Windräder statt Propeller?

Das Ende naht: Voraussichtlich gegen 2020 wird der Fliegerhorst Penzing aufgelöst. Foto: Luftwaffe

Nicht wenige der Betroffenen haben sich richtig geärgert: Das mit Spannung erwartete Papier zur „Stationierung der Bundeswehr in Deutschland“ war aus Berlin noch nicht eingetroffen, da gingen am frühen Mittwochvormittag bereits die ersten Interviewanfragen ein. Bei Bürgermeister Johannes Erhard etwa. So schockten ihn die Medien mit der Nachricht, dass der Standort Penzing schon bald aufgelöst wird. Wann genau, auch das sei ärgerlich, weiß noch niemand. „Nicht vor 2020“, ist die persönliche Einschätzung von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Hart, aber bei weitem nicht so hart wie viele andere Standorte im Freistaat ist der Landkreis von der Reform betroffen. Allemal, weil seit 2004 bekannt ist, dass die Tage des LTG 61 mit dem Wechsel vom Transportflugzeuges Transall zum Nachfolgemodell A400M gezählt sind. Demzufolge habe das 135-Seiten- Werk aus dem Hause von Verteidigungsminister Thomas de Maizière „keine wesentlichen Veränderungen zu den bisherigen Entscheidungen“ verkündet, meint Dobrindt. Neu sei nur, dass der Fliegerhorst nicht bestehen bleibt, „wenn wir dort keine Flugzeuge mehr haben.“ Eben diese Kunde überraschte am Mittwoch sowohl LTG-Kommodore Oberstleutnant Klaus Schierlinger als auch den Standortältesten Oberst Klaus Schuster. Und allemal Oberstleutnant Stephan Pillmeier. Er ist Kom­man­deur der auf dem Fliegerhorst stationierten Flugabwehrraketengruppe 22. Seine Ein­- heit mit 500 Soldaten soll ebenfalls aufgelöst werden. Wie auch das Sanitätszentrum. Damit gehen in Penzing insgesamt 2350 Dienstposten verloren. Plan B gibt’s nicht! „Davon war bisher nie die Rede“, bedauert Bürgermeister Erhard, er sei „schockiert“. Eine schwere Zeit sei das für die Betroffenen. „Wir müssen jetzt an die Menschen denken“, so das Gemeindeoberhaupt, den die Ungewissheit nicht minder belastet. Auf den Realisierungsplan zur Reform wird man wohl noch bis Anfang kommenden Jahres warten müssen. Erst danach könne man sich Gedanken über Plan B machen. „Den gibt es derzeit nicht.“ Nur eines ist für Erhard bereits gewiss: „Keine Privat- oder Geschäftsfliegerei in Penzing – auch wenn hier und da schon mit den Füßen gescharrt wird.“ Und damit liegt er mit Landrat Walter Eichner auf einer Linie, wie dieser selbst beteuert. Der Truppenabbau in Penzing habe ihn, Eichner, nicht sonderlich überrascht, wohl aber die Auflösung der FlaRak-Gruppe 22. Insgesamt sei der Standort Landsberg mit einem „blauen Auge“ davongekommen – auch mit Blick auf die Welfenkaserne im Frauenwald. Entgegen anderer Annah­men bleibt diese bestehen und wird lediglich um 160 auf 410 Dienstposten reduziert. Nur die 5. des Logistikbataillons 471 ist bald Ver­- gangenheit. Windräder bauen? Schnellstmöglich möchte sich der Landkreischef unter anderem mit Landsbergs OB Lehmann, Bürgermeister Johannes Erhard und mit weiteren Gemeindeoberhäuptern an einen Tisch setzen, um das weitere Vorgehen zu bündeln. Eichner schwebt ein Termin in der Landeshauptstadt vor. Er möchte Ministerpräsident Seehofer und Wirtschaftsminister Zeil die Botschaft übermitteln: „Um den wirtschaftlichen Einschnitt am Standort Landsberg zu kompensieren, brauchen wir eure Unterstützung!“ Apropos: „Wo ein Schatten ist, da ist auch Licht“, sagt Landrat Eichner, „mit vereinten Kräften kann man was aus Penzing machen.“ So könne er sich auf dem Fliegerhorst sehr gut eine Fertigungsstätte für Windkraftanlagen vorstellen. „Große Hallen sind vorhanden und das Rollfeld eignet sich als Abstellfläche; da braucht’s keine weiteren Versiegelungen mehr.“ Auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann möchte den Schwerpunkt schnellstens auf die Feinabstimmung legen, um die negativen Folgen der Reform ab­- zufedern. Dass dies möglich ist, habe Landsberg in den letzten zwölf Jahren mit „mutigen Entscheidungen im Stadtrat und einem enormen Einsatz in der Verwaltung“ vorbildlich bewiesen. Was Neues in Penzing? Derweil schürt CSU-General Dobrindt noch ein wenig Hoffnung: „Eine militärische Nachnutzung hätte ich gerne, allerdings muss es eine fliegerische sein.“ Er habe da was im Sinn, könne im Moment aber nicht darüber reden. Nur soviel: „Sollte da was Neues in der Bundeswehr entstehen, dann könnte man Penzing einbeziehen…“ Der Bund ist in der Pflicht Der Bund steht bei der Frage, wie es nach der Schließung des Bundeswehrstandorts Penzing weitergehen soll, in der Verantwortung. Darin sind sich CSU-Stimmkreisabgeordneter Dr. Thomas Goppel, SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner und SPD-Kreisvorsitzender Dr. Albert Thurner einig. „Wir erwarten von den Verantwortlichen, dass für die zivilen Angestellten angemessene Beschäftigung gefunden wird“, erklärt Thurner und verweist besorgt auf den Wegfall von 2350 Arbeitsplätzen für Soldaten und Zivilbeschäftigte. Hier habe der Bund seinen Beitrag zu leisten. Ein tragfähiges und umweltfreundliches Konzept müsse für die zivile Folgenutzung gefunden werden. Für ihn und Sonnholzner ist klar: „Keine weiteren Privat- und Geschäftsflieger in Penzing.“ Nicht anders sieht das Dr. Thomas Goppel: Er fordert Bund und Staatsregierung auf, sich „frühzeitig zu bereden“ und Vorlagen zur künftigen wirtschaftlichen Nutzung der freiwerdenden Flächen zu erarbeiten.

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