Weilheimer Festspiele 2017 feiern Auftakt mit "Kasimir und Karoline" von Ödön von Horváth

Das "Teufelsrad" des Lebens

Weilheim – Vergangenes Wochenende wurde zur Premiere des Stückes „Kasimir und Karoline“ im bis auf wenige Plätze voll besetzten Stadttheater geladen.

Geschrieben wurde das Volksstück bereits 1932 von Ödön von Horváth, an Aktualität hat es aber in vielen Punkten kein Stück eingebüßt. So kämpfen die beiden Hauptfiguren Kasimir (Stefan Voglhuber) und Karoline (Sophie Sörensen) mit immer noch alltäglichen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Ungewissheit, Geldnot und Eifersucht. Die richtige Bühne für die Beziehungsstreitigkeiten der beiden liefert das Münchner Oktoberfest. Im Mittelpunkt steht dabei das Fahrgeschäft „Teufelsrad“, auf dessen Drehscheibe man sich nur schwer halten kann. Wer los lässt hat verloren – wie im echten Leben.

Als Verlierer fühlt sich der ehemalige Chauffeur Kasimir, der gerade seinen Job verloren hat und ausgerechnet in dieser Situation seine Verlobte Karoline auf die Wiesn ausführen soll. Während sie sich amüsieren möchte, bläst er Trübsal – was ihr missfällt. „Du bist ein Pessimist.“ Des Weiteren stellt sie fest: „Vielleicht sind wir zu schwer füreinander.“ Die beiden geraten in Streit und gehen getrennte Wege. Karoline lässt sich mit zwei älteren, betuchten Herren ein, die hinter ihrem Rücken ihre Absichten deutlich machen: „Ein Mädchen ohne Popo ist kein Mädchen.“ Kasimir betrinkt sich währenddessen mit seinem alten Arbeitskollegen Franz Merkl (Daniel Farid Wittmann), der inzwischen auf die schiefe Bahn geraten ist. Franz versucht auch Kasimir für seine Lebensart zu begeistern, allerdings bemüht sich seine Freundin Erna (Lisa Wittemer) immer wieder, ihn davon abzubringen. „Jetzt lass ihn bitte laufen.“ Im Laufe des Abends begegnen sich Kasimir und Karoline immer wieder, wobei anfänglich Kasimir noch versucht, die Beziehung zu retten, am Schluss aber auf einen Kuss seiner Verlobten mit „Pfui Deifi“ reagiert. Das Stück endet wie viele Abende auf dem Oktoberfest: Betrunkene werden wieder nüchtern, Raufbolde lecken ihre Wunden und manches Paar überdenkt seine Beziehung.

Die schlechte wirtschaftliche Situation der damaligen Zeit wird von verschiedenen Charakteren thematisiert. So sagt Erna: „Die Menschen wären doch gar nicht so schlecht, wenns ihnen nicht so schlecht gehn tät.“ Ansonsten herrscht oft ein derber Umgangston zwischen den Oktoberfestbesuchern. Neben den Hauptfiguren glänzen auch die anderen Schauspieler und gestalten das Stück lebendig. Das Bühnenbild von Andreas Arneth überzeugt mit seiner Schlichtheit und setzt das „Teufelsrad“ in den Mittelpunkt. Dass die Inszenierung von Yvonne Brosch beim Publikum gut ankam zeigte sich einerseits im Applaus und andererseits in der Reaktion der Zuschauer. „Das war jetzt richtig nett“, so eine Zuschauerin nach der Aufführung.

Weitere Termine: Freitag, 27., Samstag, 28. und Sonntag, 29. Oktober sowie Mittwoch, 1. November. Beginn am Freitag und Samstag um 20 Uhr, sonntags und am 1. November um 18 Uhr im Stadttheater. Karten gibt es beim Kreisboten Weilheim in der Sparkasse am Marienplatz oder unter Tel. 0881/686 -11 und -12.

Sofia Wiethaler

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