Was wird aus dem Kloster? – Wessobrunn: Benediktinerinnen planen Verkauf

Priorin Hildegard Jansing (2.v.l) mit den Schwestern Georgia Otto, Rachel Feller und Mechthild Hommel (v.li.) im stuckgeschmückten Flur des Wessobrunner Klosters. Foto: Halmel

Seit fast einem Jahrhundert gehört das Wessobrunner Kloster den Missions-Benediktinerinnen. Diese Ära könnte nun aber bald zu Ende sein.

Nachdem die Gebäude von den elf noch dort wohnenden Schwestern kaum zu bewirtschaften sind und der Unterhalt enorme Summen verschlingt, will der Orden das Kloster verkaufen. Das schlug in der Gemeinde hohe Wellen. Einige Wessobrunner befürchten, dass der Identifikationspunkt im Ort verloren geht. Inzwischen gibt es auch einen Interessenten, der in den historischen Gebäuden eine psychosomatische Klinik unterbringen will. Wie es dazu kam, erläuterten die Klosterschwestern jetzt bei einem Pressegespräch. Erste Überlegungen, das Kloster zu verkaufen, wurden bereits vor elf Jahren nach der Schließung des Kinderkurheims angestellt. „Wir hatten mehrere Gespräche mit Ministerien, und es gab immer nur Absagen“, berichtete Schwester Hildegard Jansing über die verschiedenen verworfenen Pläne in den letzten fünf Jahren. Auch die Idee der Gemeinde, eine Kunstakademie einzurichten, verlief im Sand. „Jetzt haben wir einen Punkt erreicht, wo man nicht noch einmal fünf Jahre warten kann“, nannte die Priorin des Ordens den Hauptgrund, um einen Verkauf an einen privaten Investor in Betracht zu ziehen. Dieser sollte aber bestimmten Voraussetzungen, wie dem Erhalt des Klosterareals und des spirituellen Erbes aber auch dem Wunsch nach öffentlichem Zugang, gerecht werden. Der Betreiber einer Klinik für psycho- somatische Erkrankungen würde diese Kriterien erfüllen. „Ein Kloster ist mehr als eine Gebetsstätte, es war immer auch schon ein Wirtschaftsfaktor“, sprach sich Schwester Hildegard für diese Lösung aus. „Die Sorge um Kranke gehörte schon immer zum Auftrag der Benediktinerinnen“, sieht die Priorin durch eine Klinik auch historische Parallelen. Den Konflikt mit der Pfarrpfründestiftung, der ein Teil des Klostergebäudes gehört und die nicht verkaufen will, glaubt sie mittels einer Erbpachtvereinbarung, die auch ein Rückfallrecht enthält, lösen zu können. Gleichwohl äußerte sie auch Verständnis für die Bedenken aus der Gemeinde über den Verkauf. Um diese auszuräumen, sagte sie auch prompt der Einladung von Bürgermeister Helmut Dinter zur Bürgerversammlung am 27. Juli in der Mehrzweckhalle zu. „Das ist ein guter Schritt, in die Öffentlichkeit zu gehen, davor haben wir keine Scheu“, schloss Schwester Hildegard ab.

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