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Weilheimer Innenstadt beleben

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Von: Stephanie Novy

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Zur Verfügung stehen 300 000 Euro, die in vier Bereiche investiert werden sollen. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / enduro

Weilheim – Deutsche Innenstädte haben es oft schwer. Und das nicht erst seit Corona. Auch in Weilheim wollen die Verantwortlichen der Innenstadt daher unter die Arme greifen. Finanzielle Unterstützung gibt‘s vom Freistaat in Form des Sonderfonds „Innenstädte beleben“ (wir berichteten). Jetzt muss nur noch geklärt werden, wo das Geld am sinnvollsten eingesetzt werden kann.

Bei der jüngsten Hauptausschusssitzung stellte die Leiterin des Amtes für Standortförderung, Kultur und Tourismus, Jutta Liebmann, die bisherigen Planungen vor. 300 000 Euro stehen insgesamt zur Verfügung. Davon kommen 240 000 Euro als Zuschuss vom Freistaat. 60 000 Euro sind eigene Mittel der Stadt. Investiert werden soll das Geld in vier Bereiche, wie Liebmann ausführte.

• Zunächst sind 135 000 Euro für einen Projektfonds gedacht. Das Geld soll dann über drei Jahre hinweg für diverse Maßnahmen genutzt werden. Welche genau das sein werden, steht noch nicht fest. Das wird eine Lenkungsgruppe entscheiden. In dieser sind Vertreter des Stadtrats und der Innenstadt tätig. Brigitte Gronau (Die Grünen) bemerkte, dass ihr in der Lenkungsgruppe Vertreter der Agenda, speziell des Arbeitskreises Natur, fehlen würden. Liebmann schlug vor, diese „themenbezogen dazu zu nehmen“. Dauerhaft werden die Vertreter der Agenda aber wohl nicht dabei sein. Die Regierung habe die Lenkungsgruppe „eh schon recht üppig“ gefunden, so Liebmann. Allerdings könne die Agenda, wie auch jede andere Gruppierung oder Bürger, jederzeit selbst Maßnahmen beantragen und der Lenkungsgruppe vorstellen.

Petra Arneth-Mangano (SPD) sprach sich derweil dafür aus, die „Vereine partizipieren zu lassen“. Diese hätten Potential, Publikum in die Stadt zu ziehen. Auch beim Thema Außenbereich sieht sie Verbesserungspotential. Dieser bekäme „in anderen Ländern viel mehr Aufmerksamkeit“.

• Leerstehende Räumlichkeiten, wie sie immer mal wieder zu finden sind, sollen ebenfalls bald weitestgehend der Vergangenheit angehören. Die Stadt mietet leerstehende Flächen und vermietet sie dann zur Zwischennutzung unter. Für bis zu 24 Monate könnten angehende Unternehmer ihre Start-up-Ideen dort ausprobieren. Handwerker hätten die Möglichkeit, den Standort Weilheim zu testen. Vereine hätten einen Raum, in dem sie verschiedene Aktionen durchführen könnten. Liebmann erklärte in der Sitzung, dass das Stadtmuseum und der Lichtkunstverein bereits Interesse angemeldet hätten.

Tillmann Wahlefeld (BfW) hob hervor, dass Start-ups dadurch ihre Ideen und Konzepte testen könnten „ohne in Vollkostenrechnung“ zu gehen. Denn: die entsprechende Fläche würde bei „gewerblicher Nutzung zu einem geringen Mietsatz von mindestens 20 Prozent der tatsächlichen Mietkosten (inklusive Nebenkosten) vermietet“, wie Liebmann ausführte. Die Stadt stellt dafür 50 000 Euro bereit.

• Ebenfalls geplant ist ein Zukunftsworkshop. 15 000 Euro sind hierfür eingeplant. Details konnte Liebmann dazu noch nicht nennen. Fest steht aber, dass bei dem Workshop „verschiedenste Innenstadtakteure“ eingeladen werden sollen.

Karl-Heinz Grehl (Die Grünen) forderte eine „echte Bürgerbeteiligung“. Es sollten nicht nur Gruppen beteiligt werden, „die immer dabei sind“. Stattdessen schlug Grehl vor, etwa 30 Bürger auszuwählen und diese dann Vorschläge einbringen zu lassen: „Wie stellen sich Bürger vor, wie eine belebte Innenstadt aussieht?“ Liebmann zeigte sich dieser Idee gegenüber offen, es sei noch nichts Konkretes festgelegt. Sie brachte auch die Möglichkeit eines Onlinetools ein, um speziell jüngere Menschen mit ins Boot zu holen.

• Zu guter Letzt sollen 100 000 Euro aus dem Sonderfonds genutzt werden, um bauliche Investitionen zu tätigen. Konkret geht es dabei um den Lindnerstadel, den die Stadt vergangenes Jahr erworben hat. Das Gebäude am Ende der Eisenkramergasse solle zur temporären Nutzung durch Dritte geöffnet werden. „Bis zum endgültigen Umbau und Festlegung auf die finale Nutzung des Stadels könnte so Raum für Kulturschaffende zur Verfügung gestellt werden“, meinte Liebmann. Angedacht ist unter anderem eine Stahlaußentreppe auf der Südseite, „die dauerhaft als zweiter Fluchtweg aus dem Obergeschoss genutzt werden könnte und der Einbau einer Fluchttüre im EG auf der Süd- oder Ostseite“. Vorab müssten allerdings Gutachten für Denkmalschutz, Brandschutz und Statik erstellt werden. Die Kosten dafür würden nicht über den Sonderfonds finanziert, wie Liebmann ausführte. Es seien bereits Haushaltsmittel dafür vorhanden. Weitere Mittel werden für den Haushalt 2022 eingestellt.

Im Hauptausschuss herrschte Einigkeit darüber, dass der Sonderfonds insgesamt eine gute Chance für Weilheim sei. Wobei Klaus Gast (CSU) mahnte, das Geld müsste in Projekte fließen, die „einen Mehrwert“ haben. Das Geld dürfe nicht verwendet werden für etwas, das man „sowieso schon immer mal machen wollte“.

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