100 Weilheimer gedenken des Kriegsendes vor 70 Jahren

Lehren aus düsterer Vergangenheit

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Gemeinsam ein Symbol für den Frieden schaffen: Weilheimer zeichnen ein Bild der Friedenstaube mit Lichtern auf dem Marienplatz.

Weilheim – Für die Weilheimer waren Krieg und Naziterror am 29. April 1945 mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen vorbei. Es mussten aber noch zehn quälende Tage vergehen, bis mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches der Zweite Weltkrieg am 8. Mai endgültig zu Ende war. Den 70. Jahrestag dieses einschneidenden Ereignisses würdigte die Stadt am Freitag mit einer Gedenkfeier auf dem Marienplatz.

Bürgermeister Markus Loth beschrieb die Situation zu jener Zeit: In der letzten Kriegsphase wurde auch Weilheim noch von Bomben getroffen, insbesondere der Bahnhof, das Telegrafenhauptpostamt und einige Firmengebäude. 26 Tote hatte die Stadt durch die Bombenangriffe zu erleiden. Weitere 506 Weilheimer mussten als Soldaten ihr Leben lassen oder fielen der Judenverfolgung zum Opfer.

Zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Weilheim Zuflucht gefunden und mussten mit dem Nötigsten versorgt werden. Das Gedenken zum Tag der Befreiung sei auch dem Andenken an die anderen Opfer des Naziterrors gewidmet, wie den ermordeten Juden, Sinti, Homosexuellen sowie den Toten in Polen und der Sowjetunion, so Loth.

Der evangelische Pfarrer Jost Herrmann erinnerte daran, dass die Verfolgung der Juden durch die Nazis für jedermann offenkundig gewesen war und leitete daraus die Frage ab, was zu tun sei, um ähnliche Verbrechen in Zukunft zu verhindern. Als Antwort gab er ein Zitat des evangelischen Pfarrers und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer wieder, der die Aufgabe der Kirche im kritischen Hinterfragen staatlicher Willkür, der Verpflichtung für die Opfer und dem Widerstand – „dem Rad in die Speichen fallen“ – sah.

Anhand persönlicher Erlebnisse ging Herrmann auf das sich wandelnde Image Deutschlands im Ausland ein. Während man vor 20 Jahren dort als Deutscher noch Beschimpfungen als Nazi erlebte oder Lobeshymnen auf Hitler zu erdulden hatte, sei Deutschland inzwischen ein geachtetes Land, mit dem Attribute wie frei, unabhängig, fleißig und gastfreundlich verbunden seien. Dies komme jedoch nicht von alleine, sondern setze voraus, dass die Vergangenheit bewältigt werden und die Augen nicht vor neofaschistischen Strömungen verschlossen werden dürfen.

Eine Jugendgruppe der katholischen Pfarreiengemeinschaft unter Leitung von Stadtpfarrer Engelbert Birkle brachte in Fürbitten den Wunsch nach Frieden und die Hoffnung auf eine Ächtung von Gewalt und Machtmissbrauch zum Ausdruck. Den Fürbitten folgte ein islamisches Friedensgebet, vorgesungen von Attila Güven vom Türkisch-Islamischen Verein Weilheim.

Stadträtin Petra Arneth-Mangano verlas eine Ergänzung der Weilheimer Erklärung, die zum 60. Jahrestag des Kriegsendes verfasst worden war. Während die Erklärung auf der Gedenkfeier, zu der sich nur zirka 100 Personen eingefunden hatten, zur Unterschrift auslag, wurde der Umriss der von Pablo Picasso entworfenen Friedenstaube auf dem Pflaster des Marienplatzes mit einer Lichterkette nachgezeichnet. Die Stadtkapelle Weilheim und die German-African Connection begleiteten diese würdige Feier musikalisch.

Von Maria Hofstetter

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