehlt: „Kommt´s einfach nach Weilheim und schaut es Euch an. Ihr werdet überrascht sein, wie easy es geht“. Alle Weilheimer Händler würden sich bemühen, für ihre Kunden eine möglichst unbürokratische und einfache Lösung zu finden. Beim Kaufhaus Rid kann spontan ein Termin vor Ort vereinbart werden, was weniger als eine Minute dauern würde. Zwar müssten die Kontaktdaten erfasst werden, jedoch seien das die meisten Kunden schon beispielsweise aus der Gastronomie gewöhnt. Wer möchte kann auch im Vorfeld telefonisch oder per E-Mail einen Termin ausmachen. Das sei aber in der Regel nicht nötig, so Lipp. Die Leute könnten problemlos in die Weilheimer Innenstadt kommen und einkaufen. Zumal sich die Händler sehr freuen würden, ihre Geschäfte öffnen und wieder für ihre Kunden da sein zu dürfen.

„Wir sind froh, dass wir überhaupt öffnen dürfen“, sagt auch Christian Echter, Echter Mode Weilheim. Die Kunden nehmen das Angebot aber wohl noch recht zurückhaltend an. „Bei vielen herrscht große Verunsicherung“, sagt Echter. „Die Kunden halten ‚Click & Meet‘ für unflexibel.“ Dabei sei das gar nicht der Fall. Man müsse vorab keinen Termin vereinbaren. Man könne auch spontan vorbeikommen. Solange die erlaubte Anzahl an Personen im Geschäft nicht erreicht sei, könne man nach der Erfassung der Kontaktdaten jederzeit in das Geschäft. „Viele denken auch, dass es nur noch ‚begleitetes Einkaufen‘ gibt“, erzählt Echter. Meint: Ein Verkäufer läuft mit dem Kunden durch das Geschäft. Das sei aber nicht so. „Wir sind natürlich weiterhin für die Kunden da. Aber man kann wie gewohnt Bummeln.“

Das neue Konzept von „Click & Meet“ sorge zwar für Verunsicherung. „Aber es wird von Tag zu Tag besser verstanden.“ Nichtsdestotrotz wäre Echter für eine weitere Öffnung des Handels. Er habe Verständnis dafür, dass man die Kontaktdaten erfassen muss. Den Besuch eines Geschäfts aber an einen Termin zu koppeln, hält er für „nicht zielführend“. Zumal es in anderen Läden, wie etwa Lebensmittelgeschäften, viel mehr Gedränge gebe, als in seinem Modegeschäft. Und überhaupt: „Der Handel war noch nie Infektionshotspot.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Christine Hapfelmeier von Schuh Sport und Mode Hapfelmeier. Sie ist ebenso wie Echter froh, wieder Kunden empfangen zu dürfen. „Viele sind auch happy, dass sie wieder einkaufen gehen können.“ Dennoch würde das neue Angebot „verhalten“ angenommen. Dabei führt die Geschäftsführerin ähnliche Gründe an wie Echter. Hapfelmeier bemängelt auch die derzeitige Situation. „Es ist schwer zu verstehen.“ Bei großen Firmen würden täglich mehr Mitarbeiter ein- und ausgehen, als in ihrem Geschäft Kunden pro Woche. Bekannte Spreader habe es im Einzelhandel bisher nicht gegeben. In großen Unternehmen, wie etwa Schlachthöfen, jedoch schon.

Hapfelmeier bezeichnet die aktuelle Situation sogar als Zwei-Klassen-Gesellschaft. Ähnlich wie Echter führt auch sie das Beispiel der Supermärkte an. Die würden nicht kontrolliert und die Kunden müssten auch nicht ihre Kontaktdaten hinterlassen. Obwohl es gerade im Kassenbereich viel enger zugehe, als auf der Verkaufsfläche bei Hapfelmeier.

Jana Krivanek, Inhaberin der Schonschön Boutique, berichtet davon, dass in ihrem Geschäft „Click & Meet“ sehr gut angenommen wird. Zumindest was einen Teil ihrer Kunden betrifft. „Wir haben Stammkunden, die haben gleich zu Beginn einen Termin vereinbart.“ Bei anderen, die nicht regelmäßig bei ihr einkaufen, sei aber eine Verunsicherung da. Deshalb will auch Krivanek nochmals betonen, dass spontanes Einkaufen durchaus möglich sei. Solange die Maximalanzahl an Kunden – pro 40 Quadratmeter ist einer erlaubt – nicht erreicht sei, können auch Kurzentschlossene in das Geschäft. Und das gelte nicht nur für ihre Boutique. „Das machen alle Einzelhändler in Weilheim so.“ Eine Öffnung ohne Kontaktdatenerfassung fände Krivanek allerdings besser. „Bei Drogerien, Buchhandlungen und Lebensmittelgeschäften funktioniert es ja auch wunderbar.“

Teilweise gut und teilweise etwas ruhiger läuft „Click & Meet“ bei Ingrid Martinus, Lederwaren Rumpf und M7 Der Kofferladen. Die Kunden würden vor allem vorbei kommen und nach einem Termin fragen. Fast immer habe sie auch einen frei. Es kann aber auch zuvor telefonisch oder über E-Mail angefragt werden. Ihre Kunden würden sich freuen, dass sie wieder in den Laden dürfen, die Ware anfassen und beraten werden, sagte Martinus.

„Freud und Leid liegen nahe beieinander“, sagt Constanze Körsten. Sie ist Inhaberin von Connie‘s Bunte Welt und erzählt, dass die Kunden „total glücklich“ seien, wieder einkaufen zu dürfen. Aber es gebe eben diese Einschränkungen. Inwiefern diese notwendig und sinnvoll sind, könne sie nicht beurteilen. Dennoch wünsche sie sich wieder mehr Normalität zurück.

Von Stephie Novy & Sofia Wiethaler

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