Aus für Traditionsbetrieb

Weilheimer Schleifmaschinen-Hersteller ISOG wird stillgelegt

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Das Weilheimer Unternehmen ISOG ist insolvent, jetzt muss die Firma nach 70 Jahren stillgelegt werden.

Weilheim – Eine 70-jährige Unternehmensgeschichte geht jetzt mit der Insolvenz der Weilheimer ISOG Technology GmbH (ehemals „Michael Deckel“) zu Ende. Die Stilllegung des Betriebs bestätigte der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Robert Hänel, auf Anfrage des Kreisboten.

Der Schleifmaschinen-Hersteller mit einst bis zu 120 Mitarbeitern meldete schon vor einigen Jahren Liquiditätsprobleme und hatte damals beim Amtsgericht Weilheim eine Sonderform des Insolvenzverfahrens beantragt – ein „Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung“. Daraufhin wurden die vertraglichen Grundlagen für die Zusammenarbeit mit zwei Investoren geschaffen: mit der auf Mittelstandsunternehmen spezialisierten Holding Endurance Capital und mit der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft. „Gemeinsam mit unseren neuen Partnern wollen wir die Sanierung vollenden und ISOG neu aufs Gleis setzen“, hatte der damalige Geschäftsführer Martin Sackmann verkündet. Trotzdem mussten seinerzeit schon 19 Mitarbeiter entlassen werden.

Die Hoffnung, das Unternehmen retten zu können, erfüllte sich jedoch nicht. Denn vor allem die Kaufzurückhaltung von Kunden aus der Automobilbranche führte erneut zu einem Liquiditätsengpass. Nachdem außergerichtliche Sanierungsbemühungen nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten, entschloss sich die Geschäftsführung Anfang dieses Jahres, Insolvenz zu beantragen. „Planmäßig wurde das Verfahren für die ISOG am 1. April eröffnet“, so Hänel.

Nicht plangemäß seien dagegen die Bemühungen um einen Investor verlaufen: „Denn um eine Stilllegung des Betriebs zu vermeiden, hätte ein Unternehmensverkauf vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in trockenen Tüchern sein müssen, weil ab diesem Zeitpunkt die laufenden Kosten einer Betriebsfortführung nicht mehr gedeckt sind.“

Zunächst kostete die Corona-Krise den aussichtsreichsten Interessenten und dürfte laut Hänel auch bei weiteren ein Entscheidungskriterium dafür gewesen sein, von einer Investition Abstand zu nehmen. „Bis zum letzten Moment haben wir uns dann noch bemüht, mit einem verbleibenden Interessenten zu einem Abschluss zu kommen.“ Weil auch dieser absagte, gab es jetzt keine Alternative mehr zur Stilllegung des Betriebs.

Der Name Michael Deckel war im Bereich des Werkzeugschleifens eine international bekannte Größe mit langer Tradition. Seit 1950 entwickelte und produzierte das Unternehmen qualitativ hochwertige Werkzeugschleifmaschinen – lange Zeit mit großem Erfolg. Doch in den vergangenen Jahren musste das Unternehmen schwierige Zeiten meistern und bereits 2012 Mitarbeiter entlassen.

Passend zur ohnehin kritischen Situation mussten auch die Namensrechte, die außerhalb des Unternehmens lagen, neu verhandelt werden.

Deshalb firmierte die Feinmechanik Michael Deckel GmbH & Co. KG bis jetzt unter dem neuen Namen ISOG – ein Phantasiename ohne inhaltliche Bedeutung. Das Produkt-Portfolio umfasste hochwertige manuelle und computergesteuerte Maschinen für das Nachschleifen und die Fertigung von Metallwerkzeugen. Neben der Konstruktion und dem Bau von Maschinen war ein weiteres Geschäftsfeld der Service für die Maschinen und der Handel mit Ersatzteilen und Gebrauchtmaschinen.

Von Peter Stöbich


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