Das Tierwohl hat Priorität

Weilheims Grüne stellen Zirkus-Chef kritische Fragen

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Die Weilheimer Grünen-Politiker erkundigten sich beim Circus King über das Wohl der Tiere (v.li.): Karl-Heinz Grehl, Luise Nowak, Zirkuschef Artur Kaiser und Alfred Honisch.

Weilheim – Nach drei Monaten Corona-Zwangspause in Gilching gastiert der Circus King seit dem 16. und noch bis zum 26. Juli auf dem Volksfestplatz in Weilheim. Vertreter der Grünen-Stadtratsfraktion konfrontierten den Zirkusdirektor bei ihrem Besuch mit kritischen Fragen.

Wir sind weder von ‚PETA‘ noch von ‚Vier Pfoten‘“, stellte sich Alfred Honisch dem Zirkus-Chef Artur Kaiser vor. Dennoch, erklärte Weilheims dritter Bürgermeister, liege gerade das Wohl von Zirkustieren den Grünen „besonders am Herzen“.

Bereits 2014, erinnerte Honisch in einer Pressemitteilung, hatten die Grünen im Stadtrat angeregt, jegliche Nutzung kommunaler Flächen, wie den Volksfestplatz, für Darbietungen von dressierten Wildtieren zu verbieten. „Die Anfrage wurde zwar zur Kenntnis genommen, entschieden jedoch wurde nichts“, kritisiert Honisch und weist auf Folgendes hin: „Circa 60 Städte und Gemeinden untersagen in Deutschland den Zirkussen, städtische Flächen für Darbietungen mit Wildtieren zum Einkommenserwerb zu nutzen.“ Aber die Rechtslage bewege sich aufgrund zwei konkurrierender Grundgesetzartikel auf „dünnem Eis“. Einerseits gebe es die Berufsfreiheit, zum Beispiel zur Betätigung als ZirkusbetreiberIn, andererseits den Tierschutz als Staatsziel.

„Zirkus, das ist mein Leben. Seit 150, nein, eigentlich schon seit 270 Jahren, weil es uns bereits in der neunten Generation gibt“, korrigierte sich der Zirkus-Chef. „Aufrufe auf Facebook, uns zu boykottieren, treffen uns ins Mark. Weil unsere Auffassung von Tierwohl völlig anderes ist. Zuerst frühstücken tagtäglich die Tiere, dann wir!“

Die 40 Tiere, bestehend aus einer Eigenzucht zweihöckriger Kamele, von Tierparks abgegebener Yaks, Lamas, Ponys, Esel sowie Minischwein „Schweini“, dienten vor allem der kostenlosen Tierschau, nicht der Dressur in der Manege, erklärte Kaiser. Und Wildtiere wie Primaten, Löwen und andere Exoten würden erst gar nicht zu ihrem Zirkuskonzept gehören.„Wäre nicht doch eine grüne Wiese zum Weiden für die Tiere besser als der harte Kiesboden des Volksfestplatzes?“, wollte Karl-Heinz Grehl wissen. Kaiser antwortete: „Wir haben hier nur Klauentiere, da dient der Kies als kostenlose Klauenpflege.“ Auch würde eine zertrampelte Wiese von den Eigentümern nicht gerade gerne gesehen werden.

Die amtstierärztlichen Kontrollbesuche kamen ebenfalls zur Sprache. In diesem Zusammenhang verwies Kaiser auf das Tierbestandsbuch, das sich auf aktuellem Stand befinden muss und auf die dokumentierten Resultate stattgefundener Kontrollen während der Gastspielreisen.

„Zum echten Respekt gegenüber Tieren gehört beim Zirkus der Verzicht auf Wildtiernummern. Ein fortschrittlicher Zirkus braucht keinen tanzenden Bären, um zu begeistern“, lautete die Meinung von Luise Nowak. Mit dieser Aussage erklärte sich auch der Zirkus-Chef einverstanden.

Zirkusluft schnuppern

Der Circus King hat noch bis Sonntag, 26. Juli, auf dem Weilheimer Festplatz seine Zelte aufgeschlagen. Vorstellungen sind täglich um 16 Uhr, am Samstag zusätzlich um 19 Uhr sowie am Sonntag um 11 und 14 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf von 10 bis 13 Uhr an der Kasse auf dem Festplatz. Außerdem gibt es Aktionstage.
Von Kreisbote
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