Auf zu neuen Abenteuern

Klassenzimmer unter Segeln: An Deck der Thor Heyerdahl

Thor Heyerdahl legt am Hafen von Kiel an.
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Die Thor Heyerdahl hat wieder am Hafen von Kiel angelegt.

Weilheim – Das Klassenzimmer unter Segeln ist nach einer langen, spannenden Reise zu den Kanaren, Kap Verden und Azoren wieder zurück in den sicheren Hafen in Kiel gelangt. Die Weilheimer Schülerin Magdalena berichtet von ihrer Rückkehr und lässt ihr Abenteuer nochmal Revue passieren.

„Nach langen Landaufenthalten mit Unterricht und Forschertagen haben wir Ende März die letzte Seeetappe über den Atlantik angetreten. Gleich beim Auslaufen von den Azoren wurde uns Schülern das Schiff das zweite Mal komplett übergeben und die Stamm-Crew trat in den Hintergrund. Dem vorausgegangen waren, wie bei der ersten Schiffsübergabe auf dem Weg zu den Kap Verden, Bewerbungen auf die verschiedenen Posten, wie Proviantmeister, Wachführer, Bootsmann, Maschinist, Projektleitung, Steuermann und Kapitän. Wieder lag die Verantwortung für die Thor Heyerdahl ganz bei uns und wir konnten unser Können unter Beweis stellen. Es wurde astronomisch navigiert, das heißt wir orientierten uns mitten auf dem Atlantik mit Hilfe von Sextanten an Sonne und Sternen. Die dritte und längste Schiffsübergabe folgte dann vom Englischen Kanal bis in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Statt Schülern waren wir jetzt echte Seeleute geworden, die den Herausforderungen mit hohem Verkehrsaufkommen auf See und der besonderen Wetterlage im Kanal gewachsen waren. Das Schiff konnten wir sicher bis zur Einmündung des NOKs in die Nordsee, unserem Ziel der Schiffsübergabe, bringen.

Als sich dann bei Brunsbüttel der Bug des Schiffes durch die Tore der Schleuse in den NOK schob, spielte sich vor unserem inneren Auge die Reise noch einmal wie in einem Film ab und viele Erinnerung kamen hoch. Der Kreis schloss sich so in unseren Köpfen: Hier an den Schleusentoren ging es damals im Oktober das erste Mal raus auf das offene Meer. Es war sozusagen der richtige Beginn der Reise gewesen und wir waren sehr neugierig auf das, was uns erwartete. In den folgenden sechs Monaten haben wir den Schiffsbetrieb verinnerlicht, der uns damals noch so fremd war. Auf der Reise lernten und entdeckten wir so viel Neues. Beispielsweise gehörte der Wachbetrieb rund um die Uhr, Reinschiff (Putzen des Schiffes) und Backschaft (Kochen und Servieren für 50 Mann) neben dem Unterricht unter Segeln mit Schulaufgaben, Vorträgen und Blogeinträgen zu unseren Aufgaben. Dadurch wurden wir zu einer sehr guten Gemeinschaft und schlossen viele Freundschaften. Mir wurde in diesem Moment der Rückkehr an die Schleuse klar, dass der Abschied nun näher rückte und ich bald wieder jeden Tag alleine, ohne die anderen 49 Crewmitglieder coronabedingt zu Hause vor dem Laptop sitzen und online Konferenzen der Schule folgen würde. Während wir an der Schleuse lagen und Schiffsarbeiten erledigten, war zu spüren, dass wir uns nicht vorstellen konnten, unsere liebgewonnene Thor zu verlassen.

Bald darauf kam der Tag, an dem wir das letzte Mal ins Rigg kletterten. Von der Ferne sahen wir schon unsere mit Fahnen winkenden Eltern, die an der Pier standen und bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel unserem letzten Anlegemanöver zuschauten.

Nach einer kleinen Feier mit Musik und Ansprachen wurde das Ende der Reise mit der Schiffsglocke eingeläutet. Nach und nach schrumpfte der unglaublich hohe Berg an Gepäck und die Seesäcke wurden über die Gangway getragen. Dann trat jeder seinen Weg nach Hause an. Dort angekommen gab es herrlich viel Platz, auch wenn ich meine geliebte Koje bis heute vermisse.

An die Zeit auf der Thor denke ich immer wieder gern zurück:
Ach, das war schön und unbeschwert – und dann merke ich:
die Thor, sie ruft; das Meer, es ruft: komm zurück!
Es zieht mich unwillkürlich in den Bann und irgendwann,
dann steh ich wieder auf dem Achterdeck im Ausguck und am Ruder,
fühle die frische Brise um meine Nase streichen,
atme die salzige, klare Luft ein,
höre die Segel im Winde wehen und denke:
so muss das sein! Endlich wieder Daheim!
Nur ein Spiel der Gedanken? Ich glaube kaum!

Während die einen sich auf das Klassenzimmer unter Segeln vorbereiten und die anderen auf einen der nächsten Törns hinfiebern, beispielsweise auf eine der Ausbildungsreisen oder auf die Summerschool, geht meine Reise weiter: quer durch Deutschland zu den anderen von meinem Jahrgang, zur Werftzeit der Thor Heyerdahl in Kiel oder später als Crewmitglied. Nach den vielen wunderschönen Erlebnissen nehme ich meine Erinnerungen im Herzen mit zu neuen Abenteuern auf den Spuren von Thor Heyerdahl, der einmal sagte: ‚Grenzen, ich habe sie nie gesehen. Aber ich habe gehört, dass sie in den Köpfen anderer Menschen existieren‘“.

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Von Kreisbote

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