Wohnkultur schaffen

Peißenberg – Es geht nicht nur um die Verschönerung von tristen Hausfassaden oder um Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Es geht um verbesserte soziale Strukturen. In manchen Wohngebieten teilen sich viele Bewohner unterschiedlicher Kulturen meist einen relativ engen Raum. Konflikte sind nicht immer ausgeschlossen. Auch in der Marktgemeinde Peißenberg gibt es solche Wohngebiete. Deshalb hat sich die 12700-Einwohner starke Kommune für das Bund-Länder-Förderprogramm „Soziale Stadt“ beworben. Bei einem Arbeitstreffen bei der Regierung von Oberbayern in München erklärte Bauamtsleiter Markus Brunnhuber, warum Peißenberg diesen Weg eingeschlagen hat.

Es sind immer wieder dieselben Probleme, die von Bürgermeistern, Ausländerbeauftragten, Streetworkern oder Sozialamtsmitarbeitern geschildert werden: Wohnviertel, in denen meist sozial Schwache, ältere Menschen mit geringer Rente und überproportional viele Ausländer leben. In aller Regel herrscht in diesen Siedlungen eine höhere Arbeitslosigkeit. Die Konflikte entstehen aber nicht nur aufgrund der vielen sozialen Probleme, sondern haben ihren Ursprung nicht selten in einer verfehlten Wohnbaupolitik. Auch in Peißenberg sei man zu dieser Erkenntnis gekommen. Bauamtsleiter Markus Brunnhuber schilderte vor Vertretern anderer Städte und Gemeinden, wie sich der Markt, der bis 1971 vom Bergbau geprägt war, seitdem verändert hat. „Die damals Verantwortlichen haben den Strukturwandel nach Schließung des letzten Schachts eigentlich ganz gut hinbekommen“, so Brunnhuber. Vor allem produzierendes Gewerbe habe sich in Peißenberg angesiedelt, die Arbeitsplätze, die nach 1945 so begehrt waren und zahlreiche Kriegsflüchtlinge anzogen, blieben somit erhalten. Wo andere Kommunen ein Ortszentrum haben, das sie jetzt aufmöbeln können, haben die Peißenberger dagegen eine „Glatze“. Schon in den 1970er Jahren gab es Versuche, ein Ortszentrum zu planen. „Was aber gescheitert ist“, schilderte Brunnhuber. Und dann schneidet die rund fünf Kilometer lange Ortsdurchfahrt der B 472 den Markt noch in zwei Hälften. Neben Verkehrsproblemen plagt Peißenberg auch die hohe Zahl an arbeitslosen Jugendlichen. Unter ihnen sind laut Brunnhuber auch viele junge Leute aus Spätaussiedlerfamilien. Die Viertel, in denen sie wohnen, weisen „eine geringe Stabilität in der Bewohnerstruktur“ auf. Neben der baulichen Sanierung und der Verschönerung der Gebäude zielt das Projekt vor allem auf die soziale Entwicklung ab. Grüne Plätze, die nicht durch Verwüstung gekennzeichnet sind, sondern auf denen man sich gerne trifft, die Wiederbelebung des Einzelhandels im Quartier, Arbeitsplätze vor Ort, die Schaffung kultureller und sozialer Infrastruktur, vor allem für junge Menschen, sowie Angebote für Aus- und Weiterbildung, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren, sind wesentliche Bestandteile von „Soziale Stadt“ (www.regierung.oberbayern.bayern.de oder www.stmi. bayern.de/bauen/staedtebaufoerderung/). Akteure sollen stets die BewohnerInnen selbst sein, die Missstände und deren Lösungsmöglichkeiten in ihrem Viertel aufzeigen. Dadurch, so heißt es bei der Regierung, kämen die Menschen untereinander in Kontakt, aus reiner Neugier folge meistens ernsthaftes Interesse.

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