Wohnbau GmbH stoppt Erweiterungspläne für Barbarahof – Siedlung unter Ensembleschutz

"Nachverdichtung ist gescheitert"

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Baufällig, aber nach Meinung der Denkmalschutzbehörden erhaltenswert: Die gesperrten und einsturzgefährdeten Holzlegen im Barbarahof. Die Siedlung wurde unter Ensembleschutz gestellt, was eine Nachverdichtung offenbar ausschließt.

Peißenberg – Wie in vielen anderen Kommunen fehlt in Peißenberg sozialer Wohnraum. In der Rathausverwaltung sind auf einer Warteliste knapp 170 Anfragen von Wohnungsbewerbern registriert – Tendenz steigend. Abhilfe sollte diesbezüglich eigentlich die Nachverdichtung des Barbarahofs im Ortsteil Wörth schaffen.

Die Wohnbau GmbH Weilheim, an der Peißenberg neben dem Landkreis und sechs weiteren Kommunen beteiligt ist, wollte die ehemalige Berg- arbeitersiedlung mit drei zusätzlichen Gebäudekomplexen (28 Wohnungen) erweitern. Doch die bereits weit gediehenen Pläne mussten nun ad acta gelegt werden. Im Rahmen des von der Gemeinde initiierten Bebauungsplanverfahrens hat die zuständige Denkmalschutzbehörde nämlich ihr Veto eingelegt. Das Argument: Der Barbarhof sei unter Ensembleschutz gestellt worden, was zusätzliche Wohnbauaktivitäten auf dem Areal ausschließe.

„Die Nachverdichtung im Barbarahof ist vorerst gescheitert. Wir haben die Planungen gestoppt“, bestätigt Helmut Bachlatko, der Interimsgeschäftsführer der Wohnbau GmbH, auf Nachfrage des Kreisboten. Die Gesellschaft hatte den Barbarahof 2010 von der BHS gekauft unter der Voraussetzung, die 1950 zum Teil im Rahmen des Marshall-Plan errichtete Siedlung später baulich nachverdichten zu können. An Probleme mit dem Denkmalschutz dachte damals niemand. Nun entpuppt sich der Immobiliendeal aber im Nachhinein als wirtschaftliches Draufzahlgeschäft. „Es ist auf jeden Fall ein mieses Geschäft“, räumt Bachlatko ein. Man habe 2010 sanierungsbedürftige Häuser „geerbt“, könne nun aber nichts entwickeln. „Das Schlimme ist“, so Bachlatko weiter, „dass die Marktgemeinde auf die Wohnungen im Barbarahof angewiesen ist.“

Auf die Wohnungsnot im bezahlbaren Preissegment weist auch Bürgermeisterin Manuela Vanni hin. Weil viele Unterkünfte mit der Zeit aus der Bindungsfrist fallen würden, gebe es in Peißenberg immer weniger Sozialwohnungen. Gerade unter diesem Gesichtspunkt bezeichnet Vanni das Veto der Denkmalschutzbehörde als „unheimlich tragisch“: „Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis“, beklagt sie. Die Abwägung der Behörde sei in keinster Weise nachzuvollziehen. „In Schongau zum Beispiel dürfen die alten Haindl-Wohnungen sogar abgerissen werden“, kritisiert Vanni. Von Seiten der Rathausverwaltung versuche man nun, an einem anderen Standort Raum für Sozialwohnungen zu schaffen. Spruchreif sei aber noch nichts: „Wir sind am Nachdenken“, erklärt Vanni. Auf alle Fälle wolle sie sich dafür einsetzen, dass das von der Wohnbau GmbH für die Nachverdichtung des Barbarahofs geplante Investitionsvolumen in Peißenberg gehalten und an anderer Stelle verwendet werde.

Wie geht es mit dem Barbarahof weiter? Ein kleines Hintertürchen hat sich die Wohnbau GmbH bezüglich Nachverdichtung offengelassen. „Wir schauen, was noch zu retten ist“, beteuert Bachlatko. Gemeint sind damit abgespecktere Pläne mit lediglich zwei statt drei neuen Gebäudekomplexen und verringerten Stellplatzflächen. Allerdings sind die Vorgaben des Denkmalschutzes unmissverständlich.

Das historische Erscheinungsbild des Barbarahofs darf nicht angetastet werden. „Wir versuchen, eine lockerere Bebauung hinzubekommen, aber ich bin äußerst skeptisch“, räumt Bachlatko ein. Kein Hindernis ist der Ensembleschutz für Instandhaltungsmaßnahmen an Bestandsbauten: „Die Sanierung werden wir konsequent weiterführen“, verspricht Bachlatko. Ausgenommen davon sind die baufälligen Holzlegen. Sie werden vorerst nicht renoviert, „weil wir noch nicht wissen, wie es mit dem Barbarahof generell weitergeht“, erklärt Bachlatko.

Die Holzlegen sollten bereits Ende 2015 im Vorgriff auf die – nun vorerst abgesagte – Nachverdichtung abgerissen werden. Eine Protestwelle angeführt von Altbürgermeister Hermann Schnitzer hatte sich für den Erhalt eingesetzt. Ein Abbruch ist inzwischen kein Thema mehr: „Die Holzlegen sind ein zentraler Bestandteil für die Denkmalpflege“, verweist Bachlatko auf den Ensembleschutz.

von Bernhard Jepsen

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