Spannende Einblicke

Zahlreiche Besucher schauen beim Tag der Archive hinter die Kulissen

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Auch Besucher Tobias Lang warf einen Blick ins Archiv der Stadt Weilheim.

Weilheim – Am bundesweiten „Tag der Archive“ hat sich auch das Stadtarchiv beteiligt. Bei Führungen bot Archivleiter Dr. Joachim Heberlein zahlreichen Besuchern einen Blick hinter die Kulissen. Eine Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie es Weilheim in verschiedenen Kriegen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert ergangen war.

Dabei konnte man etliche kuriose Exponate bestaunen wie eine Volksgasmaske in ihrer Originalverpackung, Bezugsmarken oder Kriegskostenabrechnungen. Zu den ausgestellten Dokumenten gehörte auch die Schilderung einer 13-Jährigen, die am 19. April 1945 den Fliegerangriff auf Weilheim miterlebt hatte. Interessante Details über die letzten Kriegstage in Weilheim hat Robert Huber in einem Buch veröffentlicht, das sich teilweise spannend wie ein Krimi liest. Denn der Autor konnte nicht nur Aufzeichnungen der damals eingesetzten US-Truppen auswerten, die bis vor kurzem noch als geheim eingestuft waren, sondern auch mit den letzten lebenden Zeitzeugen sprechen, wie dem 95-jährigen Georg Vollmann. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche historische Fotos und bisher unveröffentlichte Dokumente aus dem Stadtarchiv sowie durch Kriegstagebuch-Aufzeichnungen der US-Truppenteile.

In diesem Zusammenhang wurde eine bis dato unbekannte ortsansässige Widerstandsgruppe entdeckt, deren Wirken in letzter Minute ein folgenschweres Feuergefecht verhindern konnte. „Ebenso ist es hauptsächlich dieser Gruppe zuzuschreiben, dass Weilheim in den ersten Nachkriegstagen von Plünderungen weitgehend verschont geblieben ist“, so der Autor. Außerdem fand in diesen Tagen der deutsche Raketenpionier Wernher von Braun mit seinem Team sicheren Unterschlupf in der Stadt. Wie er in amerikanische Obhut gelangte, wird in einem eigenen Kapitel geschildert.

Inmitten des grausamen Krieges gab es aber auch noch einen Rest von Menschenwürde. Dass die Weilheimer ihre französischen Kriegsgefangen sehr gut behandelt haben, geht aus einem erhalten gebliebenen Dankschreiben an Straßenmeister Wirth hervor: „Sehr geehrter Herr Wirth! Im Augenblick, wo wir nach fünfjähriger Gefangenschaft Deutschland verlassen werden, ist es mir persönlich und im Namen meiner Kameraden ein Bedürfnis, Ihnen zu danken für das teilnehmende Verständnis, das Sie uns entgegengebracht und die wohlwollende Art, mit der Sie uns behandelt haben während der Tage, in denen wir unter Ihrer Aufsicht für die Stadt Weilheim gearbeitet haben.“ Am 8. Mai 1945 war dann das ersehnte Kriegsende Wirklichkeit: Generaloberst Alfred Jodl unterzeichnete in Berlin die bedingungslose Kapitulation für das ganze Reich.

Von Peter Stöbich

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