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Weilheims erfolgreichster Gipfelstürmer

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Von: Ursula Gallmetzer

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Dr. Karl Flock in Sibirien
Kürzlich war der Weilheimer Bergsteiger Dr. Karl Flock bei eisigen Temperaturen in Sibirien unterwegs. © Privat

Weilheim – Schon immer zogen die Berge Dr. Karl Flock magisch an. Als Kind verbrachte er mit seinen Eltern fast jedes Wochenende in den Alpen beim Skifahren oder Wandern. Zu seiner Studienzeit packte ihn das Bergfieber endgültig. 2006 bestieg er als 25. Deutscher den Mount Everest, 2008 reihte er sich dann in den illusteren Kreis der Seven-Summits-Bezwinger ein. 14 Jahre später denkt er gerne an seine Abenteuer zurück und plant bereits die nächsten.

„Meine Frau hat immer gesagt, wenn ich auf den Mount Everest steige, lässt sie sich scheiden“, sagt Flock als er am Schreibtisch seiner Praxis für Orthopädie und Sportmedizin sitzt und grinst. „Gemacht hab ichs trotzdem. Verheiratet sind wir immer noch“, ist er dankbar, dass seine Frau Angelika mit durchgehalten hat.

Bis der Mediziner allerdings den König der Berge in Angriff nahm, war es ein langer Weg. Ende der 70er-Jahre nach seinem BWL-Studium gönnte er sich eine Auszeit in Südamerika und entdeckte das Bergsteigen für sich: „Mit widrigster Ausrüstung.“ Das anschließende Medizinstudium benötigte viel Zeit. Nebenbei leitete der Weilheimer seine Skischule. Die Gipfel mussten warten.

1995 stand dann der Kilimandscharo auf dem Plan. Zu diesem Zeitpunkt ahnte Flock nicht, dass er die Seven Summits, die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente, je besteigen würde. 2001 forschte er bei einer Expedition in der Antarktis über Telemedizin. Als er dabei mit dem Mount Vinson den zweiten Haken auf der Liste der sieben Gipfel setzte, wurde sein Ehrgeiz gepackt.

Sieben Jahre später war es dann so weit: Als 125. Mensch weltweit hatte Flock alle sieben Gipfel erklommen. „Manchmal war ich wirklich am Limit“, gesteht der Arzt, der, wie er betont, lediglich ein Amateurbergsteiger sei. Auch psychisch geriet er oft an seine Grenzen: „Wer sagt, dass er keine Angst hat, der lügt.“ Denn etwas Unvorhergesehenes könne immer geschehen, wie die vielen Unfälle mit Toten auf den Bergen der Welt zeigten. „Wenn man fast am Gipfel ist, ist die Gefahr groß, dass man ein unnötiges Risiko eingeht“, spricht er aus Erfahrung. Zudem sei es eine Kunst, die Wetterfenster auszuloten, um sicher anzukommen. Am wichtigsten seien aber „viel Erfahrung, Leidensfähigkeit und eine top Vorbereitung.“

Auf diese Punkte legte der dreifache Vater bei all seinen Abenteuern Wert. Wie viel Glück er trotzdem hatte, wurde ihm erst später klar. „Ich bin voll Dankbarkeit, dass ich noch alle Finger und Zehen habe“, sagt er mit Blick auf seine Hände. Denn 2006 am Mount Everest musste er immer wieder an seiner Sauerstoffmaske nachjustieren, nachdem diese streikte. Dafür musste er seine dicken Handschuhe ausziehen. Um sein Leben bangend ob des mangelnden Sauerstoffes, wurden die Finger so kalt, dass er sie kaum noch spürte. Doch trotz der Probleme schaffte es der Orthopäde auf den Gipfel. Voll Demut vor dem Berg und der Schöpfung blickt er auf dieses Erlebnis zurück. Würde er den höchsten Berg der Welt nochmal besteigen? „Wenn ich etwas jünger wäre auf jeden Fall.“

Aufhören möchte Flock trotz seiner 68 Jahre noch lange nicht – in Beruf und Sport. Gerade erst hielt er einen Vortrag über Höhenmedizin in Südtirol, unter anderem gemeinsam mit Reinhold Messner. Seine medizinische Erfahrung will er in seiner Praxis in Weilheim und bei seinen Knieoperationen noch einige Jahre weitergeben. Denn auch die Orthopädie ist seine Leidenschaft.

Sportlich geht es ebenfalls weiter. Den letzten Coronawinter überwand Flock an heimischen Bergen auf Tourenski zahlreiche Höhenmeter. Die jüngste sportliche Herausforderung suchte er in Sibirien, einem Land, das ihn auch nach unzähligen Reisen in die ganze Welt noch zu beeindrucken schaffte. Der 7 509 Meter hohe Muztagata sei ein weiteres Ziel, dass er noch erreichen möchte. Denn der Berg, dessen uigurischer Name „Vater der Eisberge“ bedeutet, ist der höchste mit Ski besteigbare Berg der Welt.

Nähere Berge wie das Matterhorn reizen den Mediziner ebenfalls. Außerdem möchte er die „Haute Route“, eine mehrtägigen Hochgebirgsskitour durch die Walliser Alpen von Chamonix nach Zermatt, endlich angehen, nachdem sie durch die Pandemie schon zweimal verschoben wurde. Was ihn antreibt, da muss Flock nicht lange überlegen: „Die Leidenschaft zu den Bergen und die Freude an der Natur.“

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