Auftakt der Weilheimer Glaubensfragen mit Prof. Stefan Hölzl

Faszinierendes Weltall

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Prof. Dr. Stefan Hölzl leitet das RiesKraterMuseum Nördlingen sowie das Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen.

Weilheim – „Große Knödel haben die Staubpartikel angezogen und so haben sich die Planeten gebildet.“ Zum Auftakt der Reihe „Weilheimer Glaubensfragen“ referierte Prof. Stefan Hölzl über die Entstehung des Weltalls und der Erde aus wissenschaftlicher Sicht. Er hat damit die erste Antwort auf das Thema und die Fragestellung „Gott.Mensch.Welt. Wer denkt, wer lenkt?“ der Vortragsreihe gegeben.

Bevor Hölzl jedoch erklärte, wie diese Knödel und daraus Planeten entstanden, brachte er das All anhand des Beispieles Nördlinger Ries gewissermaßen auf die Erde. Zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb liegt der runde RiesKrater, der „die Gemüter der Naturwissenschaftler schon immer beschäftigt hat“. Forscher fanden heraus, dass es sich um einen Einschlagskrater handelt. Der Krater ist das Ergebnis einer kosmischen Kollision, bei der eine Steinkugel von einem Kilometer Durchmesser vor etwa 15 Millionen Jahren mit 70 000 Stundenkilometern auf der Erde einschlug. Die Explosion dürfte das Leben im Umkreis von 100 Kilometern ausgelöscht haben. Insgesamt sind 190 Einschlagskrater unterschiedlicher Größe auf der Erde bekannt.

„Kollisionen spielten eine entscheidende Rolle bei der Entstehung des Sonnensystems“, erklärte Hölzl. Das Sonnensystem war zuerst ein interstellarer Nebel, der einen Drehimpuls erhielt, sich so immer weiter bis zu einer rotierenden Scheibe abflachte und in dessen Zentrum die Protosonne entstand. Nach und nach räumte sich das All im übertragenen Sinne selbst auf und aus dem herumfliegenden Material formten sich Planeten und damit unser Sonnensystem.

„Die Erde ist ein besonderer Planet“, hob Hölzl hervor. Dass wir heute auf ihr leben können, verdanken wir einer Verkettung von Umständen, ohne die es nicht möglich gewesen wäre und die fantastisch sind. Ein Beispiel dafür ist die Entstehung und Rolle des Monds. Auch hier liegt eine Kollision der Erde mit einem anderen Körper zugrunde, im Zuge dessen sich ein Teil von der Erde abspaltete. Daraus entstand der Mond. Mond und Erde tauschen Energie aus – festzustellen an den Gezeiten der Meere. Der Mond verlangsamte die Rotation der Erde, was eine der Voraussetzungen geschaffen hat, damit Leben entstehen kann.

Hölzl brachte auf anschauliche und verständliche Art den Zuhörern die Entstehungsgeschichte des Alls und unseres Sonnensystems nahe. Außerdem ging er auf die Fragen, was Asteroiden sind und wie man zeitliche und räumliche Dimensionen des Alls und der Entstehungsgeschichte verstehen kann, ein. „Die Entfernungen im All sind gigantisch“, betonte er. Und wie geht es mit der Erde und dem All weiter? Der Ursprung liegt im sogenannten Big Bang, dem Urknall, der Big Rip würde dann das Ende des Alls markieren. Doch das passiert frühestens in 22 Milliarden Jahre, so die Schätzung. „Wir wissen bei Weitem noch nicht alles“, so Hölzl, „aber es wäre dumm, wenn wir das Wissen ignorieren würden“. Daher sollten Religionen und Philosophien mit diesem Wissen kompatibel sein.

In der dem Vortrag anschließenden Diskussion kamen sowohl fachliche Fragen und Anmerkungen, wie auch philosophische. Zu den Letzteren gehört die Frage, wie für Hölzl Wissenschaft und Religion (zum Beispiel biblische Schöpfungsgeschichte) zusammengehen. In eine ähnliche Richtung geht die Frage, ob die Erde also nur ein Zufallsprodukt ist. „Ich kann nicht erkennen, dass es einen Masterplan gibt, den sich einer ausgedacht hat. Es gibt aber Werte, an die ich glaube“, so Hölzl. Auf die Frage, ob aus Sicht der Naturwissenschaft das ganze Gerede um Umwelt und Umweltschutz nicht egal wäre, sagte Hölzl: „Der Planet überlebt, egal wie. Wenn wir einen Planeten haben wollen, der für uns lebenswert ist, müssen wir darauf aufpassen.“

Von Melanie Wießmeyer

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