Wirtschaftskrise erreicht Oberland

Nach drastischen Einbrüchen im zweiten Halbjahr 2008 zeichnet die Metall- und Elektroindustrie im Oberland eine düstere Prognose für 2009. 70 Prozent der Unternehmer rechnen mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung im Inland. Die Erwartungen für das Auslandsgeschäft sind kaum besser. Das hat eine Konjunkturumfrage unter den Mitgliedsbetrieben der bayerischen Metallarbeitgeberverbände BayME und VBM in der Region Oberland ergeben.

Dass „aus der Konjunkturkrise keine Strukturkrise werden darf“, warnte Ralf Simon, Vorsitzender der BayME-/VBM-Region Oberland und Geschäftsführer der Automotive Components Penzberg GmbH (ACP), am vergangenen Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Weilheim. Trotz der Wirtschaftsflaute, stellte Simon klar, „werden wir jetzt nicht in Panik verfallen“. 35 Prozent der 72 Mitgliedsbetriebe aus den Landkreisen Weilheim-Schongau, Gar- misch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Landsberg, Starnberg und Fürstenfeldbruck bewerteten die inländische Geschäfts- lage im zweiten Halbjahr 2008 als schlecht, auch beim Auslandsgeschäft gab nur ein Drittel eine positive Bewertung ab. „Die Erwartungen sind katastrophal“, fasste Simon die Ergebnisse der Umfrage zusammen. Die Produktions- und Investitionspläne der Betriebe seien „steil nach unten gerichtet“. Als „differenziert“ beschrieb Simon die Ertragssituation der Metall- und Elektroindustrie im Oberland. 64 Prozent der Betriebe müssten die Produktion zurückfahren, für knapp 70 Prozent sei eine Kürzung ihres Investitionsbudgets unumgänglich. Als erfreulich wertete Simon die Tatsache, dass ein Viertel der geplanten Investitionen auf betriebliche Erweiterungen entfallen. Rund die Hälfte der Betriebe, rechnete Simon vor, müsse „mit einer völlig unzureichenden Rendite kämpfen“. Nicht aufzuhalten sei ein Rückgang bei den Beschäftigten: 43 Prozent der Betriebe befürchten, Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Ein „gutes Drittel“ will die Mitarbeiter halten und 21 Prozent zusätzliche Stellen schaffen. Eine „Verlagerungswelle“ sei aber nicht zu erwarten, da auch an ausländischen Standorten kaum zusätzliches Personal eingestellt wird. Besonders negativ beurteilen die Metall- und Elektrofirmen im Oberland die Geschäftsaussichten in Nordamerika, im europäischen Raum und im Inland, „gewisse Hoffnungen“ setzen sie laut Simon auf die Märkte in China, Indien und in den Ölstaaten. Hart zu kämpfen hat die Automobil- und Zulieferindustrie, wie Simon am Beispiel von ACP schilderte. Seit 9. Januar ist für die 730-köpfige Belegschaft in dem Penzberger Betrieb an zwei Werktagen Kurzarbeit angesagt. „Wir haben die komplette Nachtschicht gestrichen“, bestätigte Geschäftsführer Simon. Nachdem beim größten Kunden MAN 60 Prozent der Aufträge weggebrochen waren, wurden binnen 14 Tagen 170 Zeitarbeitskräfte abgebaut. Dass die Stammbelegschaft gehalten werden konnte, führt Simon auch auf die gute Liquidität von ACP zurück. Deren Eigenkapitalquote liegt inzwischen bei 43 Prozent. An die Adresse der Banken gerichtet, beklagte Simon, dass es in der Automotive-Branche „fast unmöglich“ sei, „an Kredite ranzukommen“. Bei der Anfrage nach zehn Millionen Euro für einen Überbrückungskredit habe man auch bei der Hausbank eine Absage eingeholt. Den Großteil der benötigten Kreditlinie hat ACP schließlich bei einer österreichischen Bank bekommen. „Es wird nur noch das geordert, was definitiv gebraucht wird und nichts mehr auf Lager gelegt“, berichtete Dietmar Ahl, Geschäftsführer der Firma Günter Bechtold GmbH, von seinen Erfahrungen. 63 Mitarbeiter sind in dem Weilheimer Betrieb mit industrieller Blechbearbeitung beschäftigt. Die Zeitarbeitskonten wurden im Betrieb abgebaut, personelle Konsequenzen seien zur Zeit nicht geplant. „Kurzarbeit zu beantragen wäre der nächste Schritt“, erklärte Ahl. Ein großes Problem sieht Ahl derzeit darin, den hohen Forderungen nach Materialpreisreduzierungen nachzukommen. „Es wird für unser Unternehmen ein schwieriges Jahr, aber keines, das wir nicht überstehen werden“, verwehrte sich Ahl gegen zu viel Schwarzmalerei. Unternehmen, die in den letzten Jahren gut verdient haben, könnten jetzt das Geld „zum Halten ihrer Mitarbeiter“ einsetzen. Bei Bechtold wird im nächsten Monat eine neue Maschine angeschafft. „Wir investieren wieder“, sagte Ahl. Da auch die ausländischen Mitbewerber von der Rezession betroffen seien, hofft der Weilheimer Unternehmer, „dass wir dadurch wieder Aufträge zurück bekommen“.

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