Weil Lachen alle Grenzen überwindet

Weilheimerin Susie Wimmer ist ein Clown ohne Grenzen

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Clownin Susie Wimmer zusammen mit ihrem Kollegen Max Meier (im Hintergrund) bei einem Auftritt im Iran im November 2019.

Weilheim – Es gibt Dinge, die Menschen – egal welche Sprache sie sprechen oder welcher Nationalität sie angehören – miteinander verbinden. Gemeinsam lachen gehört definitiv dazu. Deutlich wird das auch in der Arbeit von Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V. Der Verein erweitert humanitäre Hilfe in Krisengebieten um künstlerische Begegnung und kulturelle Verständigung zwischen den Völkern. Clownin Susie Wimmer hat mit Kreisboten-Redakteurin Sofia Wiethaler über ihre Erfahrungen bei Clowns ohne Grenzen gesprochen.

Wie sind Sie zu Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V. gekommen?

Wimmer: „Ich bin 2008 durch Kollegen von den KlinikClowns, die den Verein 2007 gegründet haben, dazu gekommen. Ich wurde gleich gefragt, ob ich mit nach Rumänien fahren würde, was die zweite Reise des Vereins überhaupt war.“

Wie groß ist Ihr Team bei einem Auftritt?

Wimmer: „Bei Auftritten sind wir mindestens zwei Clowns, nach oben ist die Grenze offen. Wir pendeln uns normalerweise bei zwei bis fünf Personen ein. Meistens ist noch ein Fotograf oder Kameramann dabei. Am Ende eines Tages setzen wir uns immer als Team zusammen. In dieser Runde soll alles Platz finden. Sowohl Verbesserungsvorschläge für die Show, organisatorische Dinge oder – ganz wichtig – die Frage: ‚Wie geht es dir?‘. Der Verein arbeitet mit dem Münchner Institut für Traumatherapie zusammen, an das wir uns wenden können, wenn wir professionelle Hilfe brauchen.“

Wie laufen Ihre Reisen beziehungsweise Ihre Auftritte ansonsten ab?

Wimmer: „Oft bekommen wir eine Anfrage. Dann versuchen wir diese zu realisieren und zu schauen, was sich um sie herum noch machen lässt. Im Laufe der Jahre haben wir viele Kontakte aufgebaut, was Freud und Leid zugleich ist. Die Anfragen werden nämlich immer mehr und natürlich möchten wir ihnen nachkommen, jedoch wollen wir auch unsere Bekannten wieder besuchen. Das haut dann logistisch manchmal nicht ganz hin. Zum Glück arbeiten wir aber in einem internationalen Verband, sodass wir unsere Kontakte nach Rücksprache auch weiter geben können.“

Für wen spielen die Clowns ohne Grenzen?

Wimmer: „Wir spielen für alle – unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe. Zwar in erster Linie für die Menschen, die sich den Besuch einer solchen Vorführung aus verschiedenen Gründen nicht leisten könnten, aber natürlich auch für die, die dazu in der Lage wären. Unser Ziel ist es, dort aufzutreten, wo uns möglichst viele Bevölkerungsgruppen sehen können.“

In welchen Ländern waren Sie schon zusammen mit Clowns ohne Grenzen?

Wimmer: „Ich war in Rumänien, Indien, im Iran, in Nepal und in der Türkei. Unser Equipment passen wir immer an die Bedingungen vor Ort an. Im Iran mussten wir uns zum Beispiel an die muslimischen Vorgaben halten und Haare, Ohren und Hals bedecken. Außerdem haben wir auf lange und locker sitzende Kleidung geachtet. Generell ist es uns wichtig, dass wir nie Wasser verschwenden – sowohl in der Show als auch darüber hinaus.“

Was macht für Sie die Arbeit bei Clowns ohne Grenzen aus?

Wimmer: „Ich glaube, in erster Linie ist es für mich Völkerverständigung und das Bestreben, Kinder, die von den Geschehnissen gebeutelt sind, wieder mit dem Lachen in Verbindung zu bringen. Die Kinder, welche unsere Hauptzielgruppe sind, sollen wieder etwas von ihrer Leichtigkeit und dem Spaß am Spielen zurückgewinnen. Sie sind in ihrem Alltag oft mit Krieg, andauernder Armut oder Benachteiligung konfrontiert. Wir wollen sie wieder an das Lachen und die Freude erinnern, denn diese Gefühle trägt jeder Mensch von Geburt an in sich. Die Eltern und andere Erwachsene dürfen natürlich ebenfalls gerne zuschauen. Es ist sehr schön, wenn die Kinder ihre Eltern auch mal wieder lachen sehen – und umgekehrt sowieso.

Zudem können Gruppierungen, die sich vielleicht sonst nicht so grün sind, zusammen lachen. Das verbindet sie auf einer ganz anderen Ebene – da vergisst man meist was einen trennt. Uns wird auch oft erzählt, dass es die Kinder faszinierend finden, wie wir als normale Erwachsene kommen und uns dann in absolute Narren auf der Bühne verwandeln.

Viele Menschen haben auch ein ‚Aha-Erlebnis‘, was ihr kulturelles Frauenbild anbelangt, wenn sie sehen, dass es auch anders geht. Und das passiert ohne dass wir sie dahingehend belehren.“

Was war Ihr bisher schönstes Erlebnis bei Clowns ohne Grenzen?

Wimmer: „Das werde ich oft gefragt, aber ich kann mich nicht festlegen. Eigentlich ist es immer der Moment, in dem man einem Kind in die Augen schaut. Da ist jeder Moment immer wieder der Schönste.“

Was hat sich bei Clowns ohne Grenzen durch Corona verändert?

Wimmer: „In erster Linie können wir nicht reisen. Wenn wir das wieder können, werden die Gruppen kleiner werden müssen, um die Abstände einzuhalten. Equipment haben wir ohnehin so wenig wie möglich dabei. Die Abstände im Publikum werden außerdem größer werden und wir müssen schauen, wie wir beim Spielen damit umgehen. Zum Beispiel in Hinblick auf Quarantäne.“

Wissen Sie schon, wann Sie wieder reisen können?

Wimmer: „Wir hoffen diesen Monat nach Ungarn fahren zu können. Dort findet ein Festival für Roma statt. Außerdem wäre es schön, wenn wir unsere verschobene Reise nach Sarajevo, zumindest zu einem Teil, im Herbst dann nachholen könnten.“

Können Sie sich vorstellen, sich noch weitere Jahre bei Clowns ohne Grenzen zu engagieren?

Wimmer: „Ich fürchte (lacht). Eine Kollegin hat einmal zu mir gesagt: ‚Es ist kein Problem bei Clowns ohne Grenzen anzufangen. Es ist ein Problem damit aufzuhören.‘ Mal schauen was die neue Wirklichkeit bringt. Rein von der Sache her gesehen, weiß ich, dass ich sehr tief in die Sache eingestiegen bin und noch sehr viel mehr möglich ist.“
Von Sofia Wiethaler

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