Staatliches Bauamt informiert über Planungsstand zur Weilheimer Umfahrung

Oderdinger sind skeptisch

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Interessiert verfolgten die Oderdinger die Ausführungen von Andreas Lenker vom Staatlichen Bauamt zum Planungsstand der Weilheimer Entlastungsstraße.

Oderding – Nicht nur in Weilheim sorgen die Planungen zur Weilheimer Entlastungsstraße für Diskussionsstoff, auch in Nachbargemeinden, die davon tangiert werden könnten, herrscht Informationsbedarf. Andreas Lenker, zuständiger Abteilungsleiter Straßenbau im Staatlichen Bauamt Weilheim, präsentierte im Dorfgemeinschaftshaus Oderding den aktuellen Planungsstand.

Schon in den 1930er Jahren wurden erste Überlegungen für eine Umfahrung der Kreisstadt angestellt und über die Jahrzehnte hinweg mit unterschiedlicher Intensität vorangetrieben. Richtig konkret wurde das Projekt allerdings erst 2016, als der Bund die Maßnahme in den vordringlichen Bedarfsplan aufnahm. Damit wurde dem Staatlichen Bauamt Weilheim der Auftrag erteilt, eingehende Voruntersuchungen und Prüfungen zur Variantenentscheidung aufzunehmen, skizzierte Lenker die Vorgeschichte des Projektes. Als federführende Stelle hat das Bauamt sieben Planungsbüros beauftragt, alle für eine Evaluierung notwendigen Basisdaten zu erarbeiten. Das seit Januar 2018 vorliegende Verkehrsgutachten des Ing.-Büros Prof. Dr. Kurzak stellte fest, dass durch eine Herausnahme des Durchgangsverkehrs je nach Variante eine Entlastung der Innenstadt von 10 300 bis 15 000 Kfz erreicht werden könnte, so Lenker. Dies entspricht etwa 34 Prozent des gesamten Kfz- und 59 Prozent des Güterverkehrs (siehe auch Bericht Seite 2).

Von ursprünglich 20 Varianten sind nach eingehender Prüfung fünf übrig geblieben, die derzeit eingehend untersucht werden. Dies sind je zwei Umgehungen im Westen und Osten sowie eine Tunnellösung durch die Stadt in bergmännischer Bauweise. Nach Vorstellung der Ergebnisse im Weilheimer Stadtrat soll es in einer „ausreichend langen Diskussionsphase“ Gelegenheit geben, die Varianten mit all ihren Vorzügen und Nachteilen zu vergleichen, bevor in Abstimmung mit den zuständigen Ministerien in Land und Bund eine Vorentscheidung getroffen wird.

Wichtig war Lenker, darauf hinzuweisen, „dass das gesamte Verfahren für die Öffentlichkeit transparent durchgeführt wird: Alle relevanten Informationen zum aktuellen Planungsstand sind unter www.stbawm.bayern.de jederzeit einsehbar.“

Den erheblichen Aufwand für die Voruntersuchung von fünf Varianten begründete Lenker damit, dass eine getroffene Auswahl „gerichtsfest“ sein müsse. Das heißt, bei einer Anfechtung vor Gericht müsse nachgewiesen werden, dass auch andere mögliche Lösungen eingehend geprüft wurden. Mit Ironie gewürzt kommentierte er, dass sich einige Interessensverbände bereits auf eine Variante festgelegt hätten, bevor das Fachgutachten vorliegt: „Die haben wohl mehr Erkenntnisse als die Ingenieurbüros.“

Erwartungsgemäß schloss sich den Ausführungen des Referenten eine lebhafte Diskussion an. So wurde von einigen der circa 90 Teilnehmer gefordert, auf eine Umfahrung ganz zu verzichten und durch andere Maßnahmen, wie Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs oder den Umstieg auf das Fahrrad, eine Verkehrsentlastung zu erzielen. Dies sei, so Lenker, eine politische Entscheidung, die nicht in den Zuständigkeitsbereich seiner Behörde falle. „Diese Forderung müssen Sie an die politischen Mandatsträger richten,“ empfahl Lenker.

Andere von den Diskussionsteilnehmern vorgebrachte Bedenken bezogen sich auf den Flächenverbrauch, mögliche Auswirkungen bei Hochwasserereignissen und weitere Auswirkungen auf die Umwelt. Angezweifelt wurde auch die in dem Gutachten von Prof. Kurzak zugrunde gelegte Zunahme des Straßenverkehrs von jährlich circa zwei Prozent. Laut Lenker habe die Vergangenheit jedoch gezeigt, dass in allen vergleichbaren Untersuchungen Kurzaks seine Zahlen eher konservativ angesetzt waren. Dem Einwurf eines Teilnehmers, bei diesem Projekt nicht wieder „einen solchen Pfusch wie beim Trifthofanbieter zu bauen“, begegnete Lenker mit dem Hinweis, dass es sich dabei um eine städtische Baumaßnahme ohne Beteiligung seiner Behörde gehandelt hatte.

Zweiter Bürgermeister Martin Pape lobte das Engagement aller Diskussionsteilnehmer und wies darauf hin, dass die Anregungen auch von den Behörden ernstgenommen würden. Dies habe sich in der Vergangenheit auch bei den Planungen zu den Hochwasserschutzmaßnahmen gezeigt. Pollings Bürgermeisterin Felicitas Betz versprach eine weitere Veranstaltung abzuhalten, wenn das vergleichende Gutachten vorliegt.

Von emh

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