"Uns geht‘s wirklich gut"

Weniger Kunden, mehr Sicherheitsabstand: So geht es der Weilheimer Tafel in Corona-Zeiten

+
Da die Lebensmittel derzeit vor dem Tafelladen übergeben werden, können sich die Bedürftigen die Produkte nicht mehr aussuchen. Stattdessen gibt es für jeden Lebensmitteltüten.

Weilheim – Die Situation für viele Tafeln in Deutschland scheint derzeit nicht einfach zu sein. Durch Hamsterkäufe bekommen einige nicht mehr die gleiche Menge an Lebensmitteln wie vor der Corona-Krise. Auch wurden etliche Tafeln geschlossen. In Weilheim ist die Situation deutlich besser. Dennoch hat sich auch hier einiges verändert.

„Uns geht‘s wirklich gut“, bestätigt Eva-Maria Muche von der Weilheimer Tafel. Die Probleme, die andere Tafeln derzeit haben, hätte man in Weilheim nicht. Die Hamsterkäufe in den Supermärkten haben laut Muche keine Auswirkungen. „Das, was die Leute hamstern, wie Nudeln und Reis, bekommen wir auch im Regelbetrieb nicht von den Supermärkten.“ Nur zur Weihnachtszeit bekämen sie diese Produkte bei einer Spendenaktion eines örtlichen Supermarktes.

Auch an frischem Obst und Gemüse scheint es bei der Weilheimer Tafel keinen Mangel zu geben. Der Grund: Es kommen weniger Bedürftige zur Tafel als vor der Corona-Krise. „Fragen Sie mich nicht woran das liegt“, sagt Muche. Früher waren es circa 100 Abholer, die jede Woche zur Tafel kamen. „Die letzten beiden Male waren es 70 beziehungsweise 62 Menschen.“ Neukunden gibt es laut Muche überhaupt nicht. Eine Ursache könnte sein, dass sich einige Bedürftige aus Angst vor Ansteckung nicht trauen, weiterhin zur Tafel zu gehen. Doch diese Sorge ist unbegründet. Tatsächlich tun die Mitarbeiter alles, um sich und die Kunden zu schützen. Eine große Veränderung ist, dass die Lebensmittelausgabe nach draußen verlegt wurde. Vier große Biertische wurden vor dem Eingang aufgestellt. Draußen in einer Schlange ist es eben einfacher, Abstand zu halten, als in einem kleinen Laden. „Die Tische sind so aufgestellt, dass der Mindestabstand eingehalten wird“, versichert Muche.

Einen kleinen Nachteil hat das Konzept: Die Kunden können sich die Lebensmittel nun nicht mehr selbst aussuchen, da die Ware ja nicht draußen ausgestellt wird. „Wir packen Lebensmitteltüten und die geben wir dann aus.“

Dass die Mitarbeiter Handschuhe tragen, ist nicht neu. „Das haben wir immer schon aus hygienischen Gründen gemacht“, erzählt Muche. Jetzt tragen zusätzlich alle einen Mundschutz. Auch für die Bedürftigen haben sich die Tafel-Mitarbeiter etwas einfallen lassen. Am vergangenen Donnerstag haben sie an alle Behelfsmasken verteilt. Die kamen aus einer Spende beziehungsweise wurden von Ehrenamtlichen genäht.

In Sachen Ehrenamt hat sich seit Corona einiges bei der Tafel getan. Wie Muche berichtet, gehören einige der Mitarbeiter der Risikogruppe an, weshalb sie derzeit nicht mithelfen könnten. Unterstützung bekämen sie aber von der evangelischen Dekanatsjugend. Auch viele Weilheimer Bürger hätten sich in der letzten Zeit gemeldet, um mit anzupacken. „Das waren so viele, dass wir einige ablehnen mussten.“ Das liege einerseits an der Abstandsregelung. Mit zu vielen Helfern sei die nicht mehr einzuhalten. Außerdem sei auch die Einarbeitung mit viel Arbeit verbunden. „Einfach mal aushelfen“ sei nicht so leicht. Man müsse ja jedes Mal wieder erklären, wo alles ist und wie der Ablauf ist, meint Muche. Deshalb ist sie auch froh, dass es etliche Freiwillige gibt, die regelmäßig die Tafel unterstützen.

Wer ebenfalls helfen möchte, zum Beispiel mit Pfand- und Lebensmittelspenden, findet die Infos dazu hier.

Von Stephanie Novy

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim auch auf FACEBOOK.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erfolgreiches Debüt – Weilheimer Sommerbiathlon: 46 Starter bei Premiere
Erfolgreiches Debüt – Weilheimer Sommerbiathlon: 46 Starter bei Premiere
Weilheim: Schwerer Unfall Pütrichstraße
Weilheim: Schwerer Unfall Pütrichstraße
Marinekameradschaft Weilheim trägt zum Erhalt des alten Patenbootes in Wilhelmshaven bei
Marinekameradschaft Weilheim trägt zum Erhalt des alten Patenbootes in Wilhelmshaven bei

Kommentare