Dieser Papst mischt sich ein

Papst Franziskus war Thema bei Weilheimer Glaubensfragen

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Dr. Jörg Bremers Vortrag berührte die Zuhörer, wie der herzliche Applaus am Ende der Veranstaltung zeigte.

Weilheim – Mit Manuskript, aber großteils frei, sprach Dr. Bremer im fast voll besetzten Saal des Pfarrheims bei den „Weilheimer Glaubensfragen“ über „Papst Franziskus – Aufbruch oder Verunsicherung?

Aus seiner langjährigen Erfahrung im Vatikan als Korrespondent für Italien und den Vatikan berichtete Bremer von persönlichen Begegnungen mit Papst Franziskus. Mit der Frage eines Neunjährigen an ihn „Was magst Du gerne am Papst-

amt?“ begann Bremer seinen Vortrag. Der Papst sagte: „Was mir gefällt, ist Pastor, Priester zu sein! Ein Papst kann nur seinen Dienst erfüllen, wenn er in seinem Dienst glücklich ist.“ Papst Franziskus ist kein Theologe aus Deutschland, sondern ein Pastor aus Südamerika, so der Referent. Er ist geprägt durch die Erfahrung der Diktatur in seiner argentinischen Heimat, die Begegnung mit den Menschen in den Armutsquartieren. „Wer ihm die Hand reicht, der merkt, dass dieser Mensch einem direkt ins Herz guckt, nicht nur mit den Augen, sondern von Herz zu Herz“, sagte Bremer. Bei den „Starken“ habe Franziskus auch einen „fordernden Blick“. Er sieht in ihnen einen möglichen Partner, um gemeinsam anzupacken, Armut und Leid zu bekämpfen. Bremer: „Dieser Papst interessiert sich nicht für Rang und Ehren. Der Papst mischt sich ein.“

Dieser Papst werde gerne als jemand bezeichnet, der „alles anders macht“. Tatsächlich aber lebt Franziskus in der Tradition des Zweiten vatikanischen Konzils, er sieht das Konzil als Rückgriff auf den Ursprung des Christentums und ist davon überzeugt, dass die Kirche zu keinem Zeitpunkt ihrer Geschichte aufhören darf, zu lernen und Neues zuzulassen.

Papst Franziskus verlange von seiner Kirche nicht Katholizismus, sondern Katholizität: keine Ein-

engung auf sich selbst, sondern eine Öffnung der Glaubensinhalte für die Welt. Drei Dinge sind seiner Anschauung nach aus diesem Ereignis wichtig: – Das Leben ist größer als die Theologie. – Die Selbstprüfung des Einzelnen stellt das entscheidende Kriterium dar, das aus der Tradition der Kirche bestimmte Gewissen, nicht der Gehorsam gegenüber der kirchlichen Lehre. – Die gemeinsame Eucharistie steht nicht am Ende des Weges; sie soll auf dem Weg zur Einheit der Kirche stärken.

Ein besonderes Problem seien gemischt-konfessionelle Ehen, hier sei der Schmerz über das Trennende zwischen Katholiken und Protestanten groß.

Bremer, der als evangelischer Christ dem Johanniterorden angehört, sieht die Kirchen an einer Wegscheide. Franziskus fordere mehr Vertrauen auf Gott und verlange, nicht auf die Institutionen zu vertrauen, sondern an die Kraft des Glaubens. Das sei ein Aufbruch, der nicht verunsichern muss, wenn wir den Heiligen Geist ernst nehmen, uns von ihm leiten lassen und Mut haben, Gott in uns zu wissen und ihm folgen. Dann sei der Aufbruch zu mehr Gemeinsamkeit eine Kleinigkeit.

Gregori

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